Zwölfter Jahrgang.
Sonnt aas-Beiblatt
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zur
Augsburger PostZeitung.
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SV. September SA. I85S.
Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle «Sonntage. Der halbjährige Abouaementsprei«40 kr., wofür e» durch alle köuigl. bayer. Postämter und alle Buchhaudlunge» bezogen werde« kauu.
Erfahrungen eines katholischen Geistlichen in Wien.
Geschildert in harmlosen Briefen.
(Oestcrr. Volkefrcimd.) ^
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U. Die heiligt Taufe, das Vorfegnen der Wöchnerinnen und die erste
Erziehung der Minder.
tkk »bnvt ZM »<jiüat KL >chr»N»tt;äsi ,ch>« «zW »i mnisiK inmtv. >ÜÄ jiau^jnVTheuerster Freund!
Ich erfülle mein Versprechen, und schreibe Dir, da mir eben wieder einigefreie Minuten gegönnt sind, meine Ansichten und Erfahrungen über daS junge Wien, worunter ich aber nicht daS ravicale oder revolutionäre Wien, sondern nur die kleinenKinder in der Residenzstadt verstehe. Ich fange jedoch bei den aUerkleinsten an,welche getauft' werden sollen. UnS Geistlichen in Wien werden die neugeborneuKinblein in der Regel nicht inS Gotteshaus zum Taufbrunnen hingebracht, sondernwir Müssen in die Wohnung der Eltern gehen, um dort die heilige Taufe auSzuspen-den. Ooschon dieser Gebrauch eben nicht preiswürdig ist, so läßt er sich roch inWien auS mancherlei Ursachen nicht leicht abschaffe». Zuerst nämlich proleslirt dieMutter dagegen, daß ihr daS neugeborne Kindlein fortgeiragcn wird; dann fürchtetman, daß das zarle Geschöpf in der Kirche einen Schaden an der Gesunlheil leibenkönnte; ncbstvem gehen die Tauspalhen nicht gern i»S Gotteshaus, unv das Fahrenkostet zu viel Gelv; endlich ihut dem Pfarrgeistlichen eine Remuneration für denGang inS HauS sehr wohl, weil seine Besoldung zum Leben in Wien nicht hin,reichend ist. Bisweilen aber sind mir diese HauSlaufen recht schwer gefallen, undzwar nicht bloß der großen Hitze oder deS rauhen stürmischen WetierS wegen, son-dern auch der sonderbaren Leute wegen, zu denen ich gekommen bin. Manche Leutenämlich sehen einen katholischen Priester nicht gern in der Nähe, und eS wird ihnenbei einer heiligen Handlung unheimlich zu Muthe; bei andern ist die liebe Armuihzu Hause, daher muß sich der Priester auf finstere oder trübselige Mienen gesaßtmachen, oder gar spitzige Worte anhören, und sehr oft in Betreff seiner Nemuncralionviel Nachsicht haben. Ost habe ich mit Bedauern gehört, daß die Ellern nur aufvieles Bitten einen Tauspalhen für ihr Kind gesunden h^ben, und zwar einen armenDienstvolen oder Taglöhner. ES scheint demnach in Vergessenheit geraihen zu seyn,daß eS ein gutes, für den Himmel sehr verdienstreiches Werk ist, bei einem Täuf-linge Pathenstelle zu vertreten, besonders wenn man daS erfüllt, waS die heil. Kirchevon den Tauspalhen verlangt, wenn man nämlich in der Folge die Erziehung unvden Wandel derjenigen, denen man beim Empfange der heil. Taufe Beistand geleistethat, liebevoll überwacht. — Nicht genug aber, daß in Wien zu jeder Jahreszeitund bei allen verehelichten Leute» den Neugebornen die heilige Taufe in der oft sehr