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Bemühungen eS zuschreiben, sondern seiner väterlichen Gütigkeit und deinen Mitleids»vollen Augen, die unsere Noth angesehen. Setzen Sie sich doch, bester Herr Nachbar,meine Pepi bringt Ihnen sogleich einen Teller Suppe. Nichts mit dem Fasten heute,Sie sind übel auf. Erst die Erhitzung, die Angst, der Schweiß, dann der erschreck-liche Gewitterschauer darauf; c« ist kaum anders möglich. Ich will doch lieber nachmeinem Sohne mich umsehen, erwiderte FcilzNiann, auch ist noch Manches an Büchernund Bildern zusammen zu richten aus Morgen. — Ja wohl, ja wohl, sagte Pankraz,und gerieth in einige Unruhe, denn er hatte bisher mit seiner Arbeit kaum dazugelangen können, um jugendlichen Augen und Gaumen für daS bevorstehende Wall«sahnSfest ein reich gefülltes Lebkuchen, Lustgezelt aufzurichten. Er eilte hinaus, umGesellen und Lehrjungcn zu meistern und auch Joseph» an ein Geschäft zu beordern,als einer von der fürstlichen Dienerschaft kam, um diese letztere und den alten Falz-mann zur Fürstin zu holen. Ach die Fürstin! rief er mit väterlicher Behaglichkeit,du giltst richtig etwas bei ihr; mußt bei allem dem doch morgen im Zelt stehen undlebkuchene Reiter verkaufen!
In einem der einsamen Klosterstübchen saß indessen Herr JacqueS und sannund schrieb in der Bitterkeit seines Herzens mit solcher Emsigkeit, als wollte er daSBuchbindergewerbe mit dem Schriststellerwesen vertauschen. Er schrieb jedoch Werke,auf die er sich im Mindesten nichts einbilden konnte und die er am Nachmittagesammt mündlichen Erklärungen bloß allein dem Prior zu lesen gab, worin sich dennzwischen dem unberühmten JacqueS, dem Buchbinder, und dem berühmten Jean Jac-queS , dem Schriftsteller, ein großer Abstand zeigte, in so fern der letztere seine Be-kenntnisse keinem Diener Mariä überreicht hat, um im Namen ihres SohncS, desRichters aller Gedanken und Werke, nicht sowohl daS Admittitur, als vielmehr daSRemittitur zu erlangen. Dieß aber ist daS große Remittitur: Gehe hin, mein Sohn,dir sind deine Sünden vergeben!
Und der Prior sprach ferner zu ihm: Sie dürfen nun fröhlich seyn, mein Lieber,und JhreS VaterS wegen ganz ohne Kummer. Verlassen Sie nunmehr auch diesestille Zelle hier und helfen Sie unS, da Sie ein Mann von Geschmack sind, dieKirche und die Alläre für daS Fest decoriren; auch hat die Fürstin bereits den Mantelfür daS Gnadenbild über dem Hochaltare hierher geschickt. Wenn Sie bei dieserGelegenheit dem Bilde in die Nähe kommen, so betrachten Sie mit Ehrfurcht dieerhabenen, wenn gleich nicht kunstreichen Züge dieser uralten Abbildung, und diewundersamen Augen voll Ernst und Gütigkeit, in deren Anschauung wirklich etwasunbeschreiblich Wahrhaftes empfunden wird, und sprechen Sie ganz kindlich undunbefangen in Ihrem Herzen: Dich, o glorreiche Mutter und Jungfrau, verehre ichin diesem Bilde, in welchem du so Vielen schon Trost und Freude gegeben, und ihnendie göttliche Gnade, deren Mutler du bist, vermittelt hast. Wende diese deine huld-reichen Augen auch zu mir und flöße mir die Liebe zu deinem göttlichen Sohne inSHerz, welcher auS Liebe zu mir dein Sohn geworden ist. Bitten Sie auch fürIhren Vater und halten Sie fest an der Zuversicht zur großen Mittlerin, dcr sie nunschon so Vieles verdanken; denn, mein Sohn, wenige sind so glücklich wie S^e!
In kurzer Zeit war in der Kirche alles zum Feste vollendet; mit rothem Damastedie Säulen umwunden, die Altäre mit künstlichen Blumen geschmückt uuv die glän-zenden Leuchter in vielfache Reihen geordnet, in AlleS überstrahlender Pracht abernahm sich der goldblumige Purpurmantel auS, der zu beiden Seiten daS Frauenbildumfing, mit dcr Krone von zwölf Sternen darüber, von zwei Seraphinen gehaltenund die reiche Stickerei des ThroneS ober dem Tabernakel, von der Hand der Fürstinselbst verfertigt. AlleS dieß gab dem GotteShause ein so hochfesilicheS, prunkvollfriedliches Ansehen, daß eS wie mit stillem Jubel den geweihten Raum durchzog:Wie lieblich sind deine Wohnungen, o Herr der Heerschaaren! Selig, o Herr, die indeinem Hause wohnen, sie werden dich in Ewigkeit loben!
Bald auch, vom festlichen Geläute zusammen gerufen, füllte ein zahlreichesVolk das Haus und sang, als Vesper und Segen zu Ende waren, mit großerFreude und Andacht folgendes einfältige Lied: