Ausgabe 
12 (8.8.1852) 32
Seite
251
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S.N

Jahrhunderte ab seit dem GeburtSragc Maria'S, Herzogin von Bayern , TochterHerzog Albrechts V. und der Erzherzogin Anna von Oesterreich . Sonntag den26. August des JahreS 1ö7t, an welchem die Kirche singt: Gott sey unsere Hilfe,wurde sie hier zu Wien in der Augustinerkirche ihrem Netter, Erzherzog Karl zuOesterreich, Herrn von Steiermark, Kärnthen , Kram und Görz, angetraut.

Jener verneinende Geist, welcher damals unter Berufung auf ein allgemeinesPricsterthum, wie in unserer Zeit unter derjenigen auf ein allgemeines Königthum,(wofür sie den Namen VolkSsouveränetär erfunden haben) gegen jede Autorität sichauflehnt, hatte auch in den Ländern dießseitS und jenseits der Donau zahlreicheMissionäre, Bekenner und Schutzredner gefunden. Oesterreichs wie Bayerns damaligeFürsten hofften, durch weit gehende Zugeständnisse mindestens das Wesentlichste: denGlauben, die Einheit und die ursprüngliche Gestaltung der Kirche retten zu können.Bald jedoch mochten sie die Ueberzeugung gewinnen, daß eine auf gänzlichen Umsturzhinarbeitende Partei durch dergleichen niemals befriedigt, vielmehr zu keckerm Voran-schreiten ermuthigt werde. Der Herzog von Bayern war der erste, welcher zu derdurch alle Zeitalter sich bewährenden Einsicht gelangte, daß das einzige Heilmitteldarin bestehe, der zerstörenden die erhaltende Kraft gegenüber zu stellen.

Albrecht setzte seine ganze Regententhätigkeit für Erhaltung der Kirche ein.Nicht geschreckt durch angedrohte Empörung, gelang es ihm, ven zersetzenden Sauer-teig auS seinem Lande zu-entfernen, und dessen Bewohner in dem katholischen Glau-ben wieder so zu befestigen, daß sie noch heutiges Tages unentwegtich in demselbenwurzeln. Unter diesen Regenrcnsorgen des Vaters verlief Mariens Jugend, inwelche jene unerschütterliche katholische Ueberzeugung sich verflochten hat, die bis zuihrem letzten Lebenshauch gleich fest und gleich frisch stets geblieben ist. Eben somag sie von ihm die Liebhaberei an Seltenheiten und Kostbarkeiten, den Geschmackan Musik und, was edler als alles dieses, die Neigung zur Wohlthätigkeit geerbthaben, worin sie den Vater noch weit übertraf. Unter der mütterlichen Aufsicht eig-nete sie sich jene unverdrossene Thätigkeit in weiblichen Arbeiten an, die über demZierlichen niemals das Nützliche vergaß.

Ob auch die Fürstin von dem elterlichen Hause sich entfernte: sie blieb derEltern gehorsame Tochter, der Geschwister anhängliche Schwester, eben so wie siedeS Gemahls treue und unzertrennliche Lebensgefährtin wurde. WaS ihr freudigeswiderfuhr, berichtete sie immer unter dem frischesten Eindruck dem Vater; was denVater erfreuen konnte, darauf nahm sie Bedacht mit der zartesten Aufmerksamkeit;und als er dahingeschieden war, bat sie ihren Bruder aufs dringlichste, ihr etwasvon ihm, wär' es auch das Geringste, zum Andenken zu schicken, sofern sie nurversichert sey, daß er es stets an seinem Leibe getragen. Mit ihrem Bruder Wilhelm,der als Regent dem Vater folgte, stand sie in so lebhaftem Briefverkehr, daß sieeinst bei längerm Schweigen desselben ihm zuschrieb:ich muß wissen, ob Du leb?n-dig oder todt seyest, daß Du mir so gar nicht schreibst. Mein Schatz! ich weiß nicht,wie ich es verstehen soll, daß ich keine Briefe von Dir erhalte. Solltest Du miretwa Feind geworden seyn? Ich glaube aber, Du werdest viele Geschäfte haben.Darüber solltest Du jedoch meiner nicht ganz vergessen. Nicht wahr, Du gedenkstmeiner noch, wenn Du einen guten Hirschen schießen wirst?" (Denn, im Vorbei-gehen gesagt, Maria war bis in ihr letztes Lebensjahr eine große Freundin derJagd.) Gleiches Anrecht aber auf ihre schwesterliche Liebe räumte sie ihren andern

drei Geschwistern ebenfalls ein. (Schluß folgt.)

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Aus dem Bericht des Missionars Johann Koeianeic

über die Fahrt derStell» mstuting" von Dongola bis Chartum .

Wien , im Juli.

Als ich in Dongola dem Mudir Chorschud meinen Vorsatz äußerte, auch überdie dritten Nilkatarakten die Fahrt zu wagen, rief er sogleich erfahrene Schiffmänner