Ausgabe 
12 (29.8.1852) 35
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275
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was die Tugendbündnisse beabsichten, unser Zeitalter auS der anbrechenden Barbareinoch gerettet werden soll. Möchten daher, zur öffentlichen Erneuerung des Taufbun-deS, jährlich zur Osterzeit die Bischöfe befehlen, daß die in der Kindheit getaufteJugend mit achtzehn Jahren, wo sie, von der Feiertagsschule entlassen, noch so fthrder kirchlichen Zucht der Tugendbündnisse bedarf, vor der Ostercommunion in derNähe deS heiligen AltarssacramenteS öffentlich seinem Seelsorger verspreche, in einTugendbündniß zu treten! Dadurch werden nicht nur die vorzüglichsten Ursachen derSittenlosigkeit und der so großen Zahl unehelicher Kinder, wozu die Freitänze unvBekanntschaften die meiste Veranlassung geben, beseitigt; sondern es wurde auch dieirrige Meinung gründlich widerlegt, die dem Gedeihen der so nothwendigen und heil-samen Tugendbündnisse so nachlheilig entgegentritt, als sey die öffentliche ErneuerungdeS TaufbundcS durch Eintritt in ein Tugendbündniß zur Seligkeit nicht nothwendig,weil die Bischöfe selbe nur erlauben.

Die Prüfung jener, welche durch die Tause Christen werden wollten, dauertegewöhnlich zwei bis drei Jahre, und wohl auch länger, sogar bis zur Todesstunde,wenn die Taufschüler lau waren, und ihr Wandel der Lehre des Christenthums nichtentsprach. Denn ihre Aufführung mußte tadellos seyn, um zum Empfange der Taufewürdig gefunden zu werden. Jetzt erst wurden sie in die vierte und letzte Classe,in die der Vollkommenen, aufgenommen, wo man ihnen noch einige Tage hindurcherst den nähern Unterricht ertheilte über die Geheimnisse des Glaubens, welche sieempfangen sollten. Gewöhnlich wurde ihnen bei diesem letzten Unterrichte das Hauptverhüllt, um sich mit größerer GemüthSsammlüng zum Empfange der heiligen Taufevorzubereiten.

Auf solche Weise vorbereitet, was der Empfang der heiligen Communion nichtweniger erfodert, zum Empfange der heiligen Tanse, wandelten die Getauften in denersten christlichen Jahrhunderten auch nachher tadellos nach der Lehre Jesu, was wir,die wir die heilige Taufe schon in der Kindheit empfangen haben, dieser Gnade wegennm so mehr thun sollten. Schon als Geschöpfe GolteS sind wir verpflichtet, unSIhm als Schöpfer zu unterwerfen, und nicht nach unserm, sondern nach seinemWillen zu leben; noch mehr aber wegen den Gnaden, die wir durch die Taufeempfangen, und dem Leiben und dem für unS vergossenen Blute Jesu zu verdankenhaben. Durch die Verdienste deS Blutes Jesu erhielten wir die Vergebung der Schuldder Erbsünde und durch den heiligen Geist mit dem übernatürlichen Leben auö Gottdie Gnade deS Glaubens, der Liebe und Hoffnung, wodurch wir wieder zu Gottwohlgefälligen Erben deS Himmels geworden sind, wenn wir dem Teufel und seinenWerken entsagen, und Gott auS ganzem Herzen lieben durch Befolgung seiner Gebote,wie die Taufpathen in unserm Namen bei dem Empfange der heiligen Taufe ver-sprochen haben. Wir sollen daher diese Verpflichtung in der heiligen Taufe immerim Herzen und vor Augen haben, um durch einen getreuen Wandel nach der LehreJesu die beschriebene Vorbereitung zur Taufe der ersten Christen zu ersetzen, ohnewelche die Gnaden derselben fruchtlos bleiben, und nur dienen, unser Gericht sckuld-barer und die Höllenpein für uns größer zu machen. Denn der heilige Apostel Pau-lus schreibt:Hat Jemand daS Gesetz MosiS übertreten, so muß er ohne Erbarmenauf Zweier oder Dreier Zeichen sterben." Wie viel mehr meinet ihr, verdienet jenerhärtere Strafen, welcher den Sohn GotteS mit Füßen getreten, und das Blut deSBundes (der Taufe) wodurch er geheiliget worden, für unrein (kraftlos) gehalten,und dem Geiste der Gnade Schmach angethan hat. Denn wir kennen ja den, dergesagt hat:Mein ist die Rache, ich werde vergelten. Und abermal : Der Herr wirdsein Volk richten. Schrecklich ist es, in die Hände deS lebendigen Gottes zu fallen."Hebr . 10, 2831.

Eine furchtbare Wahrheit für Alle, welche die Pflichten, welche sie bei derheiligen Taufe auf sich genommen haben, nicht erfüllen! Wer freiwillig sündiget,setzet den Sohn GotteS seinem Widersacher nach, und tritt Jesum Christum gleichsamMit Füßen, um sich neuerdings dem Satan, als seinem Herrn, dem er, doch entsagt