Ausgabe 
12 (5.9.1852) 36
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Herzens. Hier berühren wir die Quelle eines dämonischen Zuges, der sich wie einNessuöhemd um unsere Zeit her zu legen begonnen. Der Gottlose sieht, sich zumsteten Vorwurfe, die frommen Uebungen der treu Gebliebenen, seine Entschuldigungenwollen ihn nicht mehr beruhigen, er wird feindlich und bitter gesinnt seyn gegen dieGewissenhafteren, und so ist der erste Schritt zum bodenlosen Abgrunde jenes mitWissen und Willen Gott feindlichen TobenS geschehen, daS seit Jahrzehnten epidemischwerden will. So führt der Materialismus zur Verachtung des Sonntags, diesezum DämoniSmus. Wir sagen also nicht zu viel mit der Behauptung, daß dieEntHeiligung der Sonn- und Feiertage aus eine völlige Zerstörung des religiösenSinnes hinausläuft. Die Bedeutung der Feiertage dürfte nur Weniges gegen dieder Sonntage zurückstehen.

Dieß ergibt schon die Erwägung, wie geeignet diese Tage sind, die Haupt»Puncte im Leben und der Lehre Jesu vor daS Gemüth eines eifrigen TheilnehmerS inlebendigen kräftigen Zügen hinzustellen. Und wie viel z. V. können nicht bei einemrechten Eingehen in ihre Bedeutung für milde, schamhafte, gottesfürchtige Sitteschon die Marientage thun?

Wenn die Gottheit nicht mehr öffentlich verherrlicht wird, so wird sie ganzgewiß, oder ist vielmehr schon vergessen und verachtet. Die Feindseligkeit und Empö-rung der gefallenen Geister, die zunehmende Lästerung und Bosheit der Christusfeinde,sollte an alle noch Gläubigen ein dringender Ruf seyn, um so mehr öffentlich undfeierlich ihrem Herrn und Schöpfer die Ehre zu geben. Wer sich aber von der Cult-feier der Kirche ausscheidet, der hat sich damit bis auf einen dünnen, äußerlichenZusammenhalt von der Gnabenanstalt GotteS auf Erden geschieden. Keine Sonn^lagSfeier keine Kirche; keine Kirchekein Christenthum; kein Christenthum keineBildung; keine Sitte kein Heil.

WaS würde nun auS einem Staate werden, wo man die Sonntagsfeier nurnoch wie vom Hörensagen kennte? Die Wichtigkeit deS EideS für den Staat, deSreligiösen Lebens für den Staat, des religiösen Lebens für den Eid sey nur genannt,nicht erörtert. Uebrigens würde ein solcher Staat Menschen haben ohne Gottesfurcht;also ohne Ehrfurcht vor der Obrigkeit; ohne Gewissen, also ohne Treue; ohneDemutd also wird der Gehorsam keines Fingers breit über die Motive der Selbst-sucht hinauSreichen. Ein Staat, der etwa durch Bureaustunden, öffentliche Arbeitenu. dgl., sich selbst der SonntagSfchändung schuldig machte, würde auch den materiellenUnsegen auf sich herabziehen. Wenn ferner die Ausschweifungen, die sündhaften Ver-gnügungen geduldet werden, die gewiß nicht die kleinste Enlheiligung deS Gottgeweihten TageS sind, so wird man kein Recht haben, sich über die einreißeude Ver-wilderung und Unbotmäßigkeit des Volkes zu wundern. Wenn der Staat mit demBeispiele, das dritte Gebot zu verachten, voranginge, also der kirchlichen Autorität,so viel an ihm gelegen, derogirte, so würde diese an Kraft zur Sittigung der Massenverhältnißmäßig verlieren. Wer jetzt noch nicht weiß, wohin eS Staaten, denen derZusammenhalt mit der Kirche fehlt, bringen müssen der wird es niemals einsehen.Offenbar ist in jenen Landschaften, wo die SonntagSfeier (und die Kirche überhaupt)am meisten herabgewürdiget war, auch die Revolution, wo nicht in den heftigsten,doch in den niederträchtigsten Auftritten erschienen.

Man hat oft das Anschwellen deS Proletariates, die Verarmung der Massenmit der SonntagSentheiligung zusammengestellt. Nicht mit Unrecht. Der Arbeiter,der am Sonntage nicht feiert, hat damit die menschliche Natur, welche einer Erho-lung und Abwechslung von Zeit zu Zeit bedarf, nicht ausgezogen. Feiert er amSonntag nicht,, so feiert er am Montag. Nun aber keine religiöse Feier, sondernein Fest der Sinnenlust und Zügellosigkeit, eine ausgiebige Quelle der Verarmungdurch Trunk und illesitims prole8. Der Arbeiter, bei dem nur roher Sinnengenuß(zu dem feinern genügen seine Mittel nicht) mit dem Joch abwechselt, muß abge-stumpft werden, verthieren, verwildern in Lüderlichkeit und Armuth. Die Folgen fürdaS Gemeinwohl sind dem Staatshaushalte fühlbar genug, und möchten sie doch aufdiesen beschränkt seynl