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süß sey! Wie herrlich ist nicht der Tod einer Clara, einer Thereia, eines Petrusvon Alcantara? Glauben Sie mir, mein Sohn, ich bin bei vielen Sterbenden gewe-sen, und ich war oft so glücklich, den Tod in seiner Süßigkeit zu sehen, unendlichlieblicher, als in jener heidnischen Vorstellung vom Genius mit der ausgelöschtenFackel, ja vielmehr flammt hier erst die Fackel der Liebe im entscheidenden Augen-blicke recht hell empor. Doch nur bei Solchen fand ich diese überschwengliche Fried-lichkeit und Süße des TodeS, welche zur Mutter der Gnaden ein herzlich und ehr-fürchtig Vertrauen geübt hatten.
Wir nennen Maria unsere Hoffnung, weil sie unsere Mittlerin ist, deren großeWürdigkeit (wie der heilige AnselmuS sagt) unsere Armseligkeit ersetzen möge. WeretwaS dagegen einzuwenden hat, und zwar dieses: daß auf Gott allein, und nichtauf seine Geschöpfe unsere Hoffnung zu setzen sey, dem erwidert Thomas von Aquin :Der König deS HimmeS, da er die unendliche Güte ist, verlangt aufs höchste, unSmit seinen Gnaden zu bereichern, aber weil hierzu von unserer Seite ein herzlichesVertrauen erfordert wird, so hat er, um dieß Vertrauen in uns wachsen zu machen,zur Mutter und Fürsprecherin seine Mutter unS gegeben. Darum ist sie auch dieHoffnung der Sünder, und wie die königliche Brigitta sie nennt, daS Gestirn, so vorder Sonne hergeht. Denn eS ist gewiß, daß, so wie in einer Seele die Andacht zurgöttlichen Mutter erwacht, dieselbe Seele gar bald auch von göttlicher Gnade berei-chert seyn wird. Darum ist sie auch der Leitstern auf dem wüsten Meere der Welt,welcher, wie Sanct Bonaventura spricht, zum Hafen deö Heiles die Bahn zeigt.Darum ruft auch der preiswürdige BlosiuS mit solcher Zuversicht: Unmöglich ist eS,daß der zu Grunde gehe, der in treuer und demüthiger Verehrung Mariens beharret;und in kindlicher Ehrfurcht flehte Augustinus zu ihr: Du, der Sünder einzige Hoffnung.
Vieles hätte der ehrwürdige BenitiuS noch zu sagen gehabt, und vieles HerrJacques nicht sowohl einzuwenden, als vielmehr von sich abzuwenden, als draußenein Wagen vorfuhr und eine der fürstlichen Kammerfrauen ausstieg, um den Priorund zugleich auch Josepha zur Fürstin abzuholen. Wie? sprach Herr JacqueS ver-wundert zum Meister Pankraz: ist Ihre Tochter bei der Fürstin so beliebt? Ja wohl,sagte dieser, und rieb mit väterlicher Freude die Hände, ja wohl allerdings, meinbester Herr JacqueS. — Und auch der Prior? — Ja wohl freilich auch der Prior,mein guter Herr JacqueS, ja wohl! — Herr JacqueS machte sich daraus keingeringes Bedenken, denn standen seine beiden Lectoren ihm jetzt im hohen Lichte, sokonnte eS nicht fehlen, daß dieß auch ihren Lectionen einigen Glanz verschaffte, nurhatte er leider weder auf Josepha'S noch auf des Priors Worte so viel von seinemOhr verwendet als von den beiden andern Sinnen: Aug' und Nase; ersteres nämlichfür Josepha'S Unterricht zum Gaffen, letztere bei deS PriorS Lection zum Rümpfen.
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Eine Taufe unter dem Galgen.
Der Missionär, der sich für das Seelenheil seiner Brüder einem Leben vonEntbehrungen und Mühseligkeiten widmet, erwartet keine Belohnung auf Erden.Zuweilen aber hat er doch rührende Tröstungen in der Ausübung seines heiligenAmtes. Darüber dient folgende Erzählung, deren Wahrheit wir verbürgen können,zum Belege. Pater TimotheuS Bermingham hat seine Residenz im Dorfe Barnwell,Diöcese Charleston in Süh-Carolina; aber er versieht überdieß noch acht Stationen,die weit von einander entlegen sind, und die er monatlich besucht. Er läßt seineAnkunft zum Voraus in dem Localblatte ankündigen; verwendet einen ganzen Tagauf daS Beichthören, widmet den folgenden der Ertheilung des Unterrichts, der Aus-spendung der heiligen Communion, dem Krankenbesuche, der Taufe Neugeborner undder Einsegnung von Ehen; dann reiset er zu Fuß oder Pferd weiter, um in irgendeinem vereinzelten Weiler durch seine Gegenwart den Glauben wieder zu beleben.Freitags den 21. Mai begab sich der Missionär nach Abbeville, einer seiner Stationen,