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dermaligen Zuhörern die Aermsten und Verlassensten, denen ste sich nicht verzögen,ondern deren Diener sie nach der Meinung ihres heiligen OrdenSstisterS seyn wollten,da sie an der Stelle der hier Festgehaltenen und in den Versuchungen, in denendiese gefallen, vielleicht noch schwerer würden gesündigt haben — daS war gesagtworden, und das Wort der Liebe fand Anklang; der Ruf der Gnade ward nichtzurückgewiesen. Nicht bloß die katholischen Sträflinge wohnten sämmtlichen Andachten,Predigten und Unterweisungen bei, sondern auch die Nichtkatholischen, Protestantenund Jsraeliten, erbaten eS sich als Gnade, daß sie die MissionSvorträge in derStrafhauSkirche mit anhören dürften.
„Dabei war die Haltung fast Aller die erbaulichste. Daß Einzelne mindergerührt sich zeigten, daß Andere vielleicht nur auS Furcht vor dem Tadel ihrer Ka-meraden ein anständiges Betragen einhielten, wollen Wir nicht in Abrede stellen,aber eben daß Mindergutgesinnte eS nicht hätten wagen dürfen, vor den Augen ihrerKameraden eine Leichtfertigkeit zu üben, oder ihre Verstocktheit an den Tag zu legen,zeigt, auf welcher Seite die Mehrheit war und wie vortrefflich die Mission auf denGeist der Sträflinge gewirkt. Die Bekehrung Aller und Jeder kann man auch beisolchen geistlichen Uebungen nicht erwarten, denn nie und nimmer, selbst bei der Missionnicht, thut Gott dem Willen des Menschen Gewalt an; immer gilt das auch vonden Missionären oft genug in Erinnerung gebrachte Wort (Ps. 44, 3): Heut,wenn ihr Gottes Stimme höret, verstocket eure Herzen nicht!
„Der Gang der MissionSvorträge war der gewöhnliche: Zuerst wurde die Aufmerk-samkeit für die ernsten, erschütternden Wahrheiten in Anspruch genommen, dann folgte dieBetrachtung der tröstenden, der erhebenden, immer mehr zur Liebe Jesu und zu seinerNachfolge, zum Verlangen nach der Einigung mit Gott hinführenden Lehren unserer hei-ligen Religion. Daß eS aber auch beim Vortrage der erstem nicht auf Furcht und Schre-cken überhaupt, sondern auf Weckung jener Furcht abgesehen war, welche der Anfang(Sprüchw. 1, 7), die Krone der Weisheit ist, welche vollkommenen Frieden gibt, dieFrucht des Heils (Sir. 1, 22), — daß durch die Hinweisung auf Tod, Gericht, Hölleund Ewigkeit Niemand in Verzweiflung gestürzt werden sollte und auch nicht gestürztwurde — daß die Missionäre Niemanden die Hoffnung des Heils absprachen und bei denfurchtbaren Wahrheiten immer auch die tröstliche Anwendung herauszuheben verstanden:dafür gibt das Verlangen Zeugniß, mit welchem die Sträflinge schon in den ersten Tagennach dem Empfange des heiligen BußsacramenteS begehrten; dafür sprechen die Thränender Rührung, die ihren Augen entflossen; dafür die Aeußerung, die nicht aus dem Mundeeines unv deS Andern, sondern gar Vieler zu wiederholten Malen gehört wurde: „Ach,wie schätze ich mich jetzt glücklich, daß ich in diesem Hause bin! daß ich meine Sünden ab-büßen kann! daß ich so schöne und so tröstliche Unterweisungen höre! O gewiß, nie, niewill ich mehr sündigen! Gott lohne eS allen, die unö so selige Tage bereitet haben!" —dafür mag insbesondere die Thatsache sprechen, daß ein junger, noch nicht vierundzwanzigJahre zählender Sträfling, dessen Strafzeit am vierten Tage der Mission, als noch dieernsten Wahrheiten behandelt wurden, abgelaufen war, unter Thränen bat, er möchtedoch bis zum Schlüsse der heiligen Uebungen, also noch vier weitere Tage im Strafhausebelassen werden! Fürwahr ein seltenes Vorkommniß, daß ein junger, lebenskräftiger undlebenslustiger Mann einen längeren Aufenthalt im Strafhause als Gnade und Wohlthatsich erbittet!
„So können wir ohne Furcht, daß man uns der Uebertreibung zeihe, wohl sagen,daS Zucht- und StrafhauS zu Brünn habe in den Tagen der Mission denHimmelSbewoh«nern ein Freudenschauspiel (Luk. 15, 7) geboten, denn (Röm.5, 20) wo die Sünde über-schwenglich war, wurde die Gnade noch überschwenglicher und eS hätte gar Mancher vonden Gefangenen zu den in der Welt Lebenden sprechen können, wie einst PauluS zu KönigAgrippa gesprochen hat (Ap.-Gesch. 26, 19): Wollte Gott , daß nicht nur wenig, sondernviel, nicht allein du, sondern auch Alle, die mich hören, heute daS würden, waS ich bin,ausgenommen diese Bande!
„Ja eS waren gewiß viele Gerechtfertigte in den Reihen der Strafhausbewohner,