Ausgabe 
12 (3.10.1852) 40
Seite
320
URN (Seite)
  
 
Einzelbild herunterladen

32»

scheint in der nächsten Zukunft seine innern Streitigketten vergessen zu wollen, um inalter Kampfweise und mit erneuten Waffen gegen die kaiholische Kirche, von welcherer sich bedroht glaubt, zu Felde zu ziehen. DaS aufgeklärte StaatSkirchenthum abersieht die katholische Kirche als flaatSgefährlich an und will sie in möglichst enge Bot-mäßigkeit zurückversetzen und sie so ihren Feinden gegenüber möglichst wehrlos machen.So ist im Augenblick die Constellation und bei ihrer Betrachtung naht sich der Seeledie Versuchung schwerer Traurigkeit. WaS kann auch trauriger seyn, als eine inalles Elend, daS die Folge der Gvttenifremdung ist, versunkene Welt, die mit allerAnstrengung gegen jene göttliche Anstalt sich wehrt, die allein ihr in der Kraft desWeltheilanveS Rettung und Frieden zu bringen im Stande ist? als die Aussicht,anstatt auf bessere Zeiten, in welchen die Kirche in Frieren und Freiheit ihre Seg-nungen spendet, auf eine noch ärgere Befeindung und Fesselung der Kirche, als zu-vor stattgefunden?

Allein diesen Versuchungen zur Traurigkeit stellen wir einige Wahrheiten ent.gegen. Vor allem ist eS Gott , der dieses AlleS so zuläßt und ordnet, und vielleichtschon nach kurzer Zeit kann er zu unS sprechen:mußte nicht alles dieses so geschehen,damit die Kirche verherrlicht würde?" Die letzlen vier Jahre geben unS Grund genug,falls eS dessen bedürfte, gerade in den erschütterndsten und gefährlichsten Ereignissender Zeit die Hand GotteS zu erkennen. Es ist aber ein allgemeines Gesetz im ReicheGotleS, daß große Güter nur durch große Kämpfe und Leiden errungen werden.Wir aber sind kindischen HerzenS und möchten auf eine leichte kämpf- und schmerzloseWeise Großes erreichen. Es ist daS Gesetz des christlichen Lebens unv deßhalb zu-meist deS Lebens der Kirche, daß alle Gnaden und alle Siege durch viele Trübsaleund in einem harten Streiten errungen werden sollen. Sehen wir aber näher insEinzelne, so mögten wir nur Einen Punct hervorheben. ES bedarf die Kirche zurLösung ihrer ungeheuren Aufgabe in der Gegenwart ungemeiner Tugenden im Klerusund unter den Gläubigen. Sind dieselben bereits vorhanden? Nun gut, je größereLeiden und Kämpfe die Kirche treffen, um so größere und heroischere Tugenden wer-den sich in ihr entwickeln. Das ist daS Geheimniß , weßhalb die Kirche in friedlichenZeiten von der Höhe herabsinkt, dagegen auf Zeiten ihrer tiefsten Erniedrigung oftrasch eine wunderbare Verherrlichung derselben folgt. Im Frieden erschlaffen Viele,lieben Gott weniger, sind weniger opferwillig, man vergißt mehr und mehr wiedeS DankeS, so auch der Bitte je größer aber die Noth, je größer die Schmach,die von der Welt auf die Kirche gehäuft wird, je drohender der Untergang, um somehr entbrennt in Vielen der Eifer und dann bereitet Gott sich seine Streiter, umzur rechten Zeit ihnen den Sieg zu verleihen. Wenn also nur diese Trübsale die EineFrucht haben, daß wir dadurch demüthiger nnd eifriger werden, so haben wir keinenGrund zur Furcht, daß die Kirche Schaden leiben werde. Je größer unv ungerechteraber der Krieg wider die Kirche ist, um so heilbringender ist er für sie: der Jnviffe-rentiSmus schwindet und die Kirche wird zum Schauspiel für die ganze Welt wennaber die Welt nun ihr Bedrängnis;, aber auch ihre Glaubhaftigkeit sieht, das gegensie geüble Unrecht, aber auch ihr Recht kennen lernt, mit ihren Grundsätzen undSitten bekannt wird und endlich ihren Sieg über ihre Gegner wahrnimmt, dannwerden Unzählige den Glauben wieder gewinnen und aus gleichgiltigen Zuschauernoder selbst erbitterten Gegnern eifervolle Anhänger der Kirche werden. Darum dürfenwir wohl getrost in die Zukunft sehen, und sicher erwarten, daß die sich erhebendenAnfeindungen und Drangsale, weit entfernt die Entwickelung der kirchlichen Freiheitnach Außen und deS kirchlichen LebenS im Innern zu hemmen, beide vielmehr mächtigfördern werden.

Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen.

VerlagS-Juhaber: F. C- Kremer.