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arbeitbeladenen Menschen durch die ganze Woche zu Hilfe kommt, mahnend anSchöpfer und Ewigkeit, belebend und aufrichtend. Sie sollen der frische Brunnenseyn, a»S welchem Kühlung in der Last und Hitze deS WerktagölebenS geschöpftwird. Man sagt: „Wer arbeitet, um seinen Brüdern zu dienen, der thut nichtsSchlechteres als der müßige Beter. Ueberdieß ist ja Arbeit, im rechten Geiste voll-bracht, auch Gottesdienst." So können Menschen sprechen, die von keiner Arbeitwissen, bei der nicht Hände und Füße die Hauptrolle spielen, da doch daS rechteGebet die erhabenste, und keineswegs die leichteste Arbeit ist. Wer aber seinen Ackerund sein Landgut, und sein Weib und seine fünf Joch Ochsen so lieb hat, daß er'Snicht über sich bringt, sie nur je den siebenten Tag wegen der Anbetung seinesGotteS bei Seite zu stellen: der entheiligt GotteS Dienst durch Sabbathschändung,und fällt in verfeinerte Jdololatrie: er verlange nur nicht, daß wir glauben, seine Arbeit,die mit Gottvergessenheit anfängt, werde fortgeführt unv vollendet im Geiste GotteS .
Aber warum gerade der Sonntag? Warum soll cS mir nicht srei stehen, mirselbst die hiefür geeigneten Tage zu bestimmen? Antwort: Gott hat AlleS geordnetnach Maaß und Zahl und Gewicht; Er ließ einen Ruhesabbath auf sein Herasmeronfolgen. Er hat durch den Lauf der Gestirne die Zeiten getheilt. An Sommer undWinter, an Tag und Nacht, an Wochen und Monde hat Er das Leben der Erdeund ihrer Bewohner gebunden. So soll auch in dem Reiche deS Geistigen eine Ord-nung der Zeit seyn. Für den alten Bund war der Sabbath der religiöse Ruhetag,ihm schlössen aber jene Zeiten sich an, in welchen daS auScrwählte Volk der, zuseiner Befreiung und Heiligung gewirkten Thaten GotteS mit höherer Festfreudegedenken sollte. DaS Gebot: „Gedenke, daß du den Sabbath heiligest," hat imneuen Bunde, trotz der Verlegung ans einen andern Tag seine Geltung nicht ver-lören, denn eS galt GotteS Majestät und Herrschaft über die Kreatur, daS AndenkenSeiner Allmacht und Güte zu feiern. Die Firirung auf den Sonnabend war unter-geordnet, oder vielmehr, eS lag in GotteS Plan, daß im Reiche der Erlösung eineandere Aera als im Reiche der Schöpfung seyn sollte. Natürlich war cS dannChristus, der Central- und Wendepunct der Geschichte, der Eckstein deS alten undneuen Bundes, an den sich diese Aenderung anschloß.
Wollte nun der Einzelne von dem Gebote der Sabbathheiligung überhaupt,oder von der allgemeinen öffentlichen sich lossagen, so wäre die nächste Folge derUnsegen GotteS, die Belastung des Gewissens mit einer schweren Sünde (II. Mos.35, Z. 3. III. Mos. 26, 34. 35. II. ESdr. 13, 15. 22.). — Die Entfremdungvon der Kirche, dem Reiche deS Heiles und der Gnade, könnte nicht ausbleiben,wo ferne sie nicht etwa bei grundsätzlicher Mißachtung schon vorhergegangen. Ver-loren gingen die Früchte der gemeinsamen Andacht und Erbauung, der Fürbitte, deSOpfers. Ueber der Arbeit, die zur verbotenen Zeit verrichtet, als ein Zeugniß deSKleinmuths, der Habgier oder deS Eigenwillens den Sclaven der Scholle verriethe,könnte nicht Gottes Hand ruhen. AuS der Abneigung gegen daS Kirchengebot erwächstVerachtung der Kirche, damit Christi, zuletzt eine völlige Abkehr deS HerzenS vomGöttlichen. DaS Gemüth, daS sich nicht selbst mehr erhebt, hat nur Aerger, scheelesZusehen und Spöttelei bei der Erhebung der Andern; den, der GotteS Andenkenverachtet, wird Gott verächtlich machen.
Der öffentliche Cult ist ein Bekenntniß des Glaubens: so die Versäumniß darineine faktische Verläugnung. Endlich verliert daS Herz jede höhere Weihe, den Auf-schwung deS christlichen Gedankens und die Belebung der Liebe. Die Segnungen deSheiligsten OpfcrS und reS göttlichen Wortes sind ihm abgeschnitten; eine heilsameVeranlassung, einen prüfenden Blick in sein Inneres zu werfen, fällt hinweg. DaSLeben, daS keine gewissen Halt- und Ruhepuncte mehr hat, artet in einen Flußgedankenloser Zerstreuung auS. Gott wird vergessen, die fromme Ehrfurcht vor demHeiligen, daS Entsetzen vor dem Laster nützt sich ohne Wiederersay in dem ununter-brochenen Getriebe werktägigen Lebens ab. So ist der letzte Denkstein der Mahnung»der vor dem Lasterwege stand, beseitigt, der höhern Zuspräche des Geistes einer dergewöhnlichsten Wege versperrt, — und der Mensch geht hin nach den Gelüsten seines