Ausgabe 
12 (26.9.1852) 39
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Empfindlichste sollte angedroht werden. Eben so erfahren wir auS einem Brief der

Erzherzogin, daß sie Ferdinand die Ruthe gegeben habe, weil er ungeziemende AuS,drücke gegen seinen Oheim Wilhelm sich erlaubt hatte. WaS zu meiner Jugendzeit,wenigstens in meiner Vaterstadt noch allgemein und gewiß wohlüberlegter Gebrauchwar, daS wurde damals auch an dem Hofe zu Grat) beobachtet: der heilige Nikolauskam niemals mit seinen Festgeschenken, ohne eine Ruthe mitzubringen. Maria aberschrieb in Erwartung dieses TageS und im Hinblick auf Ferdinand dem Bruder:Wie wird der Bub eine Freude haben? Er spricht unausgesetzt von dem Nickel; nurfürchtet er sich, derselbe könnte auch eine Ruthe einlegen. DaS höre ich von Herzengern." AIS aber eben dieserBub," wie ihn die Mutter nannte, regierender Erz-herzog in Steiermark und Stellvertreter des Kaisers am Reichstag geworden war,schrieb er derselben von seinem dreijährigen Prinzen Johann Carl:ich freue mich übernichts so sehr, als daß er so gerne betet und die Ruthe fürchtet." Heut zu Tagefürchten häufig die Eltern die Ruthe, da eine solche nicht selten in den Kindern fürsie heranwächst. Auch ein Fortschritt!

Hiermit habe ich Ihnen daS Walten der Erzherzogin Maria über ihre Kindervon der ernsten Seite dargestellt. Findet sich die hochverehrte Versammlung hierdurchangezogen und wünscht sie ein Bild desselben auch von seiner heitern und freuvigenSeite, so fehlt eS nicht an den bewährtesten Zeugnissen, um hierüber ebenfalls man-ches Ansprechende und Unmuthige mittheilen zu können. In diesem wird dann zugleichder vollgiltigste Beweis liegen, vaß der zu jedem Kampf gerüstete katholische Glaube,die gewissenhafteste Beobachtung alles dessen, waS derselbe vorschreibt, die freudigsteErfüllung der mannigfaltigen kirchlichen Bethätigungen, daS redlichste Streben nachseiner Heiligung durch Uebung jeder Art von LiebeS- und Bußwerken am fernstenstehe von zweideutiger Kopfhängern und von saurer Grämlichkeit, vielmehr mit derheitersten Hcrzensfreudigkeil jenes Wort deS Herrn erfüllend: Wenn ihr fastet, solltihr nicht traurig seyn wie die Heuchler.

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Unsrer lieben Frauen Mantel.

Eine Erzählung in sieben Lectionen über das Salve Negma.

Vierte Lection:

Zu dir seufzen wir trauernd und weinend in diesem Thale der Zähre«."

Höchlich vergnügt kam, nach einigen arbeitsamen Tagen, der alte Falzmannvon der Fürstin nach Hause und hätte seinem Sohn gerne etwas Freundliches gesagt,Wäre nicht dieser allzu mürrisch an seinem Arbeitstisch gesessen. Darum ließ er eSmittlerweile beim Schweigen bewenden, bis Herr JacaueS aufstund, vor ihn hintratunv sprach: Die Gebetbücher sind nun ebenfalls fertig unv nebenbei auch ich.Du, mein Sohn? wie meinst du dieß? Reisefertig, meine ich. Wie redest duda, mein Kind? waS betrübst du mich? Die Betrübniß wird so groß nicht seyn,mein Vater; Sie haben ja ohnehin keine Freude an mir! Mir Freuve zu machen,daS hängt bloß von dir ab, mein Sohn.' Etwa durch Heuchelei? dazu tun ich zustolz. Ja, das bist du. Wärest du eS nicht, so könnte ich dir'S weitläufig erzäh-len, welch einen ausnehmenden Beifall deine Einbände bei der Fürst»; gesunren haben,wie sehr sie daS Geschmackvolle und Solide deiner Arbeit gerühmt hat. Ich mußdir gestehe», ich war selber voll Freude darüber. So? erwiderte Herr JacqueS,mit einigem Sonnenschein im Wolkengesicht; so gnävig waren Ihre Durchlaucht?Gewiß, mein Kind. Sie will dich sogar sehen, um mehr mit dir zu sprechen, alsdaS erstemal, und du sollst heute bei ihr erscheinen. Sie nimmt dich ganz besondersin Proteciion. Dafür danke ich schönstens. WaS soll ich dort? wahrscheinlicheine Lection anhören? oder neuerdings vor der schnippischen Jungfer Josephs michbeschämen lassen? Du bist bitter, mein Kind. Ja ich bin biller und gar nichtsmehr will mich freuen. Ganz von Herzen betrübt bin ich, mein Vater. Du armer