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springen herüber, jedoch ohne sich dero werthen Fuß zu verstauchen; ein anderes Malaber, wenn meine Tochter und der Vater derselben hier zugegen sind, kommen Sielieber von vorn herein, durch die gewöhnliche Hof- und Gartenthür. — Herr Jacquesmachte einen zierlichen Sprung über die Wand herüber, und BenitiuS nahm, nachdemsie auf eine GraSbank sich gesetzt hatten, daS Wort und sprach:
Wir haben, lieber Herr Falzmann, einen guten Theil des Gesprächs angehört,daS Sie eben mit Josepha führten. Als einer von den Dienern Mariä, die denOrdensbrauch haben, jede heilige Messe mit dem Salve Regina zu beschließen, isteS ganz natürlich, daß ich auf dieses wunderschöne Gebet ungemein viel halte,besonders lieb aber sind mir jene Worte, über welche Jungfer Josepha Ihnen einekleine Lection halten wollte. Sie müssen, Bester, als ein gebildeter junger Mann,allezeit voraussetzen, daß die öffentlichen Gebete, die unsere Kirche eingeführt hat, vollhohen und lebendigen Sinnes sind, wie denn insbesondere dieß Salve Regina bereitsseit vielen Jahrhunderten mehr Seelen, auch von Kaisern, Königen, Fürsten , Feld-herren und andern Hochgewaltigen erquickt und ermuthigt hat, als Sie vielleicht ahnenmögen. Wir nennen darin Maria unser Leben; und zwar steht daS schon in heiligerSchrift von ihr: Wer mich findet, findet daS Leben. ES ist aber das Leben derSeele damit gemeint, welches in der göttlichen Gnade besteht. Siehe, da lesen wirnun, wie der Engel der Jungfrau erscheint, und sie grüßet: Du Gnadenvollc, undwie er ferner zu ihr spricht: Fürchte nicht, Maria, denn du hast Gnade gesunden.Sollte diejenige für sich erst Gnade gefunden haben, die schon die Gnadenvolle ist?Nein, sondern für ihre Brüder und Schwestern, für die sündigen Menschen, derenMittlerin sie geworden. Wie schön bezeichnet dieß der große Bernardus, da er spricht:Lasset unS Gnade suchen, lasset unS durch Maria sie suchen, welche die Finderin derGnade oder des Lebens ist. Darum sagt auch RiccarduS: Wünschen wir Gnade zufinden, so lasset die Finderin der Gnade uns suchen! Wahrlich, Niemand wird zurErkenntniß und zum Verharren in der seligen Wahrheit gelangen, den Mariens Huldnicht leitet, denn dazu ist sie von Gott auöerwählt, auf daß wir durch ihre Vermitt-lung seiner Erbarmung fähig und theilhaftig werden. Mein bester Falzmann, dießkönnte ich Ihnen mit unzähligen Geschichten beweisen, eS ist aber besser, sie erlebenden Beweis an Ihrem eigenen Gemüthe!
Wir nennen Maria unsere Süßigkeit, weil sie die herbeste Bitterkeit, so daSirdische Leben trifft, hinwegnimmt, weil sie den Tod versüßet. Daher wir so anhal-tend sie bitten, daß sie unS beistehe in jener Stunde der unaussprechlichen Angst, dader Menschenseele die Welt untersinkt sammt allen ihren Täuschungen, und sie ihrerArmseligkeit plötzlich sich bewußt wird!
Der Sterne Glanz, der Sonne glühend Roth,
Der Sinnen Freuden unter find gegangen,Es stirbt die Welt, und was fie trüg'risch bot,In dunkle Nacht versinkt ihr eitles Prangen;Die Sund' allein, fie bleibet, steht und droht,Und füllt den Geist mit wüstem Schreckensbangen.
Zerronnen ist der Traum, entsloh'n die Stunde»,
Der Haß entlarvt nun in der Seele grinst,Mit dunklen Banden fühlt fie sich gebunden,
Sieht fie so arg ihr göttlich Pfund verzinst;Verzweifeln müßte fie, ohn' Christi Wunden,Und ohn' der Jungfrau seliges Verdienst.
Selig, wem eine liebende Mutter auf dem Krankenlager beisteht, unendlichseliger, wen die Mutter der schönen Liebe auS dem Tode ins Leben einführt. Dergroße Gelehrte Suarez, ihr eifriger Diener, starb mit solcher Fröhlichkeit, daß erwenige Augenblicke vor seinem Tode noch ausrief: Nicht glaubte ich, daß der Tod so
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