Ausgabe 
12 (15.8.1852) 33
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besucht hätten! Hier, wo wir stehen, war damals der CircuS dcS Nero, jenesgrausamen Beherrschers des heidnischen RomS; der Ort diente zu Pferd- und Wagen-rennen und zu den schrecklichen Gladiatorenkämpfen, in denen sich die Heiden an demRingen, an dem Blute und den letzten Zuckungen der Fechter in wahrhaft thierischemGenusse erfreuten. Hier ward vor nicht achtzehnhundert Jahren auch ein einfacherFischer auS Galiläa, der eine neue Lehre nach Rom gebracht und dafür wenige ver-achtete Menschen zu Anhängern erworben hatte, auf Befehl dcS Kaisers gekreuzigt, und jetzt? jetzt sagt nur mehr die Geschichte, daß einstenS Nero an dieser Stelleseine Macht entfaltete und seine thierische Lust an blutigen Gefechten befriedigte,aber über den Gebeinen dieses einfachen Fischers und zu dessen Ehre und dessen Ver-herrlichung hat sich hier der großartigste Dom der Welt erhoben und alle Völker derErde strömen zu demselben, und fallen nieder an dem Eingange seiner Grabstätte,um bei seinen irdischen Ueberresten zu beten und Gnade vom Herrn zu erflehen!

(Schluß folgt.)

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Die Erzherzogin Maria von Steiermark,

Mutter Kaiser Ferdinand des Zweiten.

Rede d«S Herrn Hofraths und ReichShisioriographcn vr. FriedrichHurter , gehalten in der P lenarversammlung des Central,Sevcri-nuSvereineS in Wien am 13. Juli 1852.

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(Schluß.)

Zur Zeit, da Maria nach Steiermark kam, fand sie die dortigen Zuständebedenklicher, als sie eS während ihrer frühern Jugend in Bayern gewesen waren.Die Ursachen, die hiezu beigetragen haben, kann ich hier nicht entwickeln, blos alsSummarium andeuten, daß der von der Kirche abgefallene Theil deS Adels, imSinne jeder nach Alleingeltung strebenden Partei, eben so wohl die Rechte seinerkatholischen StandeSgenossen als die Befugnisse des Landesherr» immer mehr ein-zuengen sich bestrebte; dieß unter dem stets in Bereitschaft gehaltenen Schlagwort derGewissensfreiheit.

Die alljährlich wiederkehrenden Besorgnisse vor einem Einfall der Türken erfor-derten außerordentliche Anstrengungen zu dessen Abwehr; an die Gewährung derselbenwurden von Jahr zu Jahr Bedingungen geknüpft, deren Zugeständnis) daS Waltender katholischen Kirche immer mehr beschränkte und gefährdete. Während die unkatho^tischen Landleute Prädikantcn und Schulmeister auS Württemberg , Sachsen und allenGegenden Deutschlands in freiem Belieben haufenweise nach Jnnerösterreich beriefen,verlangten sie von dem Erzherzog wiederholt, er solle die kurz zuvor zum Unterrichtder katholischen Jugend eingeführten Jesuiten verweisen, weil sie Fremdlinge wären.Endlich am 9. Februar 1578 wußten sie auf einem Landtage zu Brück an der Mur ihm die Bewilligung abznnöthigen, daß in den vier Städten Grätz, Klagenfur»,Judenburg und Laibach unkatholischer Gottesdienst ohne irgend eine Beschränkungdürfe geübt werden. Der Erzherzog gewährte dieselbe mit schwerem Herzen in Gegen-wart seiner geheimen Räthe mündlich; diejenigen aber, welchen die Bewilligung zuGute kommen sollte, sormulirtcn sie sodann nach eigenem Gutfinden schriftlich, undfälschten die Worte hinein: der Erzherzog verpflichte sich hiezu für seine Erben undNachkommen. Obglelch er diese Worte alSbald in ihrer Gegenwart mit eigener HandauSstrich, behaupteten sie nach seinem Tod die Giltigkcit derselben mit der zähestenHartnäckigkeit, wie oft auch die Erzherzogin die Vorweisung dcS Originals mit dendurchgestrichenen Worten anbot.

Was dieselbe unter solchen unablässigen Bemühungen der Unkatholischen mögegelitten haben, erkennen wir am Besten auS einem Vorgang, der nur wenige Jahrenach dieser Zeit konnte stattgefunden haben, und welcher in ihr Inneres in dieser