Ausgabe 
12 (17.10.1852) 42
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dargestellt wird, wie er nur Werkzeuge selbstsüchtiger Willkür dulden mochte undPriester, die mit ächt kirchlicher Gesinnung erfüllt waren, zu verfolgen wußte sowird durch solche Darstellung doch offenbar eine großartige Lehre gegeben, wie dieKirche in ihrer historischen Wissenschaft schon das Gericht für'S Dießseits die uner-bittliche Geschichte über diejenigen ergehen läßt, die abgefallen von ihrem wahrenGeiste nur in Selbstsucht und weltlichem Gebahren befangen waren, ob sie auchnoch so hoch in Würden dagestanden sind. Und da ist unS eben TheinerS Buch einneuer Beweis, wie großartig Rom die Kirchengeschichte behandelt wissen will, undwie eS keineswegs in Rom beabsichtigt ist, die Acten zu verbergen und die Wahr-heit der Geschichte zurückzuhalten. (W. Kirchenz.)

Die Mission in Heining unweit Paßau.

Längere Zeit schon gingS von Mund zu Mund, auch Heining sollte der Wohl-that einer Mission theilhaftig werden. Von dem größten Theil der Gläubigen wurdesomit sehnsuchtsvoll nach dem Tage geschaut, welcher die Boten des Friedens GotteS herbeirufen sollte. Endlich erschien er denn und ungemeine Freude bemächtigte sichder Meisten, als am 14. September die heilige Mission ihren Anfang nahm. Selbeabzuhalten waren die fünf hochwürdigen PP. Redemptoristen 5) mit ihrem hochwür-digen Herrn Superior P. Haringer an der Spitze, TagS vorher in Paßau angelangt,wohin sie von St. Oswald gekommen waren, und wurden von dem hochwürdigenHerrn Pfarrer Damberger in Heining nach eben diesem Orte abgeholt. Am 14.selbst nun bestieg P. Haringer, nachdem ihm in der neuestens schön restaurirten Pfarr-kirche die sämmtlichen Vollmachten vom Herrn OrtSpfarrer übertragen worden, dieauf freiem Felde links der Straße, welche über VilShofen und StraubingZnach RegenS-bürg führt, errichtete Kanzel, die Mission zu eröffnen. war Abends vier Uhr,da er die ersten Worte an die ziemlich zahlreich versammelte Gemeinde richtete. Siewaren Worte der Verkündigung dcS Friedens, der Ermahnung zur Buße und Um-kehr zu Gott, warum eben die Missionen abgehalten wurden. Der Eindruck war einsichtbarer: die Herzen der versammelten Gläubigen schienen gewonnen. Hierauf wurdedie Tagesordnung von der Kanzel gelesen, wornach die Mission vom 14. bis 22.September incl. dauern, an jedem Tage dreimal, um halb acht Uhr Morgens, einUhr Nachmittags und vier Uhr Abends eine Predigt gehalten werden sollte, woraufmit dem Allerheiligsten der Segen gegeben wurde. Nach der Frühpredigt war jeder-zeit feierliches Hochamt, darnach meist um zehn Uhr eine Christenlehre für die Kinder.Nachmittags zwischen der Predigt um ein Uhr und der um vier Uhr wurde der heiligeRosenkranz erklärt und abgebetet. Spät am Abend endlich, nachdem durch das Ave-Läuten zum Preise demjenigen aufgemuntert war, der eS nicht verschmähte, als deöMenschen Sohn zur Erde niederzusteigen und uns in Allem gleich zu werden, dieSünde ausgenommen ertönte nochmal der Klang der Glocke, aber ernst und tiefin die Herzen eingreifend. Um halb neun Uhr nämlich hallte eS weit und laut vomThurme in die stille Nacht hinaus, für die Bekehrung der Sünder den Allerbarmeraus tiefstem Herzen anzuflehen. Wie Viele mag wohl beim stillen Gebete der bittendeTon der Glocke selbst gerührt und zur Umkehr bewogen haben? Wenn aber auch dießmöglich, weit mehr deß bm ich überzeugt wirkte die Gnade deS Herrn durchden Mund seiner Missionäre.

In der That, alle Predigten, welche ich zu hören daS Glück hatte und ohneZweifel alle andern, können als Muster, an daS Herz des Volkes zu sprechen, be-trachtet werden. Einfach, ohne Ziererei, drang das göttliche Wort auö dem Herzenund Munde des Predigers zum Gemüthe der.Gläubigen. Bald ernst und erschütternd,bald aufmunternd und tröstend, wie es der Seelenzustand erheischte, wurden die hei-

") Ertlmayr, Hader, Hermann, Riegger und Freimadl.