Ausgabe 
12 (15.8.1852) 33
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Wache gehalten werden, weil jeder Augenblick uns loszureißen drohte. Endlich konn-ten wir weiter und gelangten um zehn Uhr vor den letzten Katarakt Musur. Dazu wenig Zieher vorhanden waren, ging ein Malrose auS, um Leute aufzubieten,damit des folgenden Morgens die Fahrt könnte gewagt werden. Als ich mich danach dem Stand der Mannschaft erkundigte, hieß eS:Alle sind entflohen, kein Ein-ziger will ziehen, ein Schech hat den ausgesendeten Matrosen todten wollen." Datobte eS in mir; von einem Einzigen begleitet, machte ich mich auf, um über denKopf des Schechs eine Fluth von Drohungen auszugießen. Der lange Weg, den ichauf dem Gerippe eines Esels zurückzulegen hatte, kühlte mich etwas ab, auch bedachteich, daß ich nicht geläufig genug arabisch spreche. Zum Glück traf ich den Haupt-schech Hagfare, mit einem Untergeordneten im Diwan versammelt. Ich erklärte, dasSchiff auf seine Unkosten anbinden und fortgehen zu wollen, und verlangte die Aus-lieferung Desjenigen, der meinem Matrosen den Tod angedroht habe. AlleS wardsogleich bewilligt. Ob aber versprochen worden, die Zieher müßten noch vor Ein-bruch der Nacht sich einfinden, fehlten in der Frühe noch bei zwanzig. Da derHauptschech sich davon gemacht hatte, war es schwierig, Vorsorge zu treffen. Dabrachte einer der Schechs, der immer am günstigsten gegen uns sich erwiesen, imbesten Augenblick Hilfe, so daß wir noch am 27. Februar ohne viel Anstrengung denSchellal Musur, bis zum Abend des folgenden Tages die letzten Schwierigkeitenüberwanden. Wir steuerten nun auf dem felSlosen, gefahrfreien Strome mit schwel-lenden Segeln in südwestlicher Richtung, während wir eine Viertelstunde früher zwi-schen Felsen, Steinen, Schlamm und Untiefen nur langsam uns hatten bewegenkönnen. Nach halbstündiger Fahrt erreichten wir Abu-Hamed mit vollen Segeln. Haltedoch die Dahabie eines der ersten Würdenträger bei vollem Wasserstand nur in dreißigTagen leisten können, waS wir bei niedrigem in zwölf Tagen geleistet hatten.

(Fortsetzung folgt.)

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Eine seltene Taufe.

Wien , 7. August. Vorgestern, am Feste Maria Schnee, fand in der Pfarr-kirche bei St. Johann in der Jägerzeile die Taufe eines erwachsenen Mohrenstatt. Herr Caplan A. Scherner, welcher an diesem schwarzen Sohne Afrikas dieTaufe in feierlicher Weise vollzog, vermehrte hierdurch um ein neues interessantesMitglied die bedeutende Schaar seiner Neubekehrten, die er seit Jahren theils auSdem Protestantismus, theils aus dem Judenthmn zur katholischen Kirche geführt , unddie wohl in ihrer Gesammtzahl bereits eine kleine Pfarrgemeinde ausmachen dürften.Dießmal war diese feierliche Handlung seitens deS taufenden Priesters auch dadurchbemerkenSwerth, daß eS der zwanzigste Jahrestag seiner Primiz war, an wel-chem er die Taufe,eineS schwarzen Muhamedaners, einer Art Heiden, vollziehenkonnte. Auch im Baterlande gibt eS hinreichend Gelegenheit zur Mission sthätig-keit im engern Sinne des Wortes für berufseifrige Priester. Nebst dem sinnvollenCeremoniale der feierlichen Taufhandlung war eS auch zur besondern Erhebung undErbauung, daß bei der auf die heilige Taufe folgenden Dankmesse der Täufling so-wohl als der Pathe die heilige Communion empfingen. So wurde die erlösendeVereinigung des in Christo Wiedergebornen mit dem göttlichen Heiland und seinerKirche in erbaulichster, segensreichster Weise vollzogen. Als Pathe stand dem Täuf-ling der zu jedem guten Werke freudig bereitwillige edle Herr M. Graf FrieS beu

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W i e n.

Wien , 20. Juli. Vom Ministerium des Innern ist der Bescheid erfolgt, daß dieJsraeliten auch in Orten, wo sie die Mehrzahl der Bevölkerung'bilden, die äußere Feierder christlichen Sonn- und Feiertage einzuhalten haben, dagegen, wenn dort die Markt-tage auf einen israelitischen Feiertag treffen, dieselben auf den nächstfolgenden Tag zu ver-legen sind. (Schw. M.)

Beralltwortlicher Redacteur: L. Schönche». VerlagS-Juhaber: F. E. Kremer.