Ausgabe 
12 (22.8.1852) 34
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272
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gestand er mir endlich, daß er eine ihm in seiner Stellung als Sergeant-Majoranvertraute Summe im Spiele verloren habe, und daß ilmi, um der Schande zuentgehen, nichts Anderes übrig bleibe, als seinem Leben ein Ende zu machen.Nachdem er mir dieses Geständniß abgelegt, brach er in Thränen und lauteö Schluch-zen aus und wiederholte öfters:Ach, meine arme Mutter! meine arme Mutter,wenn die es wüßte..."

Ich wartete, bis der junge Soldat ruhiger geworden war, und redete ihndann mit Worten des Vorwurfes, aber auch zugleich der Ermahnung und des Rathesan, so wie nur ein Vater mit einem irrenden Sohne sprechen kann. Um aber nichtbloS ein leidiger Tröster für ihn zu seyn, gab ich ihm ein Paket mit 130 Franken,den Betrag der von ihm so leichtsinnigerweise verschleuderten Summe.Es ist dießbeinahe mein ganzes Besitzthum, sagte ich zu ihm, aber mit Gotteö Gnade werdetIhr von nun an ein anderer Mensch werden, fleißig arbeiten und mir einst, wennIhr es im Stande seyd, diese Summe wieder zurückgeben, die eigentlich mehr denArmen als mir gehört." ES wäre schwer, des jungen Soldaten Freude und Erstau-nen zu beschreiben. Krampfhaft drückte er mir die Hand und sagte nach einer Pause:

Mein Herr, in drei Monaten läuft meine militärische Dienstzeit ab. Ichverspreche Ihnen hiemit feierlich, daß ich unter GotteS Beistand von dieser Zeit anfleißig arbeiten und ein ordentlicher Mensch bleiben werde."

Mit diesen Worten nahm er das Geld, verließ mich, und ich ertheilte ihmnoch meinen Segen. Zum großen Aerger meiner Schwester, die mir oft vorwarf,daß ich mein Geld an einen unwürdigen Menschen verschwendet habe, welchen wirnie mehr zu sehen bekommen würden, mußte ich nun freilich den folgenden Winterhindurch in leichtem, fadenscheinigem Rocke und dergleichen Hosen zubringen, auchbestand unsere Speise meistens nur aus Brod und Suppe, aber der Herr hat unSseine Kraft verliehen, und wir Haben's auch überstanden. Seither habe ich nichtsmehr von ihm gehört."

Unter der Zeit hatten die drei Männer die Wohnung des Pfarrers erreicht undwaren in die kleine niedere Stube eingetreten.

Von diesem Carl F.", begann hier der Maire, indem er sich setzte,ist vorzwei Tagen der Mairie von Chateaubriand ein Packet nebst einem Briefe mit derBemerkung zugekommen, Beides sicher in Ihre Händ? gelangen zu lassen. Da eSmich nun daS Sicherste däuchte, wenn ich diesen Auftrag selbst übernähme, so habeich mich heute auf die Füße gemacht, um mich desselben bei Ihnen zu entledigen."

Der Mann, der die kleine Kiste getragen hatte, stellte dieselbe auf den Tisch.Sie war außerordentlich schwer. Der Pfarrer erbrach den Brief, der von San Fran--cisco in Californien datirr war, und las:

Hochwürdiger Herr Pfarrer, edelster der Menschen! Hierbei überschicke ichIhnen einen kleinen Beweis meiner ewigen Dankbarkeit zur Erinnerung an den28. August 1848. Es sind die Erstlinge meines Fleißes im fremden Lande. CarlF . . ., ehemals Sergeant-Major im . . sten Regiment, jetzt Goldgräber in Californien ."

Das Kästchen wurde geöffnet; eS enthielt mehrere massive Goldklumpen, imWerthe von 12- bis 15,000 Franken.Nannette," sagte der Pfarrer bei diesemAnblicke mit Freudcnthränen in den Augen zu seiner Schwester,beurtheile mir nim-mer auf so harte Weise einen reuigen Sünder. Unser unglücklicher Gast hat seinWort hundertfältig gelöst. Nun, Gottlob! nächsten Winter soll eS meiner armenGemeinde weder an Nahrung noch an Medicin mehr fehlen, und du, meine Schwe-ster Nannette, wirft ein großes Quantum warmer Stoffe kaufen, worin sich diearmen Männer und Frauen meines Kirchsprengels kleiden sollen. O, gibt wahr-haftig kein größeres Vergnügen als Wohlthun!"

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