Ausgabe 
12 (17.10.1852) 42
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Bereits war daS letzte buntfarbige Herbstlaub über des alten FalzmannS Grabhügelhingeweht, als die Thränen wieder von neuem flössen. Die Fürstin war in dieHauptstadt zurückgekehrt und halte Josepha als Gesellschafterin, wie Pankraz ver-sicherte, oder alS Kammerjungfer, wie die andern Leute im Orte wußten, mit sichgenommen. Herr JacqueS gab sich zwar zum letzten in die Kost und hielt sich fleißigzur Arbeit, auch redete ihm der alte Nachbar oftmals zu, und sprach: Nur ausharren,mein Kind, und dem Herrn Prior gehorsam seyn und der Meinung der Fürstin fol-gen, die an Ihnen wie eine Mutter handelt, und vor Allem die HtmmelSfürstin umihren Schutz anflehen, die Ihnen schon so viele Gnaden erzeigt! Nichtsdestowenigerverging kaum eine Woche, wo er nicht nach seinem Felleisen sah und die Riemenaufzog, um eS in reisefertigen Stand zu setzen. Aber da war das Erste, waS seinemBlick begegnete, seines VaterS Abschiedsschreiben, das laS er dann, erwog eS hinund her, zog ganz sachte die Riemen wieder zu und blieb. ES dauerte aber nichteinmal siebenmal sieben solcher Wochen, die Herr Jacques alS seine Probezeit zubrin-gen mußte, und eS soll diese Geduld- und Ergebungsübung ihn nimmermehr gereuthaben, obwohl die Folge davon war, daß der nunmehrige junge Buchbindermeister,ehe ein JolleS Jahr umging, aus dem ungebundenen in den gebundenen Stand über-trat. Da war die Gesellschaft, die bei dem Sterbelager versammelt gewesen, aufdem fürstlichen Schlosse wieder beisammen, und Herr Pankraz genoß einer Ehre, dieihn süßer dünkte, als Alles, was er an eigenem Hänvewerk jemals SüßeS vollbrachthatte. Die Fürstin aber ließ beim Schlüsse der Tafel ein schönes Bild unserer liebenFrau in einem glänzenden Rahmen hereintragen, und sprach: Dieses Bild kennt ihrwohl, auch der goldgestickte Mantel ist nicht hinweggelassen; eS ist genau nach jenemam Altare, vor dem Ihr heute daS heilige Bündniß einginget. Unter dem Schutzeder göttlichen Mutter möget Ihr in treuer Liebe und Einigkeit durch dieses Lebenwandeln, und tagtäglich durch ihre Fürbitte erfahren, wag mit den goldenen Buch-staben unter dem Bilde steht. Sie sahen hin und lasen die Worte: O gütige,o milde, o süße Jungfrau Maria!

WeHindien.

Der Generaldirector der Schulbrüder auf der Insel Martinique , BruderPhilemon, starb kürzlich. Dieser schmerzliche Verlust ist keine vereinzelte Thatsache.Jedes Jahr sterben in dieser Mission mehrere Arbeiter in der Blüthe ihrer Jahre,oder werden doch wenigstens zur Rückkehr nach Frankreich genöthigt, um ihregeschwächte Gesundheit zu stärken. Ihrer sind einerseits zu wenige, um den dringen-den Bedürfnissen der Colonien zu genügen, und andererseits sind sie zu eifrig, umalles Gute zu fördern. In einzelnen Gemeinden haben sie 5l1t), köv, ja 7- bis 300zur ersten Communion vorzubereiten. Der Director der Schulbrüder zu Guadeloupe schreibt unter dem 27. Juli an den Generalobern Herrn de la MennaiS: Siebegreifen, mein guter Vater, daß solche Anstrengungen die Brüder ermüden. Nichtsdesto weniger unterziehen sie sich ihnen mit bewunderungswürdigem Eifer. Manbemerkt aber auch so vielen guten Willen bei diesen braven Leuten, man ist Zeugevon dem Eifer, welchen sie beweisen, zu Gott zurückzukehren, nachdem sie so langeSclaven deS Teufels waren, so daß man unmöglich seinem Eifer Schranken setzenkann, und sich mit Freude für ihr Seelenheil aufopfert. ES ist wahrhaft rührend,wenn man sieht, wie nach Beendigung ihres mühseligen Tagewerks nicht alleinJünglinge, sondern Greise von sechzig, siebenzig und achtzig Jahren begierig nachder Lehre des Heils zu unsern Häusern kommen, und sich so auö Begierde zu hören,der nothwendigsten Ruhe berauben. Ich kann nicht aufhören Freudenthränen zuweinen. Dieser Religionsunterricht ist mein größler Trost. Er ist das Beste inunserer Mission.

Berautwortlicher Redacteur: L. Scheuchen.

VerlagS-Znhaber: F. C. Kremer.