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Damit solche Sünder zur Selbstkenntniß gelangen, und auch die Seelsorgersich überzeugen können, daß solche Jünglinge und Jungfrauen nicht Jesum, sonderndie obengenannten Werke deS SatanS lieben und von der unwürdigen Communionausgeschlossen werden, weiß ich nur ein Mittel: Die Herren Bischöfe sollen diesenvor der Ostercommunion jährlich befehlen, vor dem Seelsorger öffentlich zu erklären,durch Aufzeichnung ihres NamenS, daß sie der Kleiderhoffart, Bekanntschaften, Frei»tänzen zc. entsagen müssen, wenn sie zur Ostercommunion nach ihrer Beicht sollenzugelassen werden können. Dieß kann auch zugleich als Aufnahme in ein Tugend,dündniß betrachtet werden. Unstreitig wäre dieß eines der kräftigsten Tugendmittelnicht nur zur Verminderung unwürdiger Communionen, sondern auch der sovielen unehelichen Geburten, wie schon Bourdato in einer Osterpredigt vor demKönige bemerkte. WaS dieser von der wirklichen, sich entschieden zeigenden LebenS-besserung sagt, gilt auch von der öffentlichen Erklärung, die Pflichten deS Taufbun-deS erfüllen zu wollen. Bourdato sagt: „In Wahrheit! man will nicht, daß maneS äußerlich merke, man habe sein Leben geändert (oder öffentlich versprochen, diePflichten deS TaufbundeS zu halten),, weil man wohl einsieht, daß, wenn diese Ver,Änderung einmal bekannt würde, man sich dann genöthigt sehen würde, sie fortzusetzen.Man würde sich nicht mehr von ihr losmachen können; und wenn auch die Ehre derPflicht und der Religion zu Hilfe käme, so würde man die schwerste Tugend, dieBeständigkeit, nicht etwa nur in eine bloße Verbindlichkeit, sondern gleichsam in eineunumgängliche Nothwendigkeit verwandeln. Wie gut man aber auch gesinnt seynmag, so will man sich doch die Freiheit vorbehalten, in Zukunft zu thun, wasman will — wieder zur Welt zurückzukehren."
Jünglinge, Jungfrauen, welche sich Christo der Art schämen, daß sie sich scheuen,öffentlich obigen Werken des SatanS zu entsagen, um der Welt nicht zu mißfallen,find offenbar der heiligen Communion unwürdig nach den Worten Jesu: „Wer sichmeiner und meiner Lehre vor diesem sündhaften Geschlechte schämt, dessen wird auchder Menschen Sohn sich schämen." (Mark. 8, 33.)
Unsrer lieben Frauen Mantel.
Eine Erzählung in sieben Lectionen über das Salve Regina.
Fünfte Lection:
„Eja, «nftre Fürsprechen'»."
ES war schon ziemlich am Abend, als die Fürstin sammt ihrer Begleitungwieder im Schlosse anlangte. Zwischen den Leuten, die ihrer an der Einfahrt harr-ten, trat alsbald der Prior hervor, der bisher nach seiner freundlichen Weise sieum sich versammelt gehalten; er hatte aber kaum die Fürstin gegrüßt, als er schonauSries: Ach, da ist er ja, da ist ja der liebe Freund! Also Ihre Durchlaucht selberbringen ihn zurück? — Ich weiß nicht, wie Sie dieß Zurückbringen meinen, sagtedie Fürstin; kommen Sie jedoch mit herauf, Herr Prior, und Sie, Falzmann, eben-falls. — Sie ging mit BenitiuS in ihre Zimmer, während ersterer und Joseph« imVorsaale zurückblieben. Josepha, so nahm Herr JacqueS daS Wort, komme ichIhnen wohl recht dumm vor? — Ach, daS eben nicht, antwortete diese lachend,aber ganz wunderlich. — Seh'n Sie, Josepha, damit ich aufrichtig rede, Sie kommenmir heute gar nicht stolz vor. — Haben Sie mich denn für stolz gehalten? — Ja,der Anschein Hat'S gegeben. Ich finde aber auch keinen Stolz an der durchlauchtigenFrau. — Freilich nicht, Herr JacqueS. Welch eine hohe Geistesbildung und welcheine Sanftmuth! sie ist eine himmlische Frau! Ei waS nicht noch, Herr JacqueS!wo reden Sie wieder hin? Eine große Verehrerin der himmlischen Frau ist sie, daSist wahr, sie selber aber ist für jetzt noch eine irdische Frau und nimmt solche abge-schmackte Lobsprüche nicht an. — Sie find doch stolz, Josepha! sogar über die Fürstinnehmen Sie sich etwas heraus! — Während Herr Falzmann dieß sprach, kam einer