Ausgabe 
12 (26.9.1852) 39
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Auf dieses hatte besonders Ferdinand einzuwirken, welchen ste zur Berichterstat-tung über den Bruder aufforderte. Da nun Marimilian alles Gute angelobt, sandtesie jenem eine schriftliche Ermahnung zu, die er ihm unter vier Augen vorlesen sollte,und von der ste unter der Gnade GotteS, in Verbindung mit des SohneS gutemWillen, den besten Erfolg sich versprach. Sie täuschte sich nicht. Von Ferdinandkam ihr ein befriedigendes Zeugniß über den Bruder zu, worüber sie bemerkte:Waskann ich Besseres wünschen, als daß Marimilian umkehre unv seinen üblen Gewohn-heiten entsage? Laß ihn dir brüderlich empfohlen seyn und strafe ihn brüderlich, woeS nöthig seyn sollte. Er wird cS annehmen, wo nicht, so drohe ihm mit mir.Mit nichts hättest du mich so sehr erfreuen können, als mit der Nachricht von seinemWohlverhalten und mjt dem Zeugniß deiner Zufriedenheit mit ihm. Er solle ihndaher öfter zur Ausdauer mahnen, dann würden ihre Wünsche ungezweifelt in Er-füllung gehen, sie seines Fleißes im Lernen noch mehr sich erfreuen können als seineskörperlichen Wachsthums." Ihm selbst schickte sie an seinem Namenstag ein Ringleinund knüpfte daran den Wink:damit will ich dich zu der Ehre GotteS verbindenund anveutcn, daß du den Heiligen, dessen Namen du trägst, zum Vorbild nehmest,so fromm werbest, wie dieser eS war." Auch die andern Söhne ließ sie durch Fer-dinand, der während ihrer Reise nach Spanien die Stelle deS HauSvaterS zu versehenhatte, öfters an Frömmigkeit, an fleißiges Studiren, an Gehorsam gegen ihn, gegendie Lehrer, gegen den Hofmeister erinnern. Den Grüßen an seine Geschwister fehlte seltender Beisay:denjenigen, welche fromm sind, den bösen aber nicht." Würde nichtjedes ihrer Kinder gegen den Bruder, als den Aeltesten, gebührlich sich verhalten,so müßte ihr dieses großen Kummer bereiten.Seyd friedlich unter einander," schriebsie Allen zumal, denn einem Jeden derselben sollten ihre Briefe stetS mitgetheilt wer-den,seyd friedlich unter einander, alsdann wird Gott mit Euch seyn." Ferdinandaber mahnte sie: «Hüte fleißig, eS thut alleS von nöthen." ,

Die Erzherzoginnen wurden unter den Augen der Mutter zur Arbeitsamkeiterzogen. Vcn der Königin von Polen wissen wir, daß sie jeden Tag von der Mit»tagöstunde an bis um vier Uhr mit zweien ihrer vertrautesten Kammerfrauen in Nähen,Stricken, Verfertigung kirchlicher Gerä'hschaftcn zubrachte. Hierin war auch dieKönigin von Spanien ras Ebenbild der Mittler; gleich derselben fertigte sie Manches,entweder für den Dienst der Kirche oder zur Hilfe für Arme. Bei dem Hofapoiheker,der zugleich den Namen und den Dienst eines ConfectuartuS hatte, mußten die Erz-herzoginnen daS, was damals destilliren genannt wurde, erlernen. Auch den Ver-richtungen in der Küche waren sie nicht fremd, wenigstens verstanden sie sich aufBereitung von Backwerk, denn Maria trug einst Ferdinand auf, von EleonorensKocherei" von jeder Sorte eine Schachtel voll ihr zu schicken, damit sie sehe, wiedieselbe ausgefallen sey.

Jene Zeit kränkelte noch nicht an dem HumanitätS-Schleichfieber unserer Tage.Sie glaubte noch nicht, daß die Kinder zu Männern und zu Frauen könnten heran-geiändell und hcrangeiänzelt werden. Sie war dessen fest überzeugt, daß eine tüch-tige, gedeihliche Erfolge inS Auge fassende Erziehung, neben der zartesten undwärmsten, aber auch vernünftigen Liebe, vor Anwendung zweckmäßiger Strenge nichtzurückschrecken dürfe. Gegen diese räumte fürstliche Geburt kein Vorrecht ein, unddie Mutter glaubte so wenig dieselbe vermeiden zu müssen als der Vater. Beidesahen in den Kindern den Menschen, welchen die Liebe mit Erfolg nur dann heran-zubilden vermöge, wenn auch der Ernst im Hintergrunde stehe. Die ErzherzoginMaria Christine, die ihre Kinderjahre am Hofe zu München zubrachte, hatte daherden Großvater nur deßwegen lieber als die Großmutter, weil er sie nie züchtigte.Di'k siebenjährige Ferdinand unterließ eS, vor einer Reise deS BaterS Abschied vondemselben zu nehmen. Da trug Erzherzog Carl der Gemahlin schriftlich (wahrschein-lich um eS dem Knaben vorlesen zu können) auf, ihn bis zu seiner Rückkehr beiWasser und Brod einzusperren. DaS ^Vrieflein ist noch vorhanden und zeigt in demdurchgestrichenen Wort Brod, wofür" der Erzherzog Stein setzte, daß ihm daS