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die geliebte Tochter des Allerhöchsten, die königliche Mutter des großen Königs, zurMutter allen Menschen gesetzt durch die letzten Worte deS Erlösers; sie ist die Mutterder schönen Liebe, wie die beilige Schrift sie nennt; sie ist die jungfräuliche MutterJesu, braucht eS der Worte noch mehr? Sie ist auch eine Königin der Engel; denneS ist billig, daß diejenige über alle himmlischen Heerschaaren erhoben sey, welche daSewige Wort, der Herr der Heerschaaren, zur Mutter und Mittlerin erkoren. Sie istauch eine Königin ver Patriarchen, sintemal in ihr allein alle göttlichen Verheißungenerfüllet wurden, auf welche die Patriarchen gehofft haben. Sie ist auch eine Königin derPropheten, denn sie und ihres Leibes gebenedeite Frucht haben alle Propheten verkündet,so wie sie selber die wundersamste unter den Sehern war, da sie weissagte und sprach:Selig werden mich preisen alle Geschlechter der Menschen. So ist sie auch eine Königinder Apostel, denn sie war ja die Arche deS Bundes, zu welchem deS Evangeliums Freuden-botschaft alle Menschen berufen hat. Sie ist ferner eine Königin der Märtyrer, denn siewar eS vor Allen und mehr als Alle, die Zeugniß gab von Jesu dem Gekreuzigten, stehendbei ihrem Sohne am Kreuzesstamme, vom Schwert daS Herz durchbohrt, gleichwohl ste-hend in unerschütterter Glaubenskraft. Sie ist eine Königin der Beichtiger, denn siewar eö, die allen Bekennern Jesu voranging, da sie sprach: AlleS, was Er euch sagenwird, daS thut. Sie ist eine Königin der Jungfrauen, denn ihr, der Jungfrau, ward vorAllen die Gnade, ein Tempel deS heil. Geistes, eine Wohnstätte der ewigen Weisheit zuseyn. Sie ist zugleich eine Königin aller Heiligen, denn nur Einer ist heilig und die er-schaffenen Geister durch Ihn, und dieser ist ihr göttlicher Sohn, dem sey die Ehre in Ewig-keit. — Wahrhaftig, sprach Herr Jacques Falzmann, jammerschade ist'S, daß Sie, einMann von so lebhaftem Geiste und gutem Gedächtnisse, Ihr Leben bei der teigigen Hand«thierung verkneten mußten. ES geht Ihnen darin wie mir; auch ich bin zu etwas Bessern,als Kleister und Pappe geboren. — Purer Hochmuth, Herr JacqueS, entgegnete der Leb-kuchenbäckcr, pure Eitelkeit; unser Gewerb ist ein ehrsameS Gewerb, und eS kommt nichtdarauf an, wer man ist, sondern wie man ist. Aber, mein leichtfertiger Hr. JacqueS, warumspringen Sie mir von der Hauptsache ab? Umsonst bin ich nicht da hereingekommen, derTeig, den ich jetzt kneten will, ist eben kein Honigteig, sondern eS ist die sogenannte bittereWahrheit dabei, lautend also: Wenn Sie, mein vortrefflicher Herr JacqueS, als meinesehrlichen und geliebten Nachbars Sohn, mit meiner Pepi in geziemendem Umgang bleibenwollen und dieses gute Kind Ihnen wohlaefällt, wie sollte ich etwas dagegen baben? Aberich habe viel dagegen, maßen ein junger Mensch nach der heutigen Welt, der die allerscligsteJungfrau nicht würdiglich zu verehren sich befleißiget, in Anbetracht einer solchen Bekannt-schaft ärger denn ein reißender Wolf zu fürchten seyn thut. Von dannenhero mir, als einemBürgerSmann aus der alten Schule, nichts erübriget, als Ihnen die freie Wahl an dieHand zu geben, entweder von jetzt an die glorwürdigste Zungfrau von Herzen zu verehrenund in dieser Verehrung mit Wort und That zu verharren, oder mein HauS und jedesWörtlein mit meinem Kinde für immer zu meiden. Diri, und der Herr Nachbar sind damiteinverstanden. — Schätzbarster Hr. Pankraz. erwiderte JacqueS; ich verwundere mich überIhre edle Simplicität. Denn könnte ich mich, wenn'S mir darum zu thun wäre, nicht sogebärden und anstellen, als wäre mir'S ganz ernst mit der gewissen Andacht, die Sie meinen,ohne doch etwas Anderes zu seyn, als ein niederträchtiger Heuchler? — Bester Hr. JacqueS,entgegnete Jener, daS ist so leicht nicht, als Sie glauben; habe ich nicht gesagt: mit Wortund That? Etwa wie Sie in Gegenwart einer mächtigen, gütigen und weisen, gleichwohlirdischen Königin sich betragen möchten: bescheiden, anständig, sittsam, ergeben, aufmerk-sam, so und bei weitem noch inniger muß ein Diener der Himmelskönigin seinen Wandelführen.— Schön, sagte JacqueS; ich bin's also zufrieden und will mich verhalten, wie eSIhnen gefällig ist. — Brav, mein Liebster! daS war ein herzhafter Entschluß. Nun wohlandenn, wir wollen vorläufig mit Worten den Anfang machen und der Königin unsere Ver-ehrung darbringen, sprechend: Hochgelobt und gebenedeit sey die allerscligste JungfrauMaria. Sagen Sie eS nach, Hr. JacqueS, sagen Sie eS nur frisch heraus! Nun, will'Snicht werden? He, Hr. Jacques, wo fehlt'S denn? DaS RedhauS ist ja sonsten recht gutbestellt? — Sprachorgan sagt man, erwiderte JacqueS, und nicht RedhauS. — Meinet,wegen, rief Hr. Pankraz, aber warum den Gruß nicht nachsprechen, wie? — Hm, versetzte