Ausgabe 
12 (15.8.1852) 33
Seite
261
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Maria freute sich des Gemahl zunehmender Entschlossenheit und bezeugte bald darauf,eS hätten so viele Katholiken zum Dienst sich angeboten, daß sie nicht geglaubt hätte,deren so viele in Grätz noch zu finden. Der Bruder ermunterte sie: ihr Gemahlsolle nur Herr bleiben, es handle sich bloß um den ersten Schritt, daS Weiterewerde sich dann leicht fügen. Bei der Erzherzogin begegnen wir jetzt schon jenerEntschiedenheit, mit welcher sie später den Sohn unablässig ermähnte: bei einerAngelegenheit, worin die Ordnung im Lande, die Erhaltung der fürstlichen Rechteund die Wahrnehmung der geheiligtesten Verpflichtungen gleichmäßig sich verbänden,weder schläfrig noch verzagt zu Werke zu gehen. Die noch bei Lebzeiten des Gemahlsimmer weiter zielenden Folgerungen, welche aus dem Bruckervertrag wollten gezogenwerden, die um sich greifende Vergewaltigung katholischer Kirchen und ihrer Priester,daS waS manchen Orts gegen glaubenötreue Laien vollführt wurde, rechtfertigenjene ausgesprochene Ueberzeugung aufs vollkommenste. Maria mochte selbst des gelieb-ten Gemahls frühzeitigen Tod, die Verwaisung ihrer zahlreichen Kinderschaar jenertraurigen Spaltung beimessen, welche die Einwohner des Landes nicht bloß auseinan-der gerissen, sondern in schlecht verhülltem Groll sich gegenüber gestellt hatte. Dennwährend der Erzherzog zur Kräftigung seiner angegriffenen Gesundheit im MannerS-dorferbade bei Larenburg sich befand, brach, durch die Unkatholischen veranlaßt, inGrätz ein arger Tumult aus. Der Fürst wollte zur Untersuchung selbst nach seinerResidenzstadt sich begeben, erkrankte unterwegs, und starb am fünften Tage nachseiner Rückkehr in einem Alter von fünfzig Jahren, eilf Kinder hinterlassend, zu denenin wenigen Wochen das zwölfte hinzukommen sollte. So tief gewurzelt, unerschüt-terlich und hell aber lehte in dieser gesegneten Mutter die Ueberzeugung: die Kirchesey die von Gott gesetzte Anstalt zur Leitung und Begleitung der Menschen hienieden,zu deren Beseligung für die Zukunft, daß sie die pflichtgetreuen Diener derselben,ohne irgend welche Rücksicht auf weltlichen Rang, aller Ehren werth hielt, mit demfreundlichsten Wohlwollen ihnen entgegentrat. AIS daher eine Edelfrau über die Nei-gung ihres SohneS, in den geistlichen Stand treten zu wollen, bei ihr sich beschwerte,erwiderte sie:und wollte einer meiner Söhne Jesuite oder Capuciner werden, ichwürde es nicht nur nicht hindern, eS vielmehr fördern, so gut ich eS vermöchte."

Wie alle Lebensbeziehungen dieses erhabenen FürstenpaareS durch die lebendigstechristliche Ueberzeugung geweiht und geadelt wurden, so vornehmlich die bedeutungs-vollste derselben: ihre eheliche Verbindung. Beinahe bei allen Reisen des Erzherzogsbegleitete ihn die Gemahlin; sie nahm Theil an seiner Jagdlust; sie richtete sich inder Bekleidung ihrer Leute nach seinem Geschmack; sie nahm Bedacht auf Alleö, waSihn erfreuen konnte; sie hörte auf seinen Rath selbst in Sachen, die bloß ihre eigenePerson betrafen. Im Jahre 1582 ging der Erzherzog nach Wien ; Maria mußtezurückbleiben, weil sie nicht lange zuvor einer Tochter genesen war. Er traf am7. November hier ein und schon am 9. schrieb er ihr: mache ihm vieles Nach-denken, daß er noch keinen Brief von ihr erhalten habe. T)rei Tage später sagte er:er könne nicht Worte finden, um eS auszudrücken, wie lang ihm die Weile nach ihrsey. Dann wieder schreibt er ihr:mein Schatz! es ist Dir wohl die Weile so langnach mir, als mir nach Dir." ES war zu jener Zeit und zumal am Ende des No,vemberS ehedem eine schöne Tagreise von Wien nach Schottwien . Im Augenblick,da der Erzherzog Wien verließ, erhielt er einen Brief von der Gemahlin, und seinErstes bei der Ankunft in Schottwien war die Erwiderung desselben. Zwei Jahrespäter kam er nach Leoben ; kaum abgestiegen, schrieb er der Gemahlin:Wie ichin daS HauS eingetreten bin, bist Du mir halt abgegangen, daS HauS ist mir zuweit, denn der Weil ist mir schon lang "nach Dir." ES war daher der Ausdruckallgemein anerkannter Wahrheit, wenn in einer Leichenpredigt auf den Erzherzoggesagt wurde: ein Sinn, ein Rathschluß, ein Wille, ein Geist, eine Lebens-weise habe Beide geeinigt.

In seinem Testamente bezeugte der Erzherzog,daß die freundliche, herzliebeGemahlin während der ganzen Zeit ihrer Ehe eine offenkundige, beständige, herzliche