Ausgabe 
12 (3.10.1852) 40
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man aber erkannte, daß nur von Innen durch die Kraft des lebendigen Christenthumsgeholfen werden könne, so wendete sich die kirchliche Bewegung zumeist dem innernLeben zu. 'Man sah, daß die gewöhnlichen Mittel nicht mehr ausreichen, daherüberall die Missionen und wirklich hatte diese mächtige Verkündigung der christ-lichen Grundwahrheiten in Mitten einer Zeit, die Alles, zumal aber die ganze altechristliche LebenSordnung umzustürzen schien, einen Erfolg, der selbst die Anerkennungder Welt sich erwarb und einige Zeit die Vorurtheile vergessen zu machen schien,welche noch kurz zuvor die Jesuiten und Redemptoristen , welche die Missionen gaben,so verhaßt gemacht hatten. Außerdem erweckte der Ernst der Zeit in vielen gläubigenMenschen einen Drang, auS Liebe zu Gott und den Seelen etwaS zu thun und zuopfern und namentlich die Kraft deS Glaubens in Werken der Barmherzigkeit zuerweisen. Klöster entstanden wieder, und wohlthätige und religiöse Vereine undBruderschaften manchfacher Art. Weil das Verderben so nahe drohte und die Meistenstatt in Christus und seiner Kirche in dem geraden Gegentheil daS Heil der Weltsuchten, fanden viele gläubige Katholiken sich gedrungen, ihre Ueberzeugung in offe-nem Bekenntniß an den Tag zu legen, daß nur in der Rückkehr zum lebendigenChristenthum Heil und daß die verschmähte katholische Kirche die Trägerin diesesChristenthums sey deßhalb aber glaubten sie auch, jetzt in dieser Zeit, wo AlleSFreiheit fordere und erlange, gelte eS vor Allem, der Kirche diese lange vorenthalteneFreiheit zu erringen. Für diese ihre Ueberzeugung sprachen und wirkten sie in denkatholischen Vereinen. Die rechtmäßigen Hirten der Kirche aber, die Bischöfe, wareneS, welche all diesen Bestrebungen Weihe und die sichere Richtung verliehen. Soentwickelte sich, Vielen zum Erstaunen, in der katholischen Kirche ein regeres viel-versprechendes Leben und zwar mit weniger Hemmung, als nach den frühernZuständen zu fürchten gewesen. Die Staaten gestatteten der Kirche ein größeres oderminderes Maaß freier Bewegung, in Oesterreich und Preußen erkannte man dießPrincip der kirchlichen Selbstständigkeit selbst durch die Gesetzgebung an. Man hatteeS theilweise eingesehen, worin man früher gefehlt und daß allein die Religion imStande sey, die Uebel der Zeit zu bewältige«. Auch von Seite der Protestantenwurde das Bestreben der katholischen Kirche nicht eben mit feindlichem Auge betrachtet,namentlich die gläubigen Protestanten sahen darin immerhin einen erfolgreichen Wider-stand gegen den gemeinsamen Feind, daS Antichristenthum. Ueberdieß lag, wie nichtgeläugnet werden kann, in der ganzen katholischen Bewegung nichts konfessionell Pole-misches, eS war lediglich ein positives Wirken, um in dem katholischen Volke einlebendiges praktisches Christenthum zu erneuern. In so fern hatten diese letzten Jahreneben allem Trüben und Entsetzlichen auch etwas ungemein Tröstendes und Erheben-des. Dazu kam, daß die Revolution, die daS christliche Europa mit Verwüstungbedrohte und vor Allem die katholische Kirche , wie sich außer so vielem Andern inder römischen Revolution klar genug zeigte, daö Allerschlimmste befürchten ließ, durchdie rechtmäßige Gewalt niedergeworfen wurde und eS nun zu hoffen stand, dieStaaten würden, nachdem die äußere Gefahr überwunden, bereitwilliger der Kirchegestatten, den Seelen den Frieden zu bringen.

Allein eben scheint sich AlleS anders, sehr anders zu gestalten. Vor Allem hatdie äußere Beilegung der zerstörenden Mächte auf politischem Gebiet dem Wirken deSUnglaubens und deS AntichristenthumS keineswegs einen Damm gesetzt, im Gegentheildasselbe um ein Beträchtliches gesteigert. In demselben Maaße, als auf dem politi-schen Gebiete vor der Hand die destructiven Bestrebungen sich eingeengt fühlen, habensie sich ausschließlich wider die Kirche gewendet und man darf eS sich nicht ver-hehlen, eS wirb gegen dieselbe von dieser Seite ein furchtbarer VernichtungSkampfgeführt. Hunderte von Tagesblättern, die in allen Wirthshäusern, die in den Werk-stätten der Handwerker und vielfach selbst in den Häusern der Landleute anzutreffenfind, arbeiten Tag für Tag systematisch an der Zerstörung deS Glaubens und an derFanatisirung deS Volkes wider die Kirche und deren Diener, die man, wie in denZeiten der alten Christenversolgungen, als die eigentlichen Feinde des Menschen,