Ausgabe 
12 (19.9.1852) 38
Seite
303
URN (Seite)
  
 
Einzelbild herunterladen

3V3

zu Zeit in unregelmäßigen Absätzen weit vernehmbar in der Runde in die Stille dergroßartigen Natur hinein. ES war kein Dorf, keine Kirche in der Nähe, von wo-her der Ton kommen konnte; in der Einsamkeit selbst mußte das Glöcklein stehen.Der Ruf klang einmal kürzer und dann wieder länger, einmal leiser und dann wie-der überlaut, als würde das Klöckletn von einer nach Hilfe ringenden, verzweifeln-den Hand gezogen. Allein wer sollte eS läuten, und was konnte hier sein weit ind.ic Ferne hallendes Klingen bedeuten? Da eS indessen nicht aushörte, und eben wie-der recht hell und vernehmlich ans seiner Einsamkeit in unsere Einsamkeit hinüberrief,frug ich einen Geistlichen, der mich begleitete, welche Bewandtniß es doch mit demGlöcklein hätte?Das ist das Antonius-Glöcklein," erwiderte er,daS wird freilichjetzt gar oft von denen, die vorüber gehen, geläutet." Ich bat ihn, mir darübernähern Aufschluß zu geben, und er erzählte mir Folgendes:Wie Jedermann weiß,wird die Fürbitte des heiligen Antonius in großen Nöthen, und besonders dann ange-rufen, wenn uns ein kostbares, werthes Gut verloren gegangen ist. Nun gehört dasGlöcklein, welches wir heute so oft gehört, einer kleinen, dem heiligen AntoniuSgeweihten Capelle. Es sind aber gar Viele, Gott weiß eS, in der gegenwärtigenZeit, deren liebste Anverwandte und Freunde nach dem fernen Rußland gezogen; dieIhrigen wissen nicht, ob sie erschlagen auf dem großen Schlacht- und Leichenfeldeliegen, oder ob sie, erstarrt auf Schnee und EiS gebettet, den tiefen TodeSschlafschlafen; oder sind sie gefangen und leiden Hunger und Kummer; oder liegen sieschwer verwundet in irgend einem Hospitale aus hartem SchmerzenSlager; Niemandkann eS ihnen sagen, Gott weiß eS allein; da nehmen dann die betrübten Gläubigenmit festem Vertrauen ihre Zuflucht zu dem gnadenreichen Heiligen. Wer mit bangemHerzen einen seiner Angehörigen zurückerwartet und des WegeS vorüberwandert, derläutet das Antonius-Glöcklein und betet ein andächtiges Vater unser und Ave Mariadazu, und verläßt mit der festen Zuversicht die Capelle, daß der Verlorene in Jahrund Tag heimkehre; denn er hat ihn ja gesucht und gerufen, so gut er eS immervermochte; ist dieß aber nicht GotteS Wille, erhört Gott nicht den klagenden, suchen-den Ton des Glöckleins und die Fürbitte seines Heiligen, so ergibt er sich in GotteSWillen, getröstet, ihm noch den letzten Liebesdienst erwiesen zu haben, und überzeugt,daß er dann seiner armen Seele im Fegfeuer zu Gute kommt." An städtische Sitteund Denkweise gewohnt, wollte mir dieser Brauch gar seltsam erscheinen; der Geist-liche fuhr indessen fort: ,,O, der glaubensarme Städter, der sich gar so klug undweise dünkt, und so vornehm auf den einfachen Glauben des Armen herabsieht, wasthut denn der im gleichen Falle? Ist es nicht oft zum Erbarmen, ihn sich so abmühenund abhetzen zu sehen. Hundert- und hundertmal hält er immer wieder von Neuemvergebliche Nachfrage, auch selbst an solche Orte sendet er einen Boten nach demandern, wo er schon von vornherein überzeugt seyn muß, daß dort der schwer Ver-mißte nicht zu finden seyn wird. Mit der eigenen schwachen Kraft möchte man Hilfeerzwingen. Der Kleingläubige kann und kann sich ja nicht in sein Schicksal ergeben;er greift nach jedem Strohhalm, und sucht vielleicht gar bei einer Kartenschlagen«Trost, läutet an allen Glocken, mir nicht an der rechten; bei Gott seine Zuflucht zunehmen, in dessen Hand unser Aller Schicksal liegt, daran denkt er nicht." Währendder Geistliche so sprach, läutete daS Glöcklein wieder mit lautem Rufen lange,lange in die Nacht hinaus. Ich dachte, welche bekümmerte Seele mag dem Glöck-lein seinen Schmerz anvertrauen? Gott führe ihr den Verlornen zurück, den sie sucht.(Hist. polit. Bl.)

Amerika .

DaSUniverS" schreibt:Seitdem die socialistische Secte sich in Neugranada oerHerrschaft bemächtiget, hat sie die kathol. Kirche unaufhörlich verfolgt. Die Austreibungder Jesuiten war der Anfang. Vor sechs Jahren waren sie ans Begehren der Kammerdurch die damalige Regierung eingeführt worden. Sie unterrichteten die Jugend, sie hiel-ten Missionen und verkündeten überall die Wunder ihres Eifers. Solche Männer stelltenDenjenigen ein zu starkes Hinderniß entgegen, welche die revolutionären und anarchischen