Ausgabe 
12 (3.10.1852) 40
Seite
313
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Zwölfter Jahrgang.

Sonntags-Beiblatt

zur

Augslmrger PostMung.

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3. October ^tv 185S.

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DieseS Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abouuementevrei«TV kr., wofür eS durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezöge» werden kann.

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Erfahrungen eines katholischen Geistliche« über die vorzüglichsteUrsache der vielen unehelichen Geburten.

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(In einem Briefe.)

Lieber Freund!

Auf deine Frage über die vorzüglichste Ursache der vielen unehelichen Geburtenglaube ich die Wahrheit zu sagen, wenn ich antworte: Cie liegt sowohl bei nochschuldlosen Söhnen und Töchtern, als bei solchen, die schon in Bekaunlschaslen leben,im Mangel an Abscheu gegen die Sünde deS sechölen Gebotes und was dazuverleitet, als Kleiderhoffart, Besuchen der Personen deS andern Geschlechtes, Bekannt-schaften, Tänze mit Personen deS andern Geschlechtes, sowohl bei Hochzeiten alSFreitänzen an Sonnlagen, wodurch der Tag deS Herrn am meisten cniheiligt wirv,gewiß Dinge, die zu den Werken deö SalanS gehören, denen man bei dem Empfangder Taufe enlsagen mußte. Wenn den Erwachsenen, welche diese Werke des SalanSnicht verabscheuen, nach der Lehre deS Conciliums von Trient , weil die Vorbereitungzur Rechtfertigung mangelt, die heilige T^ufe und Communion nicht ertheilt werdendarf: so wird von allen unsern Söhnen uud Töchtern, die nicht Abscheu an Kleirer-Hoffart, Bekanntschaften, Tanzplätzen, Trinkgelagen (Röm. 13, 13. 14), dann Um-gang mit leichlferligen Personen haben, sondern Neigung und Freude daran haben,die heilige Communion unwürdig empfangen.

Von der Rechtfertigung, die dem würdigen Empfange der Taufe und der hei-ligen Communion vorausgehen muß, lehrt daS Concilium von Trient in der sechstenSitzung und im sechsten Kapitel,daß man auS Furcht vor der göttlichen Gerechtig-keit zur Betrachtung der Barmherzigkeit GotteS hingewendet, Gott zu lieben und dieSünde zu verabscheuen und zu hassen anfangen müsse." Zur Sünde gehört offenbarauch die Neigung zur Kleiderhoffart, zu Personen des andern Geschlechtes, zur Tanz-lustbarkeit, zu Trinkgelagen :c., weil jene, die Jesum lieben, diese Werke des SalanSverabscheuen, und der Apostel Paulus lehrt,verflucht ist, wer Jesum nicht liebt,"und Johannes:Wer Gott nicht liebt bleibt im Tode" (1. Joh. 3, 14). Alle dieseempfangen daher die heilige Communivn unwürdig auSMangel an der dazu nöthigenVorbereitung.

Mangel an Abscheu der Sünde und waS zur Sünde verleitet, weil die Tauf,gnade die Liebe zur Sündengefahr verbietet, und Mangel an Liebe zu Jesus, welchensie verabscheut, sind also nicht nur Ursache der vielen unehelichen Geburten, sondernauch der so vielen unwürdigen Communionen, welche die Beichtväter, durch Verschie-bung der Lossprechung, bei jenen Söhnen und Töchtern nicht verhindern können, wel-chen die Liebe zu JesuS und der verlangte Abscheu an den genannten Werken des SatanSmangelt, und sich daher auch über solche Sünden nicht anklagen im Beichtstühle.