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und Kaufleute zusammen. Alle staunten ob solcher Wagniß. Allein da ich ihnenauseinandersetzte, waö wir bereits bestanden halten, gaben sie die Hoffnung nichtauf, auch da durchdringen zu können, jedoch nicht ohne Gefahr, Anstrengung undGeldaufwand. Um gegen die Willkür der Zieher mich sicher zu stellen, bestimmtedieser Divan den Tagelohn auf einen Piaster (6 K>. C.-M.) unv gab mir hierüberbesiegelte Zuschriften. Allein mein Geld war ausgegangen; solches von ChartuM zuerwarten, war unmöglich, weil inzwischen das Wasser unfahrbar geworden wäre.Der Mudir fand leicht Hilfe. „Nimm das Geld, sagte er, aus der Regierungöcasse;Dein Herr, den ich kenne, soll es der Casse von Chartum wieder zurückerstatten."ES waren aber nur 1790 Piaster vorhanden, die nicht einmal für die Zieher hin-gereicht hätten. Wieder half der wackere Mudir aus der Verlegenheit. „Gib, sagteer, den Ziehern schriftliche Anweisungen auf die Regierung, diese wird dieselben aus-zahlen und die Noten nach Chartum zur Einlösung senden." So meiner peinlichenBedrängniß entrissen, lud ich den guten Mann zum Mittagmahlc, bei welchem erauch erschien, mit den üblichen Salven empfangen. Er bewunderte unser Schiff.„Ein solches Schiff, ein eisernes Schiff, sagte er, ist noch nie in unsere Gegendengekommen; dasselbe hat unerhörtes geleistet." Beim Essen erzählte er uns seineLevenSgeschichte, hörte manche Frage über die Regimentseinrichtung. Er lud unswieder ein, und bei zwanzig Schüsseln, die unter dem Gastmahle rasch sich drängten,bekam ich den besten Begriff von türkischen Tafeln. Nach der Beurlaubung ordneteich Alles zum Ausbruch, worauf der Mudir mir noch seinen besten ReieS sammt einemSoldaten sandte, der den Auftrag hatte, für Zieher zu folgen und uns an die Handzu gehen.
DaS Schiff wurde aus dem Nebenarm des Nils in den Hauptarm gelenkt,am 16. Januar aufgebrochen, um gegen die dritten Nilkatarakten zu steuern. DerWinv war günstig, majestätisch bewegte sich das bewunderte Fahrzeug vorwärts,bis eS, vom Winde erfaßt, den Augen der Zuschauer, welche den Abschied winkte»,entschwand. Kein Fels hinderte den Lauf, nur etwa eine verborgene Sandbank,wobei das getrübte Wasser durch Auffahren bis auf das Verbeck spritzte, verursachteein leichtes Hinderniß. Dann trat Windstille ein, so daß wir erst am 18. JanuarAbends sechs Uhr unter den hohen Felsen von Altdongola kamen. — In der Früheerhob sich ein günstiger Wind, der uns vor eintretendem Mittag nach Ebdadba, derEinbruchsstation nach Chartum, und dem fünfzehn Tagereisen entfernten Kordofanbrachte. Hier änderte sich die Richtung des Stromes, und mit diesem Tage begannenalle Unannehmlichkeiten einer langen und gefährlichen Fahrt. — Am Nachmittagesahen wir noch daS letzte Schiff unter englischer Flagge, welches unsere Begrüßungwiederholte; denn sonst segelt um diese Zeit von Meravi bis Berber niemals einSchiff. Den 21. Januar standen wir vor Ambukol, von wo wir in das Land derScheikien eintraten. Ein mäßiger Bergrücken bildet die Gränze. An dem ehemaligenKönigssitze Hanik vorüber, wo jetzt nur Steingerölle, erreichten wir noch vor AbendMeravi. Da vergingen unter Strickflechten von Palmenfasern und andern Vorberei-tungen für die Katarakten zwei Tage. Nachdem wir am 27. die schönen Ruinen vonDjebel Barkal passirt hatten, trat uns am 28. das schöne Bild von Baten el Hagiarwieder lebhaft vor Augen, mit dem einzigen Unterschied, daß dort der Wind konntebenutzt werden, hier aber die Fahrt mit der Stärke des WindeS schwieriger wurde.Auch die Scenerie änderte sich. Bisher Palmen, Ebenen, blühende Inseln, zahl-reiche Bewohner; von da an Felsen, Gebirgszüge, nacktes Gestein, Schwärme vonWildtauben und Schwalben, dazu daS dumpfe Tosen und Brausen der Brandungen.Am 29. zeigten sich die Vorboten der ersten Katarakten. In den folgenden Tagenwurden zwei gefährliche Puncte — die Katarakte Kab el Abd und der gefürchteteFels Morsann, der bei hohem Wasser schon manchem Schiff den Untergang bereitet —glücklich zurückgelegt; wir standen an dem Schellal Kendi, den wir auf einem Neben-arm? zu umschiffen gedachten.
Er wurde am 1. Februar glücklich durchschnitten; nach vier Stunden standen