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diesen Namen. An dem Landungsplatz oberhalb desselben harrte unser eine Dehabieder Regierung von Chartum in der Absicht, eine Wettfahrt mit der unsrigen anzu-stellen. Anfangs Überflügelle sie uns, waS die Matrosen so in Wuth versetzte, daßich sie kaum besänftigen konnte. Sie wollten nicht, daß ihr Schiff besiegt werde,vergrößerten daher in der Nacht die Segel, arbeiteten und reparirten, und bewirkteneS am folgenden Tage, daß sie den Gegner trotz angewendeter List, uns den Windabzuschneiden, übersegelten. Am folgenden Tage war Windstille bei brennender Hitze;sie dauerte zwei Tage und machte wieder das Ziehen nothwendig. Dafür wüthetenam 26. und 27. Windhosen, die in dieser Zeit wegen deS Windwechsels besondersstark und häufig sind. Sie drohten oft, die Segelstangen entzwei zu knicken, waSimmer durch die Gewandtheit der Matrosen verhütet wurde. Am Nachmittage deS27. begrüßten wir zum ersten Male wieder eine österreichische Flagge. Sie wehtevon einem kleinen Schiffe, welches unS zwei Missionäre aus Chartum entgegenbrachte.Welcher Jubel! Er läßt sich in Worten nicht ausdrücken. Wir nahmen sie auf unserSchiff und landeten Abends in Halfaye, eine Meile unter Chartum .
Wie am folgenden Tage der Provicar mit seinen Gefährten den-Ankommendenentgegenfuhr, haben die Leser aus seinem Bericht vernommen. Vier Monate undneunundzwanzig Tage waren verflossen, seit die Einen von den Andern sich getrennthatten; vereint erreichten sie Chartum um eilf Uhr deS 29. März.
Wohlthun trägt Zinsen.
An einem der letzten Octobertage deS verflossenen Jahres kehrte der ehrwürdigePfarrer von Derval, einem kleinen Städtchen der Bretagne in Frankreich , sehrermüdet »ach seiner Wohnung zurück. Er hatte eiue arme Familie seines Kirch-sprengels besucht, welche krank und von allen Mitteln entblößt darnieder lag, undderselben das wenige baare Geld geschenkt, welches er sich durch strenge Selbstver-läiignung an seinem bescheidenen Einkommen erspart hatte. Auf seinen Stab gestütztwanderte er seiner Wohnung zu und dachte unterwegs mit Betrübniß darüber nach,wie gering seine Mittel seyen, um Gutes thun und das Elend und Unglück unter-stützen und erleichtern zu können.
Er hatte noch nicht die Hälfte deS WegeS zurückgelegt, alö er sich beim Namenrufen hörte und den Maire von Chateaubriand auf sich zukommen sah, dem ein Mannmit einer kleinen Kiste auf dem Kopfe folgte. Nach beiderseitiger freundlicher Begrü-ßung theilte sodann der Maire dem Pfarrer mit, daß sein Besuch ihm gelte und daßer ihm einen Brief von einem gewissen frühern Sergeant-Major, Carl F. einzuhän-digen habe. Der gute alte Pfarrer erinnerte sich dieses Namens anfänglich nichtmehr, endlich aber fiel ihm bei, daß er einst einem Unglücklichen eine Wohlthaterwiesen habe, und daß dieß Wohl jener Sergeant-Major gewesen seyn müsse. DerMaire erkundigte sich nach dem Dienste, den der Pfarrer jenem Unterofficier erzeigthabe, da derselbe auö dem Auftrage, den er an ihn habe, zu schließen, groß gewesenseyn müsse, worauf ihm der Pfarrer nach einigem Widerstreben Folgendes erzählte:
„Ende Augusts deS Jahres 1848 kehrte ich wie gewöhnlich Abends vom Be-suche einiger kranken und armen Pfarrkinder nach Hause zurück; da erblickte ich nichtweit von unserm Städtchen entfernt einen jungen Soldaten, der mit verstörten Blickenund wilden Geberden dem tiefen und reißenden Fluß zueilte, der dort mit rasenderSchnelligkeit durch jene Bergschluchten ins Thal niederstürzt. Ich hielt ihn an undsprach freundlich mit ihm. Anfangs gab mir der junge Mann gar keine Antwort,sondern suchte sich durch eine abwehrende Bewegung deS lästigen Fragers zu ent-ledigen; da ich aber gegründete Ursache hatte, einen Selbstmord zu befürchten, fohielt ich ihn fest, und nach vieler Mühe gelang eS mir auch, ihn zu bewegen, mitmir nach Hause zu kommen. Nachdem er sich in meiner Wohnung niedergelassenund ich ihn auf die freundlichste Weise um die Ursache seines Kummers befragt hatte,