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das Werk der Glaubensverbreitung darbringen zu können, so ließ aus der Stim-mung, die gleich nach dem EröffnungSvorlrage bei den meisten Sträflingen sichtbarhervortrat, ein nicht minder günstiger Schluß sich ableiten.
„ES war den Armen gesagt worden, die Mission werde unter ihnen gehalten,damit sie Gelegenheit hätten, daS Eine Nothwendige so recht inö Auge zu fassen, dieewigen Wahrheiten, die sie vielleicht nie oder doch nur unvollkommen kennen gelernt,oder im Lause des LebenS unter den Versuchungen und Lockungen der Welt vergessen,in ihrem Zusammenhange zu betrachten, aufs Leben anzuwenden, das Heil ihrerunsterblichen Seelen zu sichern; nur darum handle eS sich; nur geistliche Wohlthatenwerden ihnen angeboten; zeitliche Wohlthaten, selbst eine bloße Erleichterung könnenihnen die Missionäre nicht zuwenden; die Theilnahme an der Mission sey eine ganzfreie, Niemand werde gehalten, den Bußpredigten beizuwohnen, Niemanden werdeein Zwang zum Empfange der heiligen Sacramente angethan: aber alle Mühe wür-den sich die Missionäre geben, um alle in diesem Hause Festgehaltenen Gott und demHimmel wieder zu gewinnen; dürften sie ja Niemanden richten, sähen sie ja in ihren
*) Es wurde durch dieses gewiß nicht gering anzuschlagende Opfer ein Almosen von 32 fl.18 kr. C. M. erzielt, das der Herr an den armen Gebern durch den gesegneten Erfolg der Missionwohl gelohnt hat. Auch in der Spielberger Strafanstalt hielten 422 Sträflinge zur Jubiläumszeitfreiwillig einen Fasttag und baten, daß der Geldbetrag, der so für ihre Beköstigung entfiele, zur Hälfteden Armen, zur Hälfte dem Leopoldinen- und dem Marienvereine zugewendet werden möchte. Dasnachstehende Schreiben, das Einer der Sträflinge bei dieser Gelegenheit an den Strafhausseelsorgergerichtet, werden Wir dem hochwürdigcn Herrn Provicar Oi-. Knoblecher mit der nächsten Almosen-sammlung in Original» zukommen lassen und veröffentlichen es, weil Wir glauben, es werde nichtohne Trost von dem Klerus und den Gläubigen unserer Diöcese gelesen werden. Nur die Bekannt-machung seines Namens hat der Briefschreiber sich verbeten:
„Offenes Schreiben an Se. Hochwürden den Herrn P. Eduard Haschek, unsern vielgeliebtenSeelsorger in dem k. k. Strafhause auf dem Spielberge."„Hochwürdiger Herr!
„Mit innigster Freude meiner Seele ergreife ich die Gelegenheit des kundgemachten, von SeinerHeiligkeit Papst Pius IX. der ganzen Christenheit und auch den in Gefängnissen Schmachtenden aller-gnädigst verliehenen Jubelablasses — und bringe mit willigem Herzen hier ein kleines Opfer mit Be-stimmung des Zweckes, zu welchem es verwendet werden soll. — Judas Jskariot hat bekannter Maßenunsern göttlichen Heiland um den schnöden Preis von dreißig Silberlingen schändlich verkauft, und ichhabe es mir längst schon vorgenommen gehabt, denselben lieben Jesum Christum mit den von meinemtäglichen Brode im Kerker mir ersparten dreißig Silberlingen wieder loszukaufen. „Was ihr gethanhabt Einem dieser Meiner geringsten Brüder, das habt ihr mir gethan!" so spricht der Herr in demheiligen Evangelium. Nun — so habe ich denn diese Worte wohl beherzigt und bitte Sie, hoch-würdiger und vielgeehrter Bater, Sie möchten die Güte haben, die anruhenden dreißig Silberlinge,respective dreißig Silbersechser, in nsturs dem Hochwürdigsten Herrn Knoblecher, apostolischen Provi-cariuS und Präsidenten des frommen Marienvereines, zur Loskaufung der Negersclaven und Verbrei-tung des Christenthums in Centralafrika durch das vorgesetzte hochwürdigste Ordinariat nach Chartum in Afrika mit dem allerhöflichsten Ansuchen übersenden, Höchderselbc möge nach seiner allgepriesencnBereitwilligkeit, Herzensgröße und Menschenliebe für diesen geringen Betrag (weil die Negerknäben,wie man schreibt, sehr wohlfeil auf den Bazars feilgeboten werden) einen jungen Negersclaven, dergute Anlagen zur christlichen Ausbildung verräth — nach Belieben loskaufen, denselben in der römisch-katholischen Religion unterrichten, auf den Namen Emanuel taufen, und in der Erziehungsanstalt inChartum zum heil. Pricstersiande und zu den weitern christlichen Missionen in Afrika ausbilden lassen."
„Sobald mir der Allmächtige die Freiheit schenken wird, will ich nicht ermangeln, noch mehrGutes für meinen lieben Emanuel zu thun. Jetzt bin ich es noch nicht im Stande. — In dersichersten Anhoffung, daß der hochwürdigste Herr Provicarius diese meine demüthige Bitte nicht ab-schlagen und meine sehr geringfügige Gabe nicht verschmähen wird, sehe ich schon im Geiste meinenlieben, stehen, kleinen Emanuel, küsse ihn viclmal herzlich, ertheile ihm meinen brüderlichen Segenund verspreche, denselben künftighin noch weiter nach meiner Möglichkeit zu unterstützen und auch selbstpersönlich, wenn mir Gott das Leben schenkt, einmal zu besuchen und liebevoll an mein Herz zudrücken, dann zu seiner hohen Bestimmung und Beruf kräftigst anzueifer»; — daher bitte ich nochferner« den hochwürdigsten Herrn Provicarius, dieses Schreiben dem kleinen Emanuel einzuhändigen,damit er es zum ewigen Andenken auf die Barmherzigkeit Gottes bei sich stets behalte und bewahre.DaS orientalische Sprichwort sagt: Berge kommen nicht zusammen, aber Menschen kommen zusam-men. Bi« dahin »erharre ich sowohl des hochwürdigsten Herrn Provicars als auch Eurer Hochwürden
ganz ergebenster Dienerarmer Sünder aus " '
Brüml, de» IS. J»li ISöS.