Ausgabe 
12 (22.8.1852) 34
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Aus dem Bericht des Missionärs Johann Koeianelc

über die Fahrt ver »Stell« mstutins" von Dongola bis Chartum.

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^li-.-'o'i'M !!.!! Wien , im Juli.

Am Montag war vom Segeln keine Rede; die Zieher hatten über die seichtenStellen zu helfen. Jeden Augenblick mußte dem Schiffe eine andere Richtung gege-ben, eS oft zurückgeschoben werden, um zwischen den Felsen durchzukommen. Es wareine harte Arbeit; in fünfstündiger Anstrengung legten wir bloß hundert Schrittezurück, zuletzt standen wir zwischen zwei Felsen in dem Sand, wie eingekeilt. Diefolgende Nacht war nicht angenehm, doch nicht gefahrvoll; obwohl heftiger NordwindsauSte, bewegte sich daS Schiff nicht. In der Frühe trat Kälte ein, bei welcherNiemand in das Wasser sich wagte, auch keine Zieher sich zeigte». Der Sturmwüthete fort, so daß Jeder Zuflucht hinter einem Felsen suchte. Um eilf Uhr kgtesich der Wind elwaS und die Zieher fanden sich ein. Die eine Hälfte griff zu denSeilen, die andere Hälfte sprang in daS Waffer und hob mit Hebern; in einerViertelstunde war daS Schiff frei. Nun ging es von Felsen zu Felsen. Einmaldrohte daS Schiff, sich zu wenden, wogegen die Matrosen durch die Ruderstangc»eS bewahrten, indeß die andern daS große Seil an einem Felsen befestigten, um zuziehen. So gelangten wir unter gewaltigen Anstrengungen und vielfachen Stößenam Abend auf ein freieres Wasser oberhalb der Insel Dobake. Auch am i0. Märzhatten wir gutes Wasser, aber entgegengesetzten Wind, der unS zum Landen nöthigte,wo wir nicht wollten. Für den N. stand der Schellal Bager bevor, vor diesemaber eine 3600 Schritte lange seichte Stelle. Wasser nnd Gelände wurden erst inAugenschein genommen. Um zehn Uhr begann die Fahrt. Die Schwierigkeiten beijeder Wendung des langen Schiffes waren größer, als wir eS vermuthet hatten;doch bis Abends sechs Uhr war dieStella mswtins« über alle gefährlichen Punctehinaus und in den Strömungen von Schellal Bager angelangt. Trotz des SturmeSuntersuchte daS kleine Schiff den AuSweg, den das große Nachmittags mit vollenSegeln zurücklegte. Um vier Uhr flatterten unsere Fahnen oberhalb deS vorletztenKatarakten.

Der letzte ist derjenige von Homar. Für diesen waren Zieher auszunehmen.Sie fanden sich etwaö spät ein. Aber die öde Gegend zwischen den beiden genanntenKatarakte» konnte bei eingeengtem Strom mit vollen Segeln zurückgelegt werden.Abends vier Uhr war auch der Katarakt von Homar mit seinen vier großen Strö-mungen gewonnen; bei großem Wasserstande ist er einer der gefährlichsten. AIS hier-auf ohne alle Bedenklichkeit die Segel konnten aufgezogen werden, jauchzten die Ma-trosen:Jetzt sind wir in Chartum ." Von nun an ist das Wasser unergründlich,breit, mit schön bewachsenen Inseln und Ufern geschmückt. Gleich einem Sieger flogauf ihm das Schiff daher. Um jedoch mit einem wohlgeordneten, gereinigten Schiffvor Berbers Hauptstadt El Mucheiref zu erscheinen, ließ ich am 15. März an derfruchtbaren Insel Tamur landcn, Alles ausladen, das Schiff auSwaschen und Kettenund Stricke in Ordnung bringen. Ein mäßiger Gewitterregen vollendete unsere Arbeit.Doch ging am 16. bei Windstille die Fahrt langsam, erst am Abend erreichten wirEI Mucheiref. Kanin waren die üblichen Salven gewechselt, so kamen viele Vornehme,uns zu beglückwünschen. Unter diesen war Latif Pascha der Erste, der daS Schiffbetrat. Er bezeugte, nie für möglich gehalten zu haben, daß wir in dieser Zeitso weit würden vordringen können. Er erwieS sich sehr zuvorkommend und ich mußteihn täglich besuchen. Ohne alle Schwierigkeit stellte er mir zur Weiterreise die erfor-derlichen Schriften aus.

Anhaltende Südwiude verzögerten unsere Abreise bis zum 20. März. Andiesen, Morgen trat ein frischer Nordwind ein, und gleichsam in dem Bewußtseyn,alle Hindernisse besiegt zu haben, flog die8tkIIs mütutinz" den breiten Strom hinauf.Der Schellal Omeltegur verdient im Vergleich zu den vielen frühern Katarakten kaum