Ausgabe 
12 (24.10.1852) 43
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mente, daß die Kirche hier auf Erden kein bloßcS Hirngespinnst ohne Fleisch undBlut, sondern eine wirkliche historische ist, oder ich müßte sie deßhalb für unsichtbarhalte», weil sie mir, etwa wegen meines Ichs, und so aus Blindheil gegen dasWort Gottes, noch unsichtbar wäre. Ich glaube an die einige, heilige, apostolischeund katholische Kirche ."Wie ich in Christo selbst, dem Haupte, annehme, alser vom Himmel auf Erden in die Erniedrigung gekommen war, daß Gott geoffen-baret ist im Fleische, daß JesuS Christus ist ins Fleisch gekommen, also dieGemeinschaft zwischen der Gottheit und der Körperwelt, ihre Verbindung annehme:so kann ich auch nun den Leib Jesu Christi in ssiner Einen, heiligen Kirche nichtmehr schwärmerisch verabscheuen, in der sichtbaren Kirche und damit andererseits dieKirche selbstwörtlich überschätzen, d. h. sie mir in ein falsch spiritualistischeS Phan-tom auflösen, in ein unsichtbar abstracteS Ding ohne Wirklichkeit, in eine bloßeIdee, wie einst Juno die Himmelskönigin sich, nach der Mythe, dem, der sie sinnlicherkennen will, entzieht, indem sie sich in eine Wolke auflöst. Einen Dunst statt derKirche umfaßt Jeder, der sie nun auch in irgend einen todten Buchstaben ohne Geist,Leben unb Wirklichkeit formulirt, heiße es:Die Bibel allein!" und wo möglichnoch ohne Apokryphen, oder:die symbolische Schrift! oder Schriften", oder:dieBibel so weil sie Bibel ist!" Ohne die heilige apostolische und katholische Kirche selbst bleibt alles ein strohernes Wesen, Holz, Heu, Stoppeln, ein todtes Schema,eine fremdartige, unhistorisch?, revolutionäre Konstitution, da man meint, den ganzenStaat mit aller Weisheit in der Westentasche forttragen zu können. DaS ist frei-lich leichter als die katholische Kirche ! Eben so thöricht ist das Geschrei: Christ!Christ! gegen den Geist der heiligen Kirche. Dagegen schaue ich die unaussprech-lich herrliche, die heroisch Erhabene, die Vergötterte, das Weib mit der Sonnebekleidet. Ich schaue die Braut des himmlischen Salomon, die Eine, die AuSerwählte,die Taube. Wie der Herr aus verschiedenen Heerden von Schaafen (in den Kirchendes Heidenthums) gewollt hat, daß sie Eine werde, und dazu in den Einen Schaaf-stall geführt werde, damit Eine Heerde und Ein Hin sey, so auch hier: Eine istdie AuSerwählte, die Taube, nicht Zwei. Ich schane sie die Himmelsbraut, diesesverkörperte, höchste EpoS der Lieder, deren äußeres Wundervolles die Hülle deöInnern, des Jncorporirten selbst ist, in welchem der Geist zur Realität geworden ist.Ich schaue dieses höchste Kunstwerk Gottes. Fleisch von dem Fleische deS zweitenAdam, auS Christi Rippe, da er in den TodeSschlaf gesunken ist, geschaffen, diegeistliche Eoa, die Mutter aller Lebendigen, die Herrin und Inhaberin deS Para-dieses. Sie ist, abstract betrachtet, die heilige Mutter GotteS, die Maria, welchedas Jesuskind unter ihrem Herzen hat, bis zur seligen Geburt! Seit die heilig-machende Gnade daS Bild GotteS , den ^os, wieder in mir hervortreten ließ, seheich auch nicht mehr in der heiligen Kirche einen bloßen Schattenriß, eine leere Form,ein blasses Bild das Bildliche ist unter dem Alten Testamente nein, hier istdaS lebendige Wesen, von welchem wir im Alten Testament daS Bild sehen!Gewinnt Christus erst in uns selbst die Gestalt,' dann vermögen wir ihn auchwieder in der Gestalt seiner heiligen Kirche zu schauen, dann begreifen wir derenInstitutionen, deren Zweckmäßigkeit, deren Contemplativität, deren Entsagung, derenZucht, wie auch ihre monarchische Gestaltung, ihre Hierarchie!"Diese heiligeKirche muß u»S, als Unwürdige, an das Gängelband ihres GlaubenSansehcnS neh-men, oder wir vermögen nicht zu gehen"; sie ist Auktorität, Richterin,durch einPrimat in dem Papstthume ist die heilige Kirche in sich selbst erhalten worden, durchChristi göttliche Institution des Petrus in daS Primat mit der Uebertragung derSchlüssel deö Himmelreiches ist sie der Sauerteig geworden, um alle Völkermasscnzu durchsäuern." Die katholische Kirche hat auch mit ihrem Geiste die Völker durch-säuert, in den Völkern die wirkliche Reformation vollbracht, und um diese zu voll-bringen, hat sie den bei den einzelnen Völkern sich vorfindenden reinen, natürlichenNamen der Religion, die Fragmente der Uroffenbarung, nicht verworfen, sonderngerade auf diesen Stamm, diese OffenbarungSsragmente das neue Pfropfreis des