Ausgabe 
12 (22.8.1852) 34
Seite
266
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Während die Versammlungen der damaligen Zeit durchweg daS Bild einer chaotischenVerwirrung und Zerfahrenheit darboten und Einem überall der wilde Galerielärm indie Ohren tönte, entfaltete stch in den kath. Vereinen auf eine wohlthuende Weisedas Bild einer vollendeten Einheit. Es staunte die auS den Fugen gerisseneZeit, eine Versammlung zu sehen, wo Einheit war; man hatte die großeWahrheit kennen gelernt, daß nur auf Grundlage ewiger, göttlicher Principien eineEinheit zu erreichen sey. Es versammelten sich Männer aus allen Theilen Deutsch-lands, und es bewies sich auf den Generalversammlungen, daß auch in Deutschland eine Einheit der deutschen Nation zu erreichen sey, welche Gränzen, Länder und Na-tionalitäten nicht zu stören vermögen. AIS man in Frankfurt die Einheit Deutschlands berieth, sah man aus den Generalversammlungen der kath. Vereine eine Einheit her-gestellt in dem Einen Glauben und der Einen Liebe. Preußen, Bayern ,Westfalen, Tyroler, Oesterreicher, alle Stämme der deutschen Nation reichten sich inihren Vertretern die Hand und standen stch persönlich gegenüber, standen persönlichzusammen, alle von demselben Glauben, denselben Ueberzeugungen durchdrungen,durch dieselbe Liebe verbunden!

Die Versammlung der deutschen Bischöfe zu Würzburg war die vollendeteEinheit, dargestellt in den obersten geistlichen Würdenträgern; die Versammlung derkath. Vereine bot uns den wohlthuenden und erhebenden Anblick einer Verbindungdar, die selten geworden war, die Verbindung zwischen Geistlichen und Laienzu Einem Zweck, zu Einem heiligen Wirken für Wahrheit und Recht, für daS WohldeS Staates und der Kirche. Uno hätten wir daö Bisherige nicht gesagt und würdenwir alles Andere verschweigen, schon unter diesem Gesichtspunkte erscheinen die kath.Vereine als eine Zeiterscheinung, oer man ihre Bedeutung nicht absprechen kann.War man doch längst gewohnt, das Wirken für Gotteö Ehre, in ächt burcaukrati-scher Auffassung, einem gewissen Ressort, nämlich dem geistlichen Stande in engsterBeziehung, zu überweisen und sich nicht mehr als Glieder des Einen heiligen LeibeSder Kirche zu betrachten, deren jedeS seine Bestimmung und Aufgabe, nicht etwablos auf Erden und im Staate, sondern auch für den Himmel unv die Kirche, daSHimmelreich auf Erden, hat. Daß man nicht blos Geistliche auf der Kanzel, son-dern auch Laien auf der Tribüne über religiöse Fragen und göttliche Dinge redenhörte, ist ein Moment, daS man nicht zu gering anschlagen sollte; denn eS ist eineThatsache, daß man vor dem Jahre 1848 kaum eine Gesellschaft, auch der Bestge-sinnten fand, wo höhere und religiöse Fragen zur Sprache gebracht wurden. Laien,welche an den katholischen Bereinen sich betheiligten, trugen daS Samenkorn deSGuten auch weiter in ihre und die höheren Kreise, und namentlich diese Kreise wur-den zum ersten Male wieder von einem Luftzug berührt, gegen den man bisher her-metisch stch abgesperrt halte. Laien fühlten sich geweckt durch Geistliche, Geistlichedurch Laien; eS fand eine Wechselwirkung statt, welche von den wohlthätigsten Folgenbegleitet war. ES bedürfte aber außerdem in damaliger Zeit außergewöhnlicher Kräfte;und indem Geistliche und Laien sich die Hand reichten, hatten sich die Kräfte gemehrtund die einzelnen Laien wurden die überleitenden Mittel, wodurch überhaupt die viel-fach so sehr gestörte, zum Theil abgebrochene Verbindung mit den unmittelbaren vonGott gesetzten Organen der Kirche wieder angebahnt und hergestellt wurde.

So wurden die katholischen Vereine ein Mittel in Gottes Hand, wodurch zu-erst und im Allgemeinen eine Einheit und Vereinigung der Katholiken Deutschlands angebahnt, wodurch ein christliches, göttliches Bewußtseyn allseitig geweckt,wodurch auf die ewigen, höheren Principien hingewiesen wurde; eS wurdedurch dieselben der Begriff von Kirche und Staat und die Stellung desKatholiken zu beiden Gewalten aufgehellt; eS wurde die Lehre über die von Gott gesetzte Obrigkeit mit Kraft gelehrt und in dieser Beziehung der Revolution mitEntschiedenheit entgegengetreten; es wurde mit Vorficht und Umsicht auch die Stel-lung deS Katholiken zum Episkopat hervorgehoben und in allen diesen Be-ziehungen dahin gestrebt, die richtigen Ansichten zu vermitteln, die verwirrten Begriffe