Ausgabe 
12 (12.9.1852) 37
Seite
289
URN (Seite)
  
 
Einzelbild herunterladen

Zwölfter Jahrgang.

Sonntags-Beiblatt

«ma« iHNUMvH. pfllZchs ^u,m /diuG »WAviN 7?i<lz«l> nkm .cs-E

Augsburger Postzettung.

Z/V

sichvnl chL ?t2lz<j SZitiiG i^ituW ttvni nnzm ,!chs7<ss'in<iW sjzi^ 1151,1 rjri'j ,tchiuIS. September ^ 185L.

Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abounemcntsprels»tt kr., wofür es durch alle königl. bayer. Postämrtt und alle Buchhandlungen bezogen werden kann.

" > > l ,> > , .

Unsrer lieben Frauen Mantel.

Eine Erzählung in lieben Lectionen über das Salve Negina.

iiiu lchrn chij -z»Z> nMnn,<j , ü^'soL Akbs .l^NsN ichni kj?ri vs ö?i<tt

Zweite Lection:

Unser Leben, unsere Süßigkeit und Hoffnung, sey gegrüßt!"

Unrecht, sehr unrecht, mein lieber Meister Pankraz, sprach Benitius, derfreundliche Prior des ServitenklosterS, zum Lebkuchenbäcker, als er diesen in seinenWirthschaftShof in der Vorstavt begleitete; wer wird wohl mit so heftiger Manierzu Werke gehen, wo eS vielmehr auf Sanftmuth und Güte ankommt? Haben Sieniemals gelesen, waS der große Franz von SaleS räth: Mit der Liebe, durch dieLiebe, zu der Liebe?

Za wohl, erwiderte der Bürgersmann, ich bin selber noch voll Hoffart undUnfrieden, und will Andere zur Liebe leiten, wie ein Vorleuchter, der kein Licht inseiner Laterne hat.

Während die Beiden in den Hof hinein gingen, kam der junge Falzmann voneiner andern Seite daher; er hatte diesen Spaziergang nicht absichtslos gewählt,denn schon stand er rückwärts bei der Bretterwand des großen GrasgartenS, undnahm in einer breiten Fuge derselben, zwischen dichtem Hollundergesträuch, seinenStand- und Haltpunct, so daß er bequem im Garten herum schauen konnte. Erwollte zwar weder dem Zustand der Obstbäume, noch der Beschaffenheit der Leinwandnachforschen, die auf dem Rasen zur Bleiche ausgebreitet lag, seine Aufmerksamkeitwar vielmehr auf ein gar emsiges Kind gerichtet, daS in Wahrheit mit diesenGegenständen beschäftigt sich zeigte. Herr JacaueS hielt sich ein Weilchen stille;gewiß (so mochte er bei sich gedacht haben), gewiß denkt sie jetzt an mich, die Gute,und sehnet sich nach mir, und grämet sich wohl auch über gewisse Vorurtheile.Joseph« aber half ihm bald aus dem Traume, und gab, woran sie denke, durchein Liedchen kund, von welchem sie folgende Strophe sang:

Ihr Kräfte der Seelen,

^..-K n'k», m^H,-. > ^ , ^/^^^ . . ,

Ihr sollt euch erwählen

-^,^^',j. ^ . .'"./j^

Sprecht Ave M-r.a

So Herz und ,0 Mund,

Singt Salve Regina

All' Tag und all' Stund

Dem Herrn JacqueS mochte dieß Erwachen auS seinem Traume nicht sehrerfreulich gewesen seyn; daher eS auch von einem vernehmlichen Verdruß-Seufzer