Ausgabe 
12 (24.10.1852) 43
Seite
339
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Christenthums eingepflanzt, wie der heilige Paulus in Athen gethan, da er denAthenern nur den unbekannten Gott, dessen Altar er vorfand, zum Bewußtseyn bringt,und Propst so auf den Namen der Gottesfurcht der Athener daS Reis dcS Christen.lhnmS. Aber diesennatürlichen, volksthümlichen Stamm der Religion beachtetendie sogenannten kirchlichen resormaton'schcn Männer des Volkes im löten Jahrhunderteganz und gar nicht; im Gegentheile, unfähig zu unterscheiden, verlästerten sie, judai-sirend, ihn und damit die nachgewiesene apostolische Weisheit der katholischenKirche alS^heidnisches Rom ", als Heidenthum, Abgötterei, als den Antichristu. s. w. Darum muß ich entschieden bestreiken, daß sie als Männer des Volkes, imhöheren Sinne, handelten; vielmehr begann damit ihre rationalisirende, nur aus-lösende, nur zersetzende Subjektivität und die Begründung von Scctenthum statt derKirche. Einerseits entsteht bei dem Verlust der wahren Kirche nun ein subjcctiverIdealismus, ein loSgeschältcr todter AbstrahiSmuS, ein Phantom, ein Idol, einGespenst von Kirchenthum, daS man für den lebendigen Christus und sseinc wahreKirche, für den Geist hielt, andererseits zugleich die Auflösung in den rein fleischlichenMaterialismus, daS Ende deS Rationalismus, welches nothwendig auS seinem Prin-cipe folgt; während die andern sich todt jagen in dem:Hier ist Christus! undda ist er!"Nein, dort ist der Geist!" Und überall doch «ur dasselbe Gespenst.DaS Abgestorbene kann nicht erzeugen, nur zerstören. So hat die Reformation deSlöten Jahrhunderts auch keinen kirchlichen Baustyl erzeugt, nur ausgeräumt hat sie,nur, «o sie etwas Kirchlicheres zeigt, das Alte für sich in Beschlag gehalten oderdasselbe mit mehr oder minderm Geschicke etwas nachgeahmt in äußerlicher Mosaikarbeit. Betrachten wir dieses moderne Wesen geschichtlich, so macht die Revolutionderartig tabula rsss, um sich mit ihrer usurpatorischen Willkür an die Stelle deSnaturwüchsig Christlichen , Legitime», Historischen zu setze». Sie pflanzt den wurzel-losen, todten Frciheitsbaum statt dcö natürlichen, wurzelnde», immer grünen, ver-edelten LcbcnsbaumcS auf; sie wirkt, statt der Cultur, Verwilderung.

(Fortsetzung folgt.)

Ueber die alten christlichen Handwerker-Innungen.

(Oestcrr, Bolksfrcund.)

Kirchlich gesinnte Männer richten seit einiger Zeit ein vorzügliches Augenmerkauf den Handwerkerstand, und bemühen sich, die Mitglieder dieses Standes in reli-giöser Beziehung zu heben, und eine wahrhaft christliche und kirchliche Gesinnung indemselben zu verbreiten.

Dem Bemühen dieser edlen Männer verdanken die Gcsellenvereine ihren Ursprung,von denen man mit Recht nicht bloß für den Handwerkerstand, sondern überhauptfür die ganze menschliche Gesellschaft, für Kirche und Staat heilsame Früchte erwar-ten kann.

Um nun den christlichen, den kirchlichen Geist bei den Mitgliedern des Hand-werkerstandes zu wecken, möchte ein Rückblick auf die Geschichte dcS christlichen Hand«werkerstandeS, besonders aufsein uraltes, auf kirchlichem Grunde beruhendes JnnungS-wesen nicht ohne Nutzen seyn.

Die Handwerker-Innungen, d. i. die Handwerker-Vereinigungen, auch Aemter,Gilden, Gaffeln oder Eidgenossenschaften genannt, sind sowohl ihrem Ursprünge alsihren Einrichtungen nach kirchliche, christliche Vereine, religiöse Bruderschaften.Wenn sie gleich bürgerliche Zwecke hatten, so war doch ihre Einrichtung religiös,nach dem Vorbilde anderer religiöser Vereine und Bruderschafte». Man kann darummit Recht auch die alten Handwerker-Innungen eine Pflanzung der christlichen Kirchenennen, da sie alle ihre Einrichtungen, alle ihre Gesetze und Vorschriften, ja selbstihre Gebräuche und Gewohnheiten auS der christlichen Kirche, besonders auS demkirchlichen Bruderschafts- und Klosterleben entnommen haben.