Ausgabe 
12 (10.10.1852) 41
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324
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und die Fesseln, die fie trugen und noch tragen, werden ihnen von Gott nicht mehr zurTilgung der Schuld, sondern der Ergebung wegen, mit welcher sie solche tragen, zumVerdienste angerechnet. Von denjenigen, denen wir mit größtem Troste am 2l. und 23.August die heil. Communion reichen konnten, werden sicherlich die Wenigsten ein zweitesMal wieder Bewohner dieses HauseS werden; und so möchte die Mission, welche die wohl-ehrwürdigen Väter Redemptoristen in dem Brünner Provincialstrafbause abgehalten, denklaren Fingerzeig geben, wie man auf die wirksamste und mindest kostspielige Weise dieBesserung der Sträflinge erzielen und der Ueberfüllung der Strafanstalten mit Rückfälli-gen und der dadurch nothwendig werdenden Erweiterung und Vermehrung der Strafhäu-ser vorbeugen könne. Die Bauart der Gefängnisse allein entscheidet hierüber nichts; diekreis- oder sternförmige Gestalt der Zuchthäuser bewältigt die' Sünde in der Brust desVerbrechers nicht: daS Innere deS Menschen erfaßt einzig die Religion, schafft und bildeteS um durch himmlische Wahrbeit und Gnade, und darum gilt auch bei der Frage um dieGefängnißresorm daS Wort deS großen Apostels (.1. Tim. 4, 3), daß die Gottseligkeit zuAllem nützlich ist.

Schließlich erwähnen Wir noch der wahrhast rührenden Weise, in welcher dieSträflinge ihren Dank gegen die Väter Missionäre auszudrücken begehrten. Sie hattendas Ansinnen, einen Fasttag zu halten, um von dem Gelde, das ihnen in Folge deS Er-sparnisseS an ihrer Beköstigung zufiele, den guten Bußpredigern ein Andenken zu kaufen.ES kostete Mühe, ihnen begreiflich zu inachen, daß dieß nicht angehe, daß die Missionäre,selbst nicht unter dem Titel eines Meßstipendiums, irgend ein Geschenk annehmen, daß fieaber schon über den guten Willen ihrer neuen geistigen Kinder hocherfreut seyen; endlichaber mußte man den dringenden Bitten doch in so fern Nachgeben, als die Gefangeneneinen Fasttag hielten und den AdlösungSbctrag der freien Verfügung deS HauSseelsorgerSanheimstellten. Auf Anrathen der hochw. Missionäre und mit Zustimmung der löblichenHauSdircciion wurde beschlossen, daß mit dem Gelde der Anfang zur Gründung einerständigen Bibliothek für die Strafanstalt gemacht werden solle.

So sey denn Gott für diesen tröstlichen Erfolg von unS Allen laut und offengepriesen, aber auch inständigst gebeten, daß Er, der daS gute Werk angefangen, eS auchvollendcn wolle bis auf den Tag Christi Jesu (Phil. 1, 6).

Gegeben in unserer bischöflichen Residenz zu Brunn am Tage der Geburt derallerseligsten Jurtgfrau, im Jahre deS Heils 1353.

Anton Ernst, Bischof.

(I.. 8.) Augustin Kiorvöky, SecretSr.

Unsrer lieben Frauen Mantel.

Ein» Erzählung in sieben Lectionrn über da« Salve Negina.Sechste Lection:Wende deine barmherzigen Avgen un« zu."Am nächsten Vormittag (eS war am Vorabend deS großen MuttergotteStageS)hörte Joscpha kaum den Einspänner vor der HauSthüre rollen, als fie schon eilend»entgegen rief: Er ist ja hier! er ist ja schon hier! Werden», Pepi, sprach HerrPankraz, von seinem zeitweiligen Kutscherposten sich herabarbeitend, wer denn, meinKind? Nun wer denn? Den Herrn JacqueS meine ich, Vater. Wirklich,Josephs? rief freudig der alte Falzmann. Ja gewiß, betheuerte sie, indem sie ihmherabsteig«n half, seit gestern Abend schon. Nun gelobt sey Gott ! sprach derGreiS; dießmal hat Gott wieder geholfen! Josepha rief einem Gesellen, um Wageyund Pferd in den Hof zu bringen, und führte die Beiden in die Stube hinein. Sengegrüßt und habe Dank, du Helferin der Christen! so sprach Pankraz, gegen daSMuitergotteSbild gewendet; Dank sey dir, daß du Dcujenigen unS zurück geführt hast,der dir zwar keine sonderliche Ehifurcht hat beweisen wollen. Du, o große Frau,hast dennoch unser Gebet erhört und die Macht deiner Fürbitte an den Tag gelegt.Darum hat Gott nicht zugelassen, daß wir selber ihn fänden, damit wir nicht unsern