Ausgabe 
12 (24.10.1852) 43
Seite
337
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Zwölfter Jahrgang.

Sonntags-Beiblatt

zur

Äugslmrger PostMung.

St. Oktober M 1852.

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GlaubenStöue aus der Mark.

ES ist eine nicht zu verkennende Thatsache, daß sich im nördlichen Deutschland ein der katholischen GlaubenSanffassung geneigter mächtiger Geist regt, und eS sindin der letzten Zeit Erscheinungen zu Tage getreten, die deS Kaiholiken Herz mitFreude erfüllen, cS haben Ereignisse statt gefunden, die, wenn sie auch im erstenAugenblick die veolssia prvssu beweinen lassen, doch den erfreulichsten Auögang neh-men werden und müssen, wir sagen: müssen, denn die Wahrheit muß durchdringen,muß siegen. Sind die Erscheinungen auf dem kirchliche» Gebiete im nördlichenTheile unseres Vaterlandes erfreulicher Natur, so sind sie eS besonders auch deßwegen,weil sie ein Beweis nicht bloß deS Suchens, sonderndes SchncnS nach dem positivenGlauben sind, und ihren äußern Grund in der Zerfahrenheit deS Protestantismus ,in seiner kirchlichen Unselbstständigkeit, in dem dogmatische^ Indifferentismus der Unionfinden. Zeuge dessen ist ein Schriftchen, welches die Ausschrift führt:Unser Zustandvon dem Tode bis zur Auferstehung", und dessen. Verfasser L- P. W. Lülkemüllernicht bloß dem Protestantismus angehört, sondern selbst evangelischer Pfarrer in derMark Brandenburg ist. In diesem Werkchen ist nicht nur die Lehre vom Fegefeuerauf biblischem und traditionellem Grunde evident bewiesen, sondern sind fast alleFnndamentalwahrheiten deS christkatholischen Glaubens mit einer Schärfe und Wahr-heit dargelegt, daß der Verfasser in seinem Glauben mit dem Glauben der heiligenKirche vollkommen übereinstimmend betrachtet werden muß. Wir sind beim Lesendieser Schrift so freudig überrascht worden, daß wir glauben, den Lesern dieser Blättereinen angenehmen Dienst zu erweisen, wenn wir sie einige frische GlaubenStöue auSder sonst so sandigen Mark vernehmen lassen.

Der Verfasser widmet seine Schriftder heiligen allgemeinen, d. i. katholischenKirche." Und was ist unserm Verfasser die Kirche? Nachdem er das monarchischePrincip in der Kirche, daö Papalsystem, als das allein wahre, von Christus iusti-tuirte anerkannt und bewiesen hat, fährt er S. 32 fort:Ich bekenne offen, daß ichseitdem die katholische Kirche in einem ganz andern Lichte betrachte, ich verehre, woich früher ich meinte in einem ehrenhaften, ritterlichen Kampfe das Schwertzog. Ich kann die heilige Kirche nicht mehr alö ein Unhistorisches, als eine unsicht-bare, oder wenn sichtbar als ein todt AbstracteS, formulirt in einer subjektiven Auf-fassung von einerVersammlung aller Gläubigen, bei welchen das Evangeliumrein gepredigt, und die heiligen Sacramente laut deS Evangelii gereicht werden"annehmen. Dieses ist eben so uubestimmt, wie der Paragraph einer modernen Con-stitution."Ich sehe schon aus der Organisation der heiligen Kirche, welche derHerr EhristuS selbst bestimmte, und aus der geschichtlichen Erscheinung der heiligenKirche seit dem ersten Pfingstfeste (vergl. Apostelg. 2), mithin aus dem neuen Testa-