Ausgabe 
12 (5.9.1852) 36
Seite
282
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auch eine Königin und Mutter der Barmherzigkeit, die aufs dankbarste sich erweiset,wo man ihren geliebten Kindern etwas zn Liebe thut. Deßhalb sendet Sie mir Arbeitvollauf, aus allen Ortschaften und Kanzleien in der ganzen Gegend; ja selbst unseredurchlauchtigste Frau, die verwittwetc Fürstin, bringt jedes Jahr, wenn sie ihr hiesigesSchloß bezieht (und sie wird wohl heute wieder hier ankommen), ihre rohen Büchermit hierher, um selbe mir gemeinen Landbuchbinder anzuvertrauen.

DaS ist allerdings viel Gnade, sagte der junge Falzmann; und da wird wohlkeine Frage seyn, welcher von beiden Sie mit größerm Eifer dienen werden, der Kö-nigin ober der Fürstin? Lächelst du, lächelst du? rief der Alte, mit edlem, väter-lichem Zorn hart vor ihn hintretenb; treibst du solchen Scherz? Entweder spricht derUnglaube aus dir, oder jene elende Gleichgiltigkeit, die hoch über Alles zu schwebenmeint, während sie mit ihren bleiernen Flügeln immer tiefer hinabsinkt. Ja, ich rühmemir die edle, gütige Fürstin, aber auch sie demüthigt sich vor der großen Fürstin, derKönigin des Himmels und der Erde, auS welcher der Gottmensch wollte geborenwerden. Aber warum so zürnen, mein Bater? Mein Sohn, weil du keinegrößere Schmach mir anthun kannst, als wenn du zu den Fahnen jener Leute dichgesellst, welche der göttlichen Liebe den Rücken wenden und das Reich Gottes alswiderspenstige Narren bekämpfen, und nicht aushören, mit hochtrabenden Worten sichlaut zu machen, bis daS Wort deS LebenS in ihnen verstummt, oder mancherlei Bücherzu schreiben, bis ihr Name auS dem Buche deS LebenS für immer ausgelöscht wird,oder mit besonderer bösartiger Vorliebe so lange gewisse Bücher prächtig einzubinden,bis sie von dem himmlischen Einbande der Gemeinschaft der Heiligen ausgeschlossenwerden. Ach, mein Sohn, haft du die Worte unseres Heilandes nie gehört: Glaubetihr an Gott, so glaubet auch an Mich! Daran reihet sich noch ein anderer Satz:Glaubet ihr an Jesum Christum, so glaubet auch an die allerseligste Jungfrau Maria.Wer Jesum nicht glaubet, obschon er von Ihm weiß, von dem erkühne ich mich zu .zweifeln, ob er an Gott glaube, oder ob jener Gott, den er bekennet, Gott sey, undnicht ein bloßer Abgott, oder ein schaler und kahler Begriff. Und wer an Maria,die göttliche, jungfräuliche Mutter, nicht glaubt und sie nicht verehrt, von dem getraueich mich zu behaupten, daß er auch an Jesum Christum nicht glaube. Was er-frechst du dich also zu scherzen? Ist Christus der König der Könige und der Herr derHerrschenden, so wird seine glorreichste Mutter doch wohl eine Königin seyn? und istin Christo die volle und herrliche Erweisung der göttlichen Barmherzigkeit, wer dannwird Maria wohl seyn, als die Mutter der Barmherzigkeit.

Gewiß, mein Batcr, antwortete der junge Falzmann, ich wüßte nichts dagegeneinzuwenden. Ich bewundere vielmehr Ihre geistliche Beredsamkeit, und überzeuge mich,daß Sie nicht ohne Frucht so viele Gebetbücher eingebunden haben; sind Sie dochselber schon ein lebendiges ErbauungSbuchz so recht nach alter kernhaster Form mit >festem Beschläg und gewichtigen Deckeln. Aber die Moden ändern sich ja, so auchdie Titel, die Redensarten, die Andachten. Ich habe draußen zwischen der Elbe undder Ober ein Buch eingebunden, da hieß Maria ein Ideal hoher Weiblichkeit; solltedaS dem neuern Geschmack nicht angemessener seyn, als der Ausdruck: Königin?

Aber, Herr JacqueS, wie reden Sie da? rief der ehrsame LebkuchenbäckerPankraz, der eben nachbarlich hereingctreten war; sind Sie auch einer von Denjenigen?Sieh' doch diesen jungen Herrn JacqueS! Auch meiner Pepi hat er schon solches Zeugvorgeschwätzr; allein waS soll daS heißen? DaS Muttergottesbild in meiner Stube istihm zu schwarz und die Krone darüber will ihm gar nicht gefallen. Ei Sie ärgerlicherHerr JacqueS, ich will'S Ihnen nur rund heraussagen; nehmen Sie sich an IhremVater ein Muster! Sagen Sie'S ihm, älter Herr, sagen Sie'S ihm, oder warten Sie,ich will'S ihm selber sagen, und wenn er mein Sohn wäre, müßte ich ihn nebenbeinoch prügeln, Gott verzeih mir'S.

Herr Pankraz nahm Platz und redete des Weitern also: Eine Königin ist dieglorwürdigste Jungfrau, ja allerdings eine Königin und Alles muß ihr dienen. WaSich aber jetzt sagen werde, steht zu Hause in meinen alten Büchern. Sie ist die AuS-erwählte deS ganzen Menschengeschlechtes, eine Königstochter auö dem Hause David,