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ligen Wahrheiten und Lehren unserer hl. Kirche vorgetragen. Niemals aber fehlte dieAbsicht der Liebe, als einzige Richtschnur für die Wirksamkeit der Missionäre. Wassoll ich sagen von den herrlichen Gleichnissen und erklärenden Beispielen, welche diehochwürdigen PatreS benutzten, um dem Worte GotteS desto leichteren Eingang inder Gläubigen Verständniß und Gemüth zu verschaffen? Genau für das Volk berech-net wurden sie auS der Mitte deö Volkslebens selber genommen: die nahe rauschendeDonau mit der ganzen umgebenden Natur wurde aufs tiefste und doch einfachste zurBelehrung und Erbauung ausgebeutet. Oft vernahm ich von Solchen, die hierinein Urtheil haben: Das sind wahre Volksprediger, geeignet, Gott und sich die Her-zen zu gewinnen. ES war aber auch etwas Erhebendes und Niederschmetterndes,z. B. Herrn P. Riegger mit der Kraft eines PauluS und der Sanftmuth einesJohannes die ernstesten Wahrheiten vortragen zu hören. Wenn der hochwürdigeP. Ertlmayr von der Macht der Hölle und der Macht des Kreuzes sprach, wußteman nicht, ob der Abscheu vor der Sünde oder die Liebe zur Tugend tiefer in dieHerzen dringen sollte. Oeffnete der hochwürdige P. Superior den Mund, sey es alsEngel des Friedens aufzutreten, wie er in der EröffnungSpredigt gethan, oder alsernster und strenger Mahner zur schnellen Buße zu erschüttern, oder mit der Liebeeines frommen Kindes zu seiner Mutter von dem Lobe und dem Preise, so wie derNachahmung der allerseligsten Jungfrau zu reden, war es zweifelhaft, ob Thränender Freude über die großen Gnaden oder Zähren der Trauer über die vielen Sündenin den Augen der Gläubigen glänzten. WaS die frommen, opferfreudigen Patresim Beichtgerichte als Seelenärzte wirkten, ist nur Gott und den einzelnen Herzenbekannt, welche nunmehr den Frieden der Seele nächst Gott den theuren Missionärenverdanken. Die Anstrengung war eine wahrhaft übermenschliche. Herr P. Freimadlunterlag derselben schon in den ersten Tagen, so daß er nach Nltötting zurückgebrachtwerden mußte. Besonders aber muß ich noch hervorheben die sogenannten Standes-predigten, welche vor dem Sündenbekenntnisse eines jeden einzelnen Standes gehaltenwurden. An vier Tagen gab eS solche: der Eindruck muß gewaltig gewesen seyn,denn ich glaube, alle Pfarrkinder reinigten ihre Seelen durch Generalbeichten. Feier-lich waren die Generalcommunionen, welche in der Regel TagS darauf während deSHochamtes abgehalten wurven. Vor und nach denselben ertönten eindringliche Worteder Ermahnung und Bestärkung an die Communicanten und bei zwei Generalcommu-nionen geschah die Errichtung der für unsere Zeit so nothwendigen Jungfrauen- undJünglingsbündnisse. Auch hier war eS sehr tröstend zu sehen, wie zahlreich, insbe-sondere bei den Jungfrauen, der Zutritt zu denselben war. Ueberhaupt aber sage ichkeine Unwahrheit, wenn ich von der Theilnahme von Seite der Gläubigen sage,daß sie sehr groß und erfreulich gewesen. Während der ganzen heiligen Missionkonnte man die geheimnißvolle Umwandlung durch die Gnade des barmherzigen Got-teS an fast allen Pfarrangehörigen bemerken. Dieser entsprach das ernste, in sichgekehrte, würdige Benehmen der Gemeinde. Allein nicht bloß diese, sondern Gläu-bige aus Nah und Ferne zog der fromme Eifer und der Durst nach der himmlischenHeilsquelle zu der Theilnahme an den Segnungen der Mission. Wie Vieles könnteich noch sagen von der rührenden Feier der Kindercommunion, der Wiederholung deSTausgelübdeS, der feierlichen Hingabe der Gläubigen an JesuS und seine heiligeMutter Maria! Doch ich begnüge mich dieses gesagt zu haben und berühre nur nochden letzten Tag, die Schlußfeier der Mission. Sie war die schönste, die rührendste,die ergreifendste. Nachdem der hochwürdige P. Hader die Weihungen der Kreuze,Rosenkränze, Medaillen und Bilder vorgenommen, bestieg nach feierlicher Processionmit dem Allerhciligsten der hochwürdige P. Superior zum letzten Male die Kanzel.In heiliger Freude pries er den Eifer der Gläubigen und die Frucht der heiligenMission: sodann aber sprach er auch seine Gefühle der Bangigkeit und Trauer aus,sich und die Gläubigen erinnernd, „daß der Geist zwar willig, aber daS Fleischschwach sey", demnach gar Mancher wieder abfallen würde. Daher gab er nochmaldie Mittel an, in der Treue gegen Gott standhast auszuharren, und nahm sofort