Ausgabe 
12 (12.9.1852) 37
Seite
290
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begleitet ward. Joseph« ward den Lauscher gewahr und machte Miene sich zuentfernen. Da ließ Herr JacqueS auf die Gesangparlhie ein DeclamationSstück folgenund ließ stch in folgenden herzbrechenden Worten vernehmen:O Joscpha. meinsüßes Leben, o Pepi, mein einziger Trost, o Gute, meine schönste Hoffnung! warumfliehest du vor mir? Warum vermeiden Sie mich so ängstlich, ich will nicht sagen,so fremd und kaltherzig?

Beinahe wäre ich erschrocken, erwiderte Joseph«,, jetzt aber muß ich recht vonHerzen lachen! Was für närrische Worte reden Sie da zusammen? Wissen Sienicht, daß man diese Worte spricht, wenn man zur Mutter Gottes betet? Ich möchtemich wahrhaftig schämen, so ungeschickte unv lästerliche Reden zu führen! Mein Leben,mein Trost, meine Hoffnung! wen spricht man wohl so an? Gute Pepi, versetzteder Andere jenseits der Bretterwand, Sie reden ja wie ihr alter Papa? Nun istaber das, was ich gesagt habe, die lauterste Wahrheit, und ich bin davon so durchund durch überzeugt, als nur immer Ihr Papa von seinen Meinungen überzeugtseyn kann. Darum nur ein freundliches Wort, nur einen freundlichen Blick, sonstbin ich ja ein Verlorner, desperater Mensch und thue mir möglicher Weise noch einLeiveS an. Und werden Sie alsdann, Hochmuthsvolle, das zu verantworten imStande seyn?

ES wird so arg nicht werden, sagte Josepha, bemühen Sie sich nicht mitunnöthigen Sorgen. Gehen Sie lieber in die Kirche, zu dem Gnadenbilde unsererlieben Frau, und bitten Sie, daß sie Ihnen durch die Fürbitte einige gescheibtereGedanken auswirken möge. Josepha, das ist Spott! hämischer Spott! Nein,Herr Jacques, gewiß nicht, sondern ich meine eS im ganzen Ernst. Sie betrachtenmich also für einen Narren, Josepha? Mich, der ich so weit herum gewesen bin,

in Golha, Braunschweig, Straßburg , Lyon.--Das Rechte haben Sie doch

nirgends gelernt, Herr JacqueS. Wie könnte Ihnen sonst einfallen, mich einfältigePerson Ihr Leben zu nennen? Unser Leben ist von Gott, der unS erlöset hat. Siewissen ja das noch? Er ist vom Himmel herabgekommen und hat der Welt das Lebengegeben; JesuS, unser Leben, JesuS, unsere Liebe. Nicht wahr? Darum freut's michlininer von Herzen, wenn ich seine liebe Mutter auch so grüßen kann: Unser Leben,denn sie hat baS Leben geboren, sie ist die Mutter des Lebens. Unser Trost, unsereHoffnung ist auch nur von Gotl; das ist ein schlechter Trost und eine elende Hoffnung,die nicht von Gott ist. Aber unsere himmlische Mutter, diese freilich ist uns vonGott vor Allem zur Süßigkeit und Hoffnung unseres Lebens geschenkt; sie ist eineliebreicheste Mutter unserer Seelen, und wer sie nur ein Bischen lieb hat, dem hilftsie zu aller Zeit. Sie wandte sich wieder zu ihrer Bleiche und sang daS begonneneLied weiter, wie folget:

Dir, herrlichste Blüthe

In himmlischer Au',Wie bist du voll Güte,

Du hohe JungftalUSprecht Ave Maria

So Herz und so Mund;Singt Salve Regina

Zu jeglicher Stund!

Schön, schön! sagte BenitiuS, mit dem Lebkuchenbäcker aus dem engen Gangezwischen dem Gesträuch hervortretend; da wird ja gar ein Duett gesungen? Soist'S endlich recht, Herr JacqueS, setzte Pankraz hinzu, in daS Lob mit einstimmenist so viel, als selber lobsingen. DaS ich nicht wüßte, sagte der junge Falzmannetwas ernsthaft; ich habe lediglich nur secundirt; man thut dergleichen unwillkürlich,wo immer eine Melodie gesungen wird, die gut in'S Gehör geht. Ganz recht,sagte Pankraz, mich freut'S insonderheit, wenn Ihnen eine solche Singweise gut in'SGehör geht. Ja, ich sage noch mehr: nachdem Sie schon mitten an der Wand stehen,die unS von Ihnen trennet, so schwingen Sie sich ganz fein artiglich hinauf und