Ausgabe 
12 (19.9.1852) 38
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und eine Ordnung ohne Gehorsam? Gibt es eine Ordnung ohne Gesetz? und einGesetz ohne Urheber? Aber ich antworte dir lieber gar nicht auf solche Bubenworte,sondern ich klage mich selber an, daß ich nicht hinlängliche Sorgfalt für dich getragenhabe, du Schmach meiner grauen Haare, du gedankenloser Gedankenkrämer, duungetreuer Christ! Lerne die göttliche Ordnung verehren, bete und arbeite, du ver-wiesenes Evakind!

Ich will nicht, daß Sie sich erzürnen, Vater! Mein Sohn, mußt du dasletzte Wort haben? Bringe die Bücher dort her, sogleich! Warum hast du sie weg-geworfen? War'S dir schimpflich, sie zu tragen? Die Fürstin hat Leute genug;ich bin kein Packesel. Mehr als du glaubst, mein Sohn, du trägst eine schwereLast, und diese Last möchte mir das Herz abdrücken. Lege die Bücher säuberlich daherauf, eins nach dem andern, und lese mir die Titel vor; ich bin doch begierig,waS für Neuigkeiten die durchlauchtige Frau dießmal mitgebracht habe. Der Sohngehorchte und laS: I. F. Allioli, die heiligen Schriften deS neuen Testaments.Des gottseligen ThomaS von Kempen vier Bücher von der Nachfolge Christi.DeS heiligen Franz von Sales Philothea . L. Goffine'S Unterrichts« und Er-bauungöbuch. G. RippelS Schönheit der katholischen Kirche. K. Martin'S Lehrbuch der katholischen Religion. I. B. HirscherS Betrachtungen über die sonn-täglichen Evangelien. I. B. HirscherS Betrachtungen über sämmtliche Evangeliender Fasten. A. Rodriguez, christliche Vollkommenheit. Ludwig von Granada,Homilien. Schön, schön, sagte der alte Falzmann, wieder ganz heitern Antlitzes,das nenne ich mir wackere Leute! Siehst du, mein Sohn, was da alles für die guteSache geschieht? O die Fürstin weiß auszuwählen! WaS kommt denn noch?Herr JacaueS musterte ferner, und sprach: lauter Gebetbücher. DaS Köthener Mis-sionSbuch. HumannS Lehr- und Gebetbuch. Merlo-HorstiuS, Paradies derchristlichen Seele. LamvruSchini, der geistliche Führer. HauberS Gebetbuch.I. P. Silbert, Gegrüßet seyst Du, Maria. Ch. Moufang, Oktioium äivinum.Galura'S Gebetbuch. M. A. Nickel, Gott mit uns. H. Himioben, Ehre seyGott in der Höhe. Dann noch eines: Handbüchlein der Erzbruderschaft vom hoch-heiligen und unbefleckten Herzen Mariä.

Schön, schön! wiederholte Herr Falzmann, welch ein Strauß von AndachtS-blüthen! DaS letztere gehört wohl zu den allerschönsten. Die Fürstin scheint sichauch etwas daraus zu machen, denn eS liegt noch eine Parthie von hundert Exem-plaren bei ihr, die sie bis zum Muttergottesfeste gebunden haben will. Ich weiß,ich weiß, mein Sohn, sie will dieselben hier unter die jungen Leute vertheilen. Aberdu rümpfst schon wieder die Nase? Ich rümpfe die Nase nicht, Vater, aber ichbin der Meinung, ein gutes Sittenbüchlein oder ein Unterrichtsbuch über giftigeKräuter und Schwämme, und sonst dergleichen, wie man sie in Menge hat, möchtenützlicher seyn. Ei du klugeS Evakind, bringst du das Alles von deinen Reisenmit? Die Fürstin denkt wohl: Vieles ist gut, aber EineS ist noth: daß man seligwerde! Weil sie aber weiß, daß wir alle verwiesene Kinder Eva'S sind, so weiß sieauch, daß gerade dieß das Allerschwerste sey. DaS ist aber eine große Himmelsfürstin,die ihren Fürstenmantel gnädiglich über uns ausbreiten und zu ihrem göttlichen Sohneuns leiten will, bei Dem sie, wie billig, Alles vermag, das ist die zweite und makel-lose Eva und wahrhafte Mutter der Menschen, zu welcher wir Ursache haben, immer-dar zu flehen, wie denn auch daS Gebet der heiligen Kirche lautet: Zu dir rufenwir verwiesene Kinder Eva'S! Zu dir flehen wir, o Königin der himmlischen Woh-nungen, daß du den Verwiesenen beistehest, um wieder eingelassen zu werden insewige Vaterland!

Der alte Falzmann stand auf und faßte seines SohneS Hände, und eS tratenihm Thränen in die Augen. Du geliebter Sohn, sprach er, wie wirst du einst weinen,wenn diese unsere Mutter in ihrer großen Liebe, welche sie zu unS Allen heget, deinHerz berührt; wenn du sie erkennen wirst und dann erst daS Leben dir aufblüht!Christus, dein Herr, ist nicht dein Bruder bloß, er ist auch dein Richter, und auchdas Strafen gehört ihm zu; die Jungfrau, deine Mutter und Schützerin, einst deine