Ausgabe 
12 (22.8.1852) 34
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weßhalb gerade die Generalversammlung zu Münster eine treffende Gelegenheit zurBesprechung dieses Gegenstandes bieten würde.

Und waS wird Münster thun, dem die Ehre einer Generalversammlung derkatholischen Vereine Deutschlands zu Theile wird? WaS in seinen Kräftensteht! DaS ist unsere Hoffnung.

Münster , den L7. Juli 18S2. _ (M. S.-Bl.)

Das Fest des heiligen Petrus und Paulus .

(Schluß.)

Die eigentliche Feier deS TageS begann aber erst gegen zehn Uhr und bestandin dem heiligen Meßopfer, das der 259ste Nachfolger des heiligen Petrus, unserheiliger Vater Plus IX. mit allen Cardinälen auf dem Hauptaltare und also überden Gebeinen deS ersten aller Päpste darbrachte. Niemand wird es von uns ver-langen, daß wir diese Feier beschreiben; denn demjenigen, der nie daran Theil nahm,vermag keine Beschreibung eine adäquate Vorstellung zu geben, und demjenigen,der dabei gegenwärtig war, wird der damals empfangene Eindruck immer lebendigbleiben. Wir beschränken uns deßhalb auf die Bemerkung, daß nach dem feierlichenEinzüge jn St. Peter der heilige Vater die Functionen bis zum Offertorium aufdem Throne vornahm und sich dann an den Altar begab, und diesen nach demAgnuS Dei wieder verließ. Am ergreifendsten sind die Momente der Elevation undder Communion. Bei ersterer nämlich zeigt der heilige Vater, nachdem er selbst dieheilige Hostie und später den heiligen Kelch knieend angebetet hat, dieselben nachallen Weltgegenden, und wenn dann lautlose Stille die zu Boden gesunkeneungeheure Volksmenge ergreift und alles Militär in die Kniee fällt und theils dasGewehr präsentirt, theils die blitzenden Schwerter zu Boden senkt und eine sanfteMusik in der Höhe der Kirche vom fernen Eingange' her ertönt, da muß es selbstden kältesten Katholiken durchzucken und zieht es nicht selten den Protestanten aufden Boden nieder. Die heilige Communion aber nimmt der Papst nicht am Altare,sondern auf seinem Throne. Die heilige Hostie wird deßhalb von dem ministrirendenCardinaldiacon, der dieses Mal der Cardinal-StaatSsecretär Antonelli war, nach einernochmaligen Elevation nach allen Weltgegenden und unter Wiederholung der allge-meinen Kniebeugung zum päpstlichen Throne gebracht, wo der heilige Vater sie knieendanbetet. Nachdem auch der Kelch in gleicher Weise dorthin gebracht ist, solgt dieCommunion, bei welcher der heilige Vater unter den ministrirenden Diacon und Sub-diacon die Hälfte der heiligen Hostie theilt. DaS heilige Blut nimmt er nach demalten RituS vermittelst einer kleinen Röhre. Ferner hat das Pontificalamt deSPapsteS noch das Eigenthümliche, daß die Epistel und das Evangelium in der grie-chischen Sprache und griechischem Gesänge nach der Recitation des Lateinischen wieder-holt werden. Auf dem feierlichen Rückweg zum Thore der Kirche, bei welchemder Papst, mit der Tiara bekleidet, getragen wurde, hielt man ungefähr in der Mittedes WegeS inne, und der Generalprokurator deS Fiscus trat wieder vor Se. Heilig-keit und verlas laut eine Protestation gegen die Nichtzahlung deS Zinses von SeitenSr. Majestät des Königs von Neapel . AIS König beider Sicilien hat dieser nämlichseit dem Jahre 1737 den dem heiligen römischen Stuhle gebührenden Tribut von7VW Ducaten Gold, die alljährlich in einem silbernen Gefäße am Vorabende desTageS von St. Peter und Paul überreicht werden müssen, zu zahlen unterlassen,und seitdem findet alljährlich dieser feierliche Protest statt, den der heilige Vater durcheine lateinische Erwiderung bekräftigte.

Mit einer feierlichen Vesper in St. Peter, welcher daS heilige Kollegium bei-wohnt, und einem großartigen Feuerwerke auf dem Monte Pincio schloß die FeierdeS ersten TageS. An dem folgenven, dem Tage der Commemoration des heiligenPaulus, fuhr der heilige Vater mit allen Cardinälen zu der auf dem Wege nachOstia, eine Miglie von Rom , über dem Grabe dieses großen Apostels erbauten