Ausgabe 
12 (29.8.1852) 35
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Christen in einer Schutzschrift, indem er die heidnischen Obrigkeiten, die den Lebens-Wandel der Christen sorgfältigst überwachten, also fragte:ES werden von euch An-klagen jeoer Art, von so vielen Verbrechen untersucht: ist aber je ein Christ alsMörver, Betrüger, Verführer oder Dieb überwiesen worden?" Tcrtullian behaupteteöffentlich ohne Wioerrede, daß unter den Christen damals nicht nur die genanntenVerbrechen, sondern auch die Trunkenheit und die Unzucht, Laster, die in unsernTagen so allgemein herrschen, ganz unerhört waren.

Dieser tadellose tugendhafte Wandel der damaligen Christen kam daher, weilman nur jenen die heilige Taufe ertheilte, welche schon vorher, mit der Mitwirkungder zuvorkommenden Gnade, die Gott keinem Sünder versagt, tadellos nach der LehreJesu lebten, und denen dieselbe versagte, welche durch ihre Vorbereitung dazu nichteine möglichst sichere Hoffnung gaben.

Der heilige Augustin, im Jahre 354 geboren, ward von seiner Mutter, dieeine Christin war, von Kindheit an in den Lehren deS christlichen Glaubens unter-richtet, und zum Gebete angehalten. Man nahm ihn auch unter diejenigen auf,welche zum Empfange der heiligen Taufe unterrichtet, und zum christlichen Lebens-wandel angehalten wurden, indem man das Kreuzzeichen über ihn machte, und ihmgeweihtes Salz in den Mund legte, als Sinnbild, daß seine Gesinnung und seinWandel von nun an von der Liebe Gottes beseelt seyn sollten. Während er dieSchule besuchte, ward er durch heftige Magenschmerzen dem Tode nahe. Da ver-langte er die heilige Taufe, und seine Mutler suchte ihn aufs Beste zum Empfangedieses SacramenteS vorzubereiten. Indeß wollte man ihm doch die heilige Taufenoch nicht ertheilen, jo lange man die Hoffnung zur Wiedergenesung nichl ganz auf-geben müßte, und als er sich plötzlich außer Gefahr befand, ertheilte man ihm die-selbe nicht.

Dieß geschah damals deßwegen, weil man ihn am Alter noch zu wenig reifhielte um hoffen zu können, daß er bei den erwachenden bösen Neigungen auch nachder Lehre Jesu tavelloS leben würde. Daher man allen jenen die Taufe versagte,weiche die Neigung der Hoffart in der Kleidung und andern Dingen, die Neigungzu welllichen Lustbarkeiten und sinnlichen Vergnügen, z. B. der Trunkenheil undWollust nicht beherrschten, oder in zu vertraulicher Gemeinschaft mit Personen deSandern Geschlechtes lebten, und Tanzgesellschaften besuchten. Auch den Spielleutenund den Schauspielern versagte man die heilige Taufe.

In unsern Tagen leben die meisten jungen Leute, und wohl auch schon bejahrte,als Sklaven dieser Leidenschaften, letztere besonders auch als Diener der Habsuchtund anderer Sünden. Allen diesen würce man in den ersten christlichen Jahrhunder-ten die Taufe versagt haben als dazu unwürdig, die aber auch ohne Besserung undAufgebung der sündhaften Bekanntschaften und Meidung anderer Gelegenheiten zumBösen die heiligen Sacramente der Buße und deS AltarS unwürdig empfangen.Denn die katholische Kirche lehrt nicht nur von der Rechtfertigung durch die Taufe,sondern auch durch das Sacrament der Buße also:Die Art unv Weise, sich zurRechtfertigung (zur Vergebung der Sünden und zum Empfange deS Lebens, Lichtesund der Liebe aus Gott) vorzubereiten, bestehet darin, daß man den Offenbarungenunv Verheißungen GolteS willig glaube, sich sür einen Sünder erkenne, von derFurcht vor der göttlichen Gerechtigkeit heilsam erschüttert zur Betrachtung der Barm-herzigkeit GotleS sich hinwende, um im Vertrauen auf die Verdienste Jesu bei Gott Gnade zu finden, Ihn als die Quelle der Gerechtigkeit zu lieben und deßwegen dieSünve zu verabscheuen anfange, und man sich vornehme, die Taufe (oder das Sacra-ment der Buße) zu empfangen, ein neueS Leben zu beginnen, und die Gebote GotteS zu beobachten." (Concil, von Trient , 6. Sitz. 6. Kap.)

Um nicht getaufte Heidenchristen zu erhalten, wendeten die Bischöfe und Seel-sorger in den ersten christlichen Jahrhunderten alle Sorgfalt an.

Dasselbe müssen sie auch in unsern Tagen thun, wenn daS Sacrament derBuße nicht unwürdig empfangen, und durch Erfüllung der Pflichten deS TaufoundeS,