Ausgabe 
12 (3.10.1852) 40
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geschlechteS dem allgemeinen Hasse zu überantworten sucht. In vielen Gegenden sinddie meisten Blätter, welche vom Volke gelesen werden, dieser Art. Von Seite derweltlichen Obrigkeit geschieht nichts gegen dieselben, obwohl sie da,u unter allen Um-ständen berechtigt und verpflichtet wären, nicht bloß, weil die Obrigkeit verbundenist, die anerkannten Confessionen zu schützen und nicht zu dulden, daß der Haß gegensie gepredigt werde, sondern und ganz vorzüglich deßhalb, weil diese Blätter die allenConfessionen und aller sittlichen Ordnung gemeinsamen Grundlagen untergraben.Mit dieser schriftlichen Ausbreitung des AntichristenthumS in Blättern, wozu nochzahlreiche Brochüren und Kalender in gleichem Geiste sich gesellen, geht Hand in Handdie mündliche Verkündigung der antichriftlichen Lehre durch Hunderte von Anhängernderselben in allen Stänren. Anstatt daß aber nun so entsetzlichen Gefahren gegen-über die Kirche Förderung fände, tritt im gegenwärtigen Augenblick eine doppelteThatsache mehr und mehr hervor. Eine emsig genährte Aufregung und Abneigunggegen die katholische Kirche greift unter den Protestanten mächtig um sich. Gott seyDank, daß wir Katholiken mit gutem Gewisien sagen können, daß wir keine Ver-anlassung dazu gegeben haben, und daß dasjenige, waS diese Aufregung veranlaßthat, lediglich eine Ausübung der natürlichen Rechte zu dem besten Zwecke war; dennes ist in der That kein anderer Grund hiezu zu entdecken, als eben die oben erwähntegrößere Thätigkeit zur religiösen Hebung des katholischen Volkes. Wohl wissen wir,daß man einige Missionen, weil in Städten gehalten, deren Bewohner der Mehrzahlnach protestantisch sind, wie in Heidelberg, Wiesbaden, Danzig , als Angriffe aufden Protestantismus betrachtet hat; allein kein Vorwurf kann ungerechter seyn. ESfinden sich in all jenen Orten große katholische Gemeinden, dieselben bedurften einerGeisteserneuerung, wie die Missionen sie geben, und bloß für sie wurden diese Mis-sionen gehalten. Dazu kommen die Konversionen einiger hervorragender Protestanten,die noch dazu gar nicht in Folge von Missionen oder überhaupt äußerer Einflüsse zuStande gekommen sind. Allein, wie gesagt, ärger vielleicht, als zur Zeit derReformationsfeste, oder zur Zeit Ronge'S, erhebt sich eben von protestantischer Seiteeine Bewegung wider die katholische Kirche der allerschlimmsten Art. WaS je diegehässigste Polemik an Verdrehung katholischer Dogmen und an Entstellung geschicht-licher Thatsachen auSgeboren und wovon man hoffen konnte, daß man endlich dieseWaffen werde ruhen lassen, wird an allen Ecken und Enden in neuen Bearbeitungennicht bloß unter den Protestanten, sondern auch unter Katholiken verbreitet, dieSchriften Schenkels, wie sein neuestes WerkGespräch über Katholicismus undProtestantismus" sind Belege dafür, und deßgleichen die von Marriott in Basel herausgegebene Zeitschriftder wahre Protestant," die man eben selbst unter demkatholischen Volke zu verbreiten bemüht ist, und deren Hauptartikel die Erzählungangeblicher, von der katholischen Kirche wider Protestanten verübter Verbrechen,Mordthaten, Blutbäder ist. Die Darmstävter Kirchenzeitung bringt fast in jederNummer scandalöse Angriffe wider die Kirche und ihre Institute. Als Aushängeschildwerden, wie überall, die Jesuiten gebraucht. DaS Schlimmste aber besteht darin,daß diese protestantische Parteileidenschaft förmlich darauf aus ist, die prote stanti.schen Regierungen in diese Bewegung mit hinein zu ziehen und sievor Allem dahin zu bringen, der katholischen Kirche nicht bloß die ihr gebührendeFreiheit nicht rechtlich zu sichern, sondern auch das ihr bisher Gewährte wieder zuentziehen, und leider kann man nach den neuesten Vorgängen in Preußen Schlim-mes fürchten.

So scheint eS also festzustehen, daß der Kirche in der nächsten Zukunft überausschwere Leiden und Kämpfe drohen. Die revolutionäre Macht, die so mächtig ist,daß sie vor Kurzem noch fast alle Throne Europas wanken machte, sie wird ihrenEinfluß und all ihre Mittel und Künste zunächst gegen die katholische Kirche wirkenlassen und AlleS benutzen, waS ihr zu schaden im Stande ist. Ihr Wirken ist eindurchaus unmittelbares und praktisches, auf die LoSreißung der Einzelnen von derKirche gerichtet, und jeder Verführte wird sofort ein Verführer. Der Protestantismus