Ausgabe 
12 (3.10.1852) 40
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Wer den Sohn suchr, den liebet die Mutter, und wer die Mutter sucht, den liebetder Sohn; keiner aber suchet, den nicht der Vater ziehet. Beten muß man, meinKind, beten und arbeiten, nicht bloß allein arbeiten, wie bisher. Ehe wir daS Hauserreichen, will ich Sie geschwind noch eine von den schönen Bittweisen dcö seligenAlphonsuS lehren, die Sie im Willen mitsprechen können. Wir wenden uns im Geistezur göttlichen Mutter, und sprechen also:

O große und glorreiche Mutter meines Herrn, schon erkenne ich, wie sehr ichdurch meinen vieljährigen Undank gegen Gott und gegen dich, verdienet hätte, deinerFürsorge verlustig zu werden, weil der Undankbare keiner fernern Wohlthaten mehrwürbig ist. Doch aber, o Himmlische, habe ich einen viel zu großen Begriff vondeiner Gütigkeit, um nicht sestiglich zu glauben, daß sie bei weitem größer als meinUndank sey. Mögest du also noch fernerhin, o du Zuflucht der Sünder, nicht unter-lassen, einem Armseligen beizustehen, der auf dich vertraut! Reiche, o Mutler derBarmherzigkeit, deine Hand dar, um einen armen Gesunkenen aufzurichten, der deinMitleid anfleht! Beschirme mich, o Maria, oder sage mir, an wen ich mich wendensoll, der kräftiger als du mich zu beschirmen vermöchte! Aber wie könnte ich einegütigere und mächtigere Fürsprecherin finden bei Gott, als dich, die du seine Mutterbist? Als du die Mutter des HeilanreS geworden bist, wardst du daS Heil allerSünder, und mir auch wurdest du zu meinem Heile geboren. Nun verdiene ich zwardeine Liebe nicht, aber daS große Verlangen, so du nach der Rettung der Verlornenträgst, macht mich hoffen, daß du auch mich liebst. Und wenn du mich liebest, wiekann ich zu Grunde gehen? O geliebte Mutter, von dir erwarte ich mein Heil, undimmerdar danke ich dem Herrn, der mir dieß Vertrauen zu dir geschenkt hat. InEwigkeit will ich diese liebreichen Hände küssen, die so oft vom ewigen Verderben michbewahrt! O Maria, meine Befreierin, meine Hoffnung, meine Königin, meine Für-sprecherin, meine Mutter! Dich liebe ich, dich will ich in Ewigkeit lieben, Amen."

Am Schlüsse des Gebetes standen sie an der Pforte, eben begann schon daSAbendgeläute für den englischen Gruß. So, mein Kind, sagte der Prior, folgen Siemir nur nach. Wir sind alle Diener Mariä, oder wollen eS seyn, und alle ihreSöhne sind Brüder unter einander, oder sollen es seyn. Der Pförtner öffnete, neigtesich und sprach, nach Klostergebrauch grüßend: Ave Maria.

Die Zeitlage.

(Katholik.)

Der Heiland hat seine Jünger oft an die Leiden und Kämpfe erinnert, dieihnen bevorstanden, um sie, wie Gregor der Große sagt, durch den Schild desVorherwissens gegen dieselben zu waffnen. So sollen auch wir unS klar zu machensuchen über die Leiden und Kämpfe, welche die Kirche in der nächsten Zukunft zuerwarten hat und die bereits begonnen haben. Wenn seit ein paar Jahren derHorizont der Kirche heiterer geworden, so ist offenbar seit einiger Zeit eine Umwand-lung eingetreten und haben sich ringsumher drohendere Wetter als je zusammen-gezogen, zumal in Deutschland .

Die schrecklichste Erscheinung deS JahreS 1343 war daS offene und massenhafteHervortreten deS antichristlichen Unglaubens und eines unendlichen Hasses gegen daSChristenthum und die Kirche. Die durch die religiösen Wühlereien deS RongeaniSmuSund Freichristenthums vorbereitete politische revolutionäre Bewegung hat ihren anti-religiösen Charakter nie verläugnet, und so hat überall die revolutionäre Parteiwesentlich auch gegen die Religion und Kirche gewirkt. Allein dieses mächtige Her-vortreten deS UnchristenthumS in wesentlicher Verbindung mit Bestrebungen, welcheauf den Umsturz der ganzen sittlichen und socialen Ordnung gerichtet waren, hatteauch heilsame und großartige Wirkungen. In der katholischen Kirche zeigte sich einkräftiges Bestreben zu helfen, die Religion und durch sie daS Volk zu reiten. Weil