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Basilika und wohnte dort dem Hochamte bei, das immer ein dem päpstlichen Throneassistirender Bischof hält und dieses Mal von dem hier anwesenden hochwürdigstenErzbischofe von München -Freysing gefeiert wurde. Nach Beschluß der Feier besichtigteSe. Heiligkeit die Fortschritte deS Baues dieses bekanntlich vor mehreren Jahrenleider niedergebrannten Tempels und die Geschenke, welche der Kaiser von Rußland und Mehemed Ali in zwei Malachit-Altären und großen Säulen von Alabaster dazugemacht haben.
Die Feier der übrigen Tage der Octav deS Festes besteht darin, daß dieBruderschaften Roms verschiedene Kirchen besuchen, an deren Oertlichkeit sich beson-ders das Andenken beider oder eines von beiden Aposteln knüpft, und in welchen beidiesem Besuche ein feierliches Pontificalamt abgehalten zu werden pflegt. So begebensich die Bruderschaften am dritten Tage nach der Kirche St. Pudentiana , demfrüheren Hause des Senators Pudens, bei welchem der heilige PetruS während seinesAufenthaltes in Rom wohnte, und der Pontificalmesse assistiren die Protonotarii Apo-stolici. Am vierten Tage wird Santa Maria in Via Lata (eine kleine Kircheam Corso, worin der jetzt regierende Papst früher Canonicus war) besucht, in derenunter der Erde befindlichen Gewölben der heilige Paulus gefangen gehalten wurde,und die Uditoren der heiligen Rota leisten Assistenz. Am fünften Tage kommt dieReihe an St. Pietro in Bincoli, wo die Ketten, in welche der heilige PetruSgeschlossen wurde, aufbewahrt und verehrt werden und sich die Kleriker der Cameraeinfinden müssen. Weiter am sechsten Tage begeben sich die Bruderschaften zu St.Pietro in Carcere, dem alten mamertinischen Kerker, worin PetruS und PauluSgefangen saßen. Der siebente Tag wird durch einen Besuch der in der Nähe vonSt. Peter gelegenen Kirche St. Pietro in Montorio gefeiert, die gerade an derStelle, wo der heilige Petrus gekreuzigt wurde, erbaut seyn soll. Endlich am achtenTage verehren sie mit dem Senate deS römischen Volkes die beiden Häupter der Apo-stel, die in der Basilika des Laterans bewahrt werden. — Von allen diesen heiligenOertern hat unser Interesse am meisten der alte mamertinische Kerker erregt, der sicham Fuße des CapitolS in dem tarpeischen Felsen befindet. Den heidnischen Römerndiente derselbe zum Gefängnisse für schwere Staatsverbrecher, wie wir ja unter Ander»,wissen, daß Jugurtha darin den Hungertod erlitt und die Mitverschwornen Catilina'Sdarin erdrosselt wurden. Nach der Tradition mußte auch der heilige PetruS in diesemGefängnisse leiden uud rief auf sein Gebet aus dem harten Felsen eine Quelle hervor,mit deren» Wasser er die beiden Kerkermeister Processuö und Martinianus taufte.Diese beiden starben bald nachher den Martyrertod für Christus, und die Kirchefeiert ihr Andenken am 2. Juli. — Jetzt ist über dem Kerker eine Kirche gebaut,aus der man mittelst einer schmalen Treppe in denselben hinabsteigt. Der Kerkerselbst enthält zwei übereinanderliegende und in außergewöhnlich harten Felsen einge-hauene Räume; man sieht noch die mitten in die Fußböden eingehauenen rundenLöcher, durch welche die Gefangenen von oben in daS am tiefsten liegende Gefängnißgesenkt wurden; in letzterem fließt bis auf den heutigen Tag die merkwürdige Quelleund gibt sehr klares und wohlschmeckendes Wasser. Die Quelle selbst ist der SteindeS Anstoßes für alle Kritiker, die jene heilige Tradition nun einmal nicht annehmenwollen; denn wie läßt es sich denken, daß die Römer in dem tiefen Kerker für dieschwersten Verbrecher eine Quelle gruben und denen, die sie am schärfsten züchtigenwollten, diese Wohlthat eines frisch hervorsprudelnden Wassers angedeihen ließen?oder eine wie ausfallende Erscheinung wenigstens ist diese Quelle inmitten des feste-sten Gesteins, daß man in einem Felsen nur finden kann! — Das römische Volküberläßt den Kritikern übrigens gern ihre Ansichten und deren Schwierigkeiten unddie ganze Octav hindurch ziehen ganze Schaaren zu dem mamertinischen Kerker hin,nehmen an den öffentlichen Gebeten Theil, steigen in die Tiefe deS untersten Gefäng-nisses hinab und trinken aus der Quelle, die das Gebet Petri schuf und die zurTaufe von Märtyrern diente. „Selig, die nicht sehen und doch glauben!" (M. S.-BI.)