Ausgabe 
12 (15.8.1852) 33
Seite
260
URN (Seite)
  
 
Einzelbild herunterladen

260

Beziehung den tiefsten Blick eröffnet. Einige, der unkatholischen Lehre beipflichtendeHofherren hatten ihren Gemahl mit Ueberreichung eines zierlich eingebundenen Gesang-buches zu bereden gewußt, den Gottesdienst ihrer Partei zu besuchen. DaS erfuhrdie Erzherzogin und hielt sich für verpflichtet, dieses Borhaben, wenn immer möglich,zu verhindern. Als daher der Erzherzog aus seinem Gemach herausschritt, begegnetesie ihm, ihren kleinen Ferdinand an der Hand führend, und ein anderes ihrer Kin-der auf dem Arme tragend.Wo wollen Ew. Liebden hin mit den Kindern?" fragteder Erzherzog.Nach Bayern , in meine Heimat," versetzte die Gemahlin,dennhier sind sie in diesem Augenblicke in der höchsten Angelegenheit ihres Heils gefähr-det." Der Erzherzog verstand den zarten Sinn und sagte:Bleiben wir lieber Beidezu Hause;" worauf auch er wieder umkehrte.

Kein Jahr war seit dem Vertrage von Brück abgelaufen, als der Erzherzogseinem Bruder Ferdinand in Tirol klagen konnte:eS sey nicht allein auf AuSlilgungder katholischen Religion, sondern eben so sehr auf Beseitigung des schuldigen Gehor-sams in weltlichen Sachen abgesehen. Die unkatholischen Landleute legten eS daraufan, alle Katholiken auS seinem Lande zu verdrängen; sie mutheten ihm zu, den Be-fehlshaber in seinem eigenen Schlosse zu Grätz, als einen unerschütterlichen Bekennerdes Glaubens, zu entlassen und über Städte und Schlösser nur solche Männer zusetzen, die von ihnen vorgeschlagen würden. Sie wollten sogar behaupten: auch daSgehöre zu ihren Freiheiten, durch fürstliche Befehle nicht gebunden zu seyn, sonderndarüber hinwegsehen zu dürfen." Einerseits wurde jene Beiseitsetzung der Katho-liken sammt der Beeinträchtigung des fürstlichen Ansehens immer weiter getrieben,anderseits schallte eS jeden Sonntag von allen Kanzeln herab von Aberglauben,Götzendienst, Teufelswerk, Pfaffentrug und ähnlichen grobkörnigen Ausdrücken. Dergrätzerische Prävikant JeremiaS Homburger entblödete sich nicht, am Sonntage nachdem Fronleichnamsfeste, woran der Erzherzog mit seiner Gemahlin und dem HofeTheil genommen, zu verkünden: das sey purlautere Abgölterei, deS Festes Stifter,Förderer und Theilnehmer wären insgesammt verflucht; selbst die Kühe könnten denGräuel der Procession nicht leiden, indem sie vor zwei Jahren dieselbe zertrennt hätten.Beschwerte sich der Landesherr über solche Frechheit, so erklärten die Prädikanten:zu ihrem Eifer würden sie von der Macht des heiligen Geistes angetrieben, undgegen wohlverdiente Rügen fanden sie Schutz bei den Mitgliedern der Stände. DieLandtage wurden von Jahr zu Jahr unfreundlicher. Selbst der Stadtralh von Grätzmaßte sich an, ein Verbot gegen den Besuch katholischer Predigten zu erlassen;die Handwerker verbanden sich, keinen katholischen Arbeiter länger als vierzehn Tagezu dulden.

Dieß alles konnte der Erzherzogin so wenig gleichgiltig seyn als ihrem Gemahl,welcher immer mehr einsah, daß er mit seiner angestammten österreichischen Mildenicht länger werde durchkommen können. Schon im Jahre 1581 schrieb HerzogWilhelm von Bayern seiner Schwester: er freue sich, daß ihr Gemahl die ReligionS-sache sich so wohl angelegen seyn lasse und daß auch sie dazu rathe und mitwirke.Im folgenden Jahr bot die Taufe der Erzherzogin Eleonore deren Oheim Veranlas-sung, selbst nach Grätz zu kommen, um dem Schwager, vornämlich aber der Schwe-ster, seinen Rath zu ertheilen. Wie willkommen dieser ihr müsse gewesen seyn, läßtsich jenem Wort derselben entnehmen:Lieber wollte ich'alle meine Kinder in einerButte auf den Rücken nehmen und zu Fuß nach Bayern zurückwandern, als daß ichzugäbe, daß etwatz ihrer Religion Nachteiliges unternommen würde. Sollte dannselbst mein Herr Bruder sie nicht ausnehmen wollen, so würde ich eben mit andernarmen Leuten in einem Spital wohnen, um daselbst mein Leben katholisch zuzubrin-gen." In einer solchen Rede liegt die über jeden Zweifel erhabene Bestätigung deöPsalmworteS: daß über Macht, Ehre und Reichthum daS Herz ungleich höhereGüter erkenne.

Wilhelm sprach Muth ein, rieth, wenn Einige ihre Stellen aufgeben wollten,ihnen den Mantel deßhalb nicht zu zerreißen, das unkatholische Hosgesinde zu entlassen.