Ausgabe 
12 (29.8.1852) 35
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hat, wieder zu unterwerfen. Durch eine freiwillige Sünde zeigen wir unS gleich-giltig gegen daS Blut Jesu , durch das wir doch in der heiligen Taufe von der Erb-sünde gcreiniget, und von Gott, als geheiliger, an Kindesstatt und als Miterben derHerrlichkeit Jesu angenommen worden sind. Durch eine freiwillige schwere Sündeverzichten wir auf alle diese Vorzüge, und entheiligen unsere Seele und unsern Leib,die in der heiligen Taufe'durch die Heiligung ein Tempel deS heil. Geistes gewordensind, wodurch wir offenbar Ihm Schmach anihun.

Diese Gründe bewogen die ersten Christen, an jedem Sonntage bei dem heil.Meßopfer dadurch die Taufgelübde zu erneuern, daß sie dem Teufel und der Hoffart,dem Stolze, der Sinnenlust, den Wellsreuden und jeder Sünde als Werke deSSatanS einsagten, und sich zu einem heiligen Leben verpflichteten. Dieß bezeugt imAnfange deS ersten Jahrhunderts der Statthalter PliniuS in einem Schreiben an denKaiser Trajan , mit diesen Worten:Die auö Furcht vor den Martern und vor demTode abgefallenen Christen versicherten, ihre ganze Schulo und ihr Irrthum habedarin bestanten, daß sie an den Sonntagen zusammen zu kommen pflegten, und zurEhre Jesu Christi , als eines GotteS, einen Lobgesang angestimmt, unv feierlich sichgemeinschaftlich verpflichtet haben, nichts zu entwenden, nichts Böses zu thun, daSbei der Taufe gemachte Versprechen zu halten, und den Glauben durch keine Sündezu verläugnen." Um nach dem Versprechen der Taufe, ein heiliges Leben zu führen,entsagten die ersten Christen, und die wahren Christen aller Jahrhunderte, um vonbösen Beispielen nicht verfuhrt zu werden, dem kameradschaftlichen Umgange mitkallsinnigen Christe», und lebten mit den ihnen Gleichgesinnten gleichsam in Tugcnd-bündnissen, nach der Ermahnung deö ApostelS:Wir gebieten euch, Brüder! imNamen unsers Herrn Jesu Christi , daß ihr mit keinem Bruder (Christen) einen Um-gang habet, der unordentlich lebt, und nicht nach der Lehre, die er von unS empfan-gen hat." 2. Thcss. 3, 6. Durch diese Worte befiehlt der heilige Apostel PauluS ausdrücklich, daß man sich von den Wellkindern trennen, und öffentlich an Die an-schließen soll, welche den bei der Tause mit Gott eingegangenen Bund halten. DieseWorte deS Apostels bercchiigen aber auch die Bischöfe, den christlichen Jünglingenund Jungfrauen nicht nur die verdächtigen Bekanntschaften, Tanzplätze zc. (welchedurch Duldung deS TanzcS mit Personen des andern Geschlechtes bei Empfang deSheiligen SacramenteS der Ehe für ehrlich erklärt werden), zu untersagen, sondern auchderen Vereinigung mit den Tugendhaften ihres Geschlechtes, folglich den Eintrittin die Tugendbündnisse geradezu zu gebieten, und zwar um so mehr, dasie die öffentlichen Sünder vom Besuche deS heiligen Meßopfers nicht mehr aus-schließen dürfen, und daher die Abschei'vung oder Hinderung der Verführung derunerfahrnen Jugend nur noch innerhalb der Kirche durch engere Tugendbünd»nisse geschehen kann.

> .'" ' ' ^^'t" -7i.uz gn»ti,"ttZ,oiP znzasnsm?/ s»</.u,sLKirchliche Zustände in England .

Die puscyitische Agitation innerhalb der Hochkirche, welche früher so viel vonsich reden machte, scheint sehr abgenommen zu haben; wenigstens wird höchst seltenin den Blättern davon gesprochen. Außer einzelnen Klagen über Geistliche, weicheihre Kirchenrömisch" verzierten oder Beicht hörten oder sonst romanistrtcn, ist vonderanglo katholischen" Partei kürzlich nur bei Gelegenheit der Wahlen zur Convo-cation die Rede gewesen. Schon lange hat die Partei auf eine Wiederherstellung deSCynodal-JnstituteS gedrungen und eS für nöthig erklärt, daß die Entscheidung überdogmalische Fragen dem königlichen geheimen Rathe entzogen und den Bischöfen oderder Convocation übertragen werde. Sie hat nun die Gelegenheit, welche ihr dieWahlen zur Convocation darboten, benutzt, um diesen Punct in Erinnerung zubringen. In der That wurden denn auch mehrere Dcputirte zur Convocation gewählt,die sich für eine Wiederbelebung dieses Institutes, welches seit 150 Jahren nur noch