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sten, stand, von fast unzähligen Wachslichtern erleuchtet, allen Männern zum Besucheoffen, und acht Tage hindurch hatten schon alle Glocken von St. Peter täglich eineStunde lang die Gläubigen zur Theilnahme an der großen Feier eingeladen. Diesebegann mit der ersten VeSper am Abende des 23. Juni, die — das einzige Malim Jahre — vom Papste selbst mir allen Cardinälen feierlich abgehalten wurde.Eine ungeheure Menschenmenge hatte sich dazu in den weiten Hallen von St. Petereingefunden; die Cardinäle und Prälaten aber versammelten sich im Vatikan , um denheiligen Vater zur Kirche zu begleiten. Während des feierlichen ZugeS in dieselbehatten sich die Mitglieder der Camera Apostolica , der Cardinal Camerlengo an derSpitze, am Ende der sogenannten KönigStreppe des Vatikans aufgestellt und da nachaltem Herkommen an diesem Tage die dem Stuhle des heiligen PetruS gebührendenCensuS entrichlet seyn mußten, so lange daS aber nicht geschieht, ein feierlicher Protestan demselben Tuge hergebracht ist, so verlas der FiScal-Procurator in einer Anredean den heiligen Vater eine Protestation gegen den seit vielen Jahren durch weltlicheMacht dem heiligen Stuhle entzogenen Besitz der Herzogthümer Parma und Piacenzaund alle aus der Nichtzahlung des dem apostolischen Stuhle davon gebührenden Tri-buts gezogenen Folgerungen. Nachdem der Papst diese Protestation durch eine kurzeAntwort bekräftigt hatte, bewegte sich der Zug unter dem Geläute aller Glocken unddem Spielen zahlreicher, in der Vorhalle von St. Peter aufgestellter Mustkchöre biszum Hauptthore dieser Kirche. In dem Momente, als der Statthalter Christi, hochauf dem Tragsessel getragen, in demselben erschien, stimmte die päpstliche Capelle dieAntiphon ani^u es Petrus , et super ksne petram seäiLesdo Lcelesism mesm(du bist PetruS und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen), und unter demVortritte von vielen Prälaten, zehn assistirenden Bischöfen und dreißig Cardinälen— alle mit der weißen Milra geschmückt — trug man den heiligen Vater bis zurCapelle des allerheiligsten Sacramentes, wo die gewöhnliche kurze Anbetung stattfand.Am Hauptaltare dann stimmte Seine Heiligkeil selbst daS veus in schutorium derVeSper und die erste Antiphon an. Die zweite Antiphon intonirte der erste assistirendeCardinaltiacon, die dritte der assistirende Cardinalbischof, die vierte der erste Cardinal-priester und endlich die fünfte der zweite assistirende Cardinaldiacon. Während deSMagnificat incensirte der heilige Vater, von den dem päpstlichen Throne assistirendenPatriarchen, Erzbischöfen und Bischöfen gefolgt, den Altar, sang dann die Orationund feierliche Benediction und nahm die Segnung der erzbischöflichen Pallien vor,die ein Udilor der Rota vom Grabe des Apostelfürsten vor seinen Thron brachte.Die Gebete, welche die Kirche für die letztere Segnung vorgeschrieben hat, sind ganzungemein ergreifend und schön, und Piuö IX., der immer mit außerordentlicher An-dacht die heiligen Functionen vollzieht, wurde beim AuSsprechen derselben sichtbargerührt und bewegt; Näherstehende wollen die Thränen in seinen Augen gesehenhaben. Nachdem der heilige Vater in den Vatikan zurückgekehrt war, begann mitdem Anbrechen der Dunkelheit die Beleuchtung der PeterSkuppel mit 4400 Lampen,die einen unbeschreiblich majestätischen Anblick gewährt. Mit dem Glockenschlage9'/^ Uhr wechselte dieselbe, indem daS Ganze in dem Lichte von 800 Fackeln erschien.Zweihunderlfünfzig Personen sind dazu angestellt, um diesen Wechsel im Zeitraumvon einer Secunde zu bmmken.
Wir haben oft an der PeterSkirche bewundert, daß, wenn auch in allen zuderselben führenden Straßen stundenlang ungeheure Volksmassen zu ihr sich hinge-drängt haben, man doch eigentlich nie sagen kann, daß die Peterskirche angefüllt ist,und in ihren weiten Räumen selbst die größten Menschenmasscn sich verlieren. AISwir aber am frühen Morgen des Festtages St. Peter und Paul diesen riesigen Dombetraten, fanden wir alle Schiffe schon von Menschen gefüllt: gewiß der bei weitemgrößere Theil der Einwohner RomS hatte die Frühe gewählt, um dem Apofielfürstenden Tribur seiner Verehrung darzubringen und seine Grabesstätte zu besuchen. Welch'eine Veränderung, welch' ein Wechsel doch, — dieser Gedanke mußte uns unwill-kürlich ergreisen, — wenn wir eben diese Stätte vor kaum zweitausend Jahren