Ausgabe 
12 (29.8.1852) 35
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zum Schein eristirt, auSsprechcn, und mancher puseyitische Landpfarrer hat sich gewißan den schönen Reden erbaut, welche bei den Wahlversammlungen über.die Noth-wendigkeit und die segensreichen Folgen einer freien Berathung der Synoden über dieAngelegenheiten desenglischen Zweiges der katholischen Kirche " gehalten wurden.ES ist kaum anzunehmen, daß die Puseyiten selbst an die Möglichkeit glauben, daßihre Bestrebungen irgend welchen Erfolg haken werden: die Erzbischöfe von Canter-bury und Uork werten auch in Zukunft mit derselben Gemüthsruhe die Convocalionfeierlich eröffnen und eine Stunde nachher wieder vertagen, wie dieß seit mehr alshundert Jabren geschehen ist. Die Puseyiten werden dann über die unglückliche Lageund die Bedrängnisse derKirche" seufzen, vielleicht auch über dieHirten der Kirche"klagen, die sich gar nicht bemühen, sie auS der Knechtschaft des Staates zu befreien, und dann stirbt diese Agitation so gut an Entkräftung, wie die gegen Gvrham,und im besten Falle kommen Einzelne zu der Einsicht, daß derKatholicismus" derHochkirche nur in der Einbildung puseyitischer Träumer eristirt.

Bon Uebertritten zur katholischen Kirche ist in der letzten Zeit weniger die Redegewesen, als voriges Jahr, obschon die Zahl derselben nichl geringer ist. Die Häup-ter der Puseyiten sind fast alle schon karholisch geworden, darum erregt der Uebertrittvon minder hervorragenden Persönlichkeilen weniger Aufsehen. In der letzten Zeit istz. B. ein Herr Henry Bowden katholisch geworden, der Bruder eines angesehenenverstorbenen Puseyiten, des Verfassers eines guten Lebens Gregors VII. , und derOheim eines schon früher converlirten Herrn Bowden, der jetzt Oratorianer ist.Englische Blätter melden auch den Uevertrilt eines anglikanischen Geistlichen Delaney.

ES war kürzlich die Rede von einem Proceß gegen die Nonnen zu Norwood,welche der Härte und Grausamkeit gegen die unter ihrer Leitung stehenden Waisen-mädchen beschuldigt wurden. Die Jury sprach die Nonnen frei, und selbst dieTimeS" fanden dieß Verdick gerecht, konnten eS aber nicht unterlassen, einige Be-merkungen darüber fallen zu lassen, die Nonnen möchten doch wohl ihre Zöglingenicht ganz liebevoll behandeln. DaSMorning Chronicle" dagegen nahm folgendenArtikel von einem seiner Leser auf, welcher den dreitägigen Proceßverhanvlungen bei-gewohnt hatte:

Während der ganzen Proceßverhandlungen war ich von den Waisenkindernaus Norwood umgeben, die dorthin gebracht waren, um als Zeugen über die Ver-waltung des Waisenhauses vernommen zu werden. Nur mit der größten Mühe konnteman sie zurückhalten, daß sie laut ihren Unwillen äußerten, wenn die Klägerin oderihr Anwalt etwaS aussagte, wovon sie wußten, daß eS falsch sey.Welche Schmach!welche Lüge! wie kann sie daS sagen?" hörte man sie oft flüstern. Ich begleitetedie Nonnen, als sie nach dem Proceß nach Hause zurückkehrten, und ich hätte ge-wünscht/ daß Richter, Geschworne und Advocaten die Scene gesehen hätten, die ichnie vergessen werde. Als der Wagen vor dem Klosterthore vorfuhr, drangen dieKinder, gegen achtzig an der Zahl, auS der Thür mit einem Freudcngeschrei hervorund erdrückten ihre Lehrerinnen fast mit ihren Liebkosungen. ES dauerte über eineViertelstunde, ehe die Ruhe einigermaßen wieder hergestellt werden konnte, und dannbegaben sich Nonnen und Kinder nach der Capelle, um dem Gott der Gerechtigkeitfür seinen gnädigen Schutz zu danken."

Die Vorsteherin des Klosters, welche vor den Schranken deS Gerichtes stand,ist die Tochter des französischen Generals de l'Espinasse, der auf dem Schlachtfeldegefallen ist; sie zog den Nonnenschleier der Hand eines PairS von Frankreich vor.Ihre Vorgängerin, die als Zeugin vernommen wurde, ist eine Gräfin von DoSville.(D. V.-H.)

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Böhme».

Unstreitig geht eS in Böhmen wieder zum Bessern; man gehe auf der einge-schlagenen Bahn vorwärts und man wird die schönsten Erfolge erleben. Die Führer