Ausgabe 
12 (19.9.1852) 38
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Ideen in den Geist der jungen Leute pflanzen und in ihren Herzen die Keime des Katho-licismus ersticken wollten. Um ihrer loS zu werden, bedürfte eS nur eines VorwandeS:man suchte einen solchen in der Rüstkammer der alten Verleumdungen. Die neue Regie-rung erklärte also, die Jesuiten hätten sich gegen die Republik verschworen, sie wollten sichNeugranada's bemächtigen, sie ruinirten die Familien, um sich zu bereichern u. s. w., undungeachtet der Protestationen der ungeheuern Mehrheit der Granadier, welche daS Gegen-theil öffentlich bezeugten, ungeachtet der Bittschriften, welche von der Gesammtheit unter-zeichnet wurden, und die sogar der Präsident Hilario Lopez offen unterstützte, wurde einVerbannungSdecret gegen die Jesuiten erlassen. Die Fortschritte in der Sittlichkeit, dieLeitung der Gewissen, ja die Erziehung der Kinder, alle diese höhern und ewigen Jnteres-sen wurden den Forderungen der radicalen Politik, und zwar wohlgemerkt im Namen derFreiheit zum Opfer gebracht. Die Gesetzgebungen von 1851 und 1852 fuhren, von demgleichen Geiste beseelt und daS gleiche Ziel verfolgend, wie die Regierung nämlich dieVernichtung der kath. Religion auf dieser Bahn fort. Sie erließen Gesetze, welche dieKirchenzucht zerstörten: ein Gesetz über das Patronatsrecht und über die Immunität. DaSerstere vertraut die Ernennung der Pfarrer den Capiteln und den Gemeinden. Dadurchhofft man, wie bei politischen Wahlen, wo einige Lärmer daS Gesetz machen, Priester nachdem Herzen der Demagogen zu bekommen. Durch daS zweite Gesetz will man die heiligeWürde deö Priesters herabwijjdigen und verächtlich machen, indem man ihn sogar fürVergehen in geistlichen Dingen vor die Civilgerichte schleppt. Umsonst haben die Bischöfeund die Geistlichkeit gegen diese Gesetze prolestirt und der Regierung bewiesen, daß es ihnennicht erlaubt wäre, sie anzunehmen. Die Repräsentantenkammer und der Senat haben denErzbischof von Bogata, mit Hintansetzung der Gesetze und der Verfassung, verbannt. DieseGesetzgeber machen die Gesetze nicht, um sich ihnen zu unterwerfen; sie erlassen sie gegendiejenigen, welche sich berufs- und pflichtgemäß ihren anarchischen Bestrebungen wider-setzen..... Ihr Ultimatum ist: die Kirche soll vom Staate unabhängig seyn, das heißt be-raubt und isolirt; Gott soll in das Heiligthum eingeschlossen seyn und die Priester mit ihm;oder die Kirche soll dem Staate unterworfen seyn und alle Folgen dieser Unterwerfungtragen; sie soll z. B. die Gehilfin, die Trägerin demokratischer und socialistischer Lehrenwerden. Umsonst mögen sich die Bischöfe auf die Artikel der Verfassung, auf ein abzuschlie-ßendes Concordat mit dem heil. Vater berufen. Gerade ein solches will man nicht. Manwill die Zerstörung der Kirche : und dazu schreitet man im Einzelnen, ohne Unterlassung,durch Gesetze, Decrete, Kammerreden, durch die Presse, durch Hinlerlist und durch Gewalt.Man zerstört das Seminarium in Bogata; man verbannt den ehrwürdigen und muthvolknErzbischof dieser Stadt, man hintergeht Treue und Glauben, man täuscht daS Greisenalterdesjenigen Prälaten, welcher secle vseante die Diöcese von Antioquia verwaltet, und manerlaubt sich ungesetzliche Handlungen, um den Promotor der Erzdiöcese und den einstweili-gen Promotor, welche der kirchlichen Disciplin treu geblieben sind, zu verfolgen und zu stra-fen..... Die Zeitungen lassen bis in die kleinsten Dörfer ihre religionsfeindlichen Lehren

ertönen; Lüge und Verleumdung werden überall ausgestreut. Um z. B. die Wirkung zuvereiteln, welche die Breven deS heil. Vaters an den Erzbischof von Bogata auf den Geistder Gläubigen ausüben, suchte man den Zweifel über deren Aechtheit zu verbreiten. Zudiesem Ende erfand man ein apokryphes Breve, ließ eS in einer Menge von Zeitungen ab-drucken, verbreitete eS in Tausenden von Exemplaren; ein Gouverneur ging so weit, eS inden amtlichen Theil eines LocalblatteS einrücken zu lassen, und theilte eS dem Promotorder Diöcese mit, um ihm die Gesinnungen des heil. Vaters zur Kenntniß zu bringen.....Der apostolische Nuntius beeilte sich, diese schändliche Betrügerei zu enthüllen und von derRegierung die Einrückung einer Note in das Amtsblatt zu fordern. Die Regierung durstesie nicht verweigern, aber die öffentlichen Blätter sorgen dafür, daß der Zweifel über derenWahrheit rege werde und der alte Zweifel nicht verschwinde. Alle diese Mittel führen zurBeknechtung und zum Ruine der katholischen Kirche ." Wir fügen dieser Darstellung bei: dieFeinde der katholischen Kirche haben keine andere Mittel gegen dieselbe, als List, Betrugund Gewalt.

Verantwortlicher Siedactenr: L. Schönchen.

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VerlagS-Jnhaber: F. E> Kremer.