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denn nun zeigte fich erst der GrauS der Verwüstung in Gärten, Weinbergen, Fel-dern und Wiesen, und vernichtet waren die Hoffnungen deS Sommers und Herbstesvon dem gewalligen Hagelschlag. Auf daS Trocknen seiner triefenden Gewändewartend stand JacqueS unter den Jammernden und schämte sich bereits deS WeineS,den er miiten unter den Weinenden sich hatte einschenken lassen, als ein rascheSWagcngeroll durch den Hohlweg herabtönte, und bald darauf die Fürstin, von einemWirthschastsbeamten begleitet, in die WirihS- und zugleich Schulzcnstube hereintrat.Bestürzt nahm Zacqueö eilends seinen Rock und sein Felleisen um, und hätte sichgerne hinausbegeben, wäre er nicht durch den Schwärm der Dorfbewohner verhin-dert worden, die drängend die Hausflur anfüllten. Er mußte also Zeuge davon seyn,als die Fürstin güitg die Betrübten anredete: wie sie von dem Unglücke gehört hätte,daö vor einer Stunde sie getroffen, und selber nun davon in Kenntniß ges.tzt, ihrMöglichstes beitragen werde, um dasselbe ihnen zu erleichtern. Da «anreiten sichviele Jammerthränen in Freudenihränen um, und die Getrösteten küßten der Fürstinmit tausend Dank an die göttliche Fürsichiigkeit und an die Mutter GotteS die Handoder den Saum deS GewandeS, Andere aber eilten davon, um die gute Nachrichtweiter an Die Draußenstehenden zu bringen. Da gelang eö auch dem jungen Falz-mann, mit hinaus gedrängt zu werden; als er aber dastund und sich besann, daßer seinen Wein noch nicht bezahlt habe, drang plötzl ch der Ruf auS dem fürstlichenWagen zu ihm: Jacques I Herr JacaueS! Er blickie hin, Josephs grüßte ihn zumWagenschlag heraus. In dem Augenblicke trat auch die Fürstin auS dem Hause.Sie sind ja der junge Buchbinder? fragte sie ihn. — Zu dienen, Ew. Durchlaucht.— Wie kommen denn Sie hierher? — Ein Spaziergang, Ew. Durchlaucht! —Die Fürstin sah ihn, mit einem Seitenblick auf das Felleisen, lächelnd an und sprach:Wie durchnäßt der Arme ist! Seyen Sie sich herein und fahren mit mir zurück; eSist noch Raum auf dem Rücksitze. Nur nicht lange zögern, ich meine eS im Ernst!Ein Jäger hob auf ihren Wink den Verlegenen auf den Rückiiy hinauf, da saß ernun und sah in seine Reisekappe hinein, die er, auch auf der Fürstin Geheiß, schlech-terdings nicht aufsetzen wollte. _
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Anfang deS Sommers wohnte der Prinzpräsident in St. Cloud, zwei Stundenvon Paris . Ein paar Tage vor seiner Abreise nach Siraßburg kam er eines Mor-gens ohne alle Ankündigung in Begleitung eines Adjutanten in daS HauS der christ-lichen Schulbrüder. „Meine lieben Brüder^" sagte er nach dem Eintreten, „ichhöre, Sie haben hier Bücher, die in einem gewissen Geiste geschrieben sind, dergeeignet ist, die Gesinnungen der Zöglinge in Betreff unserer Nationalgeschichte irrezu leiten." — „Man hat Sie hintergangen, Prinz," antwortete der Superior, „solcheBücher gibt eS bei unS gar nicht." Da äußerte der Adjutant: „Haben Sie nichtsein Geschichtsbuch, worin der Kaiser arg mitgenommen wird?" Hierauf gab ihmder Superior ein Unterrichtsbuch der LanreSgeschichte, das für den Orden besondersversaßt war, und sagte: „dieß ist das einzige Buch, welches neuere Geschichte be-trifft." Der Prinzpräsident nahm schnell daS Buch an sich, las sofort einige Seitenund gab eS dann dem Superior mit den Worten »urück: „Ganz gut. Seit wannbesteht Ihr HauS? wie ist Ihre finanzielle Lage?" Der Superior eiugegnete: „KönigCarl X. hat eS gegründet und reich ausgestattet aus seiner KabinetSkasse, aber dieZahl der Zöglinge ist unS doch ein wenig über den Kopf gewachsen." „Nun, wiegroß ist ihr jährlicher Ausfall?" „Etwa 300 Franken." „So nehmen Sie diesenkleinen Beitrag, um sie auS der Verlegenheit zu ziehen," sagte Ludwig Napoleon ,indem er einige Banknoten auS der Tasche zog und sich entfernte Es war «in Ge-schenk von 2000 Franken.
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