Ausgabe 
12 (24.10.1852) 43
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Laicnwclt in Schwung gekommen sey. Die Laien, vorzüglich die Handwerker,ahmten das Klostcrlebcn nach, und nahmen die religiösen Einrichtungen desselben,so viel eS nur immer mit dem Wcltlebcn vereinbar war, auf. Gleich den geistlichenBruderschaften bildeten die Mitglieder desselben Handwerkes eine durch einen Eid ver-pflichtete Eidgenossenschaft. Sie ahmten selbst die mönch 'sche Abgeschlossenheit nach,indem in gar vielen Städten die Mitglieder desselben Handwerkes dieselben Straßenoder Stadtviertel bewohnten.

Diese Einrichtungen nun, welche die Handwerker auS dem Klosterleben genom-men hatten, machten das eigentliche Wesen, den Kern der Handwerker-Innungen aus.Alle diese Einrichtungen der Handwerker Innungen sind streng religiös, kirchlich, undhaben das Christenthum, seine Glaubens- und Sittenlehre zur Grundlage. Wir wol-len nur einige dieser Einrichtungen in Kürze vorführen.

Eine der vornehmsten, wahrhast christlichen Einrichtungen der alten Handwerker-Innungen sind die Zahltage.

Jede Handwerker-Innung hat ihren Jahrtag. Der Jahrtag ist das VercinS-und Bruderschaftsfest des Handwerkes und seiner Mitglieder. Er entspricht demOrdcnsfeste der Klosterbrüder. Der Mittelpunct der Feicr dieses BruderschastSfesteSbesteht in der Darbiingung des heiligen Meßopfers. Dadurch zeigt sich die Innungals ein streng katholischer Verein. Denn nur der Katholik betrachtet die heilige Messeals Mittelpunct aller GotteSvcrehrung, als das einzig wahre Bitt- und Dankopfer.

An diesem JnnungSfeste sollen, wie die alten JnnungSbücher strenge vorschrei-ben, außerGottsgcwalt," d. h. außer dem Falle einer schweren Krankheit, alleMitglieder der Innung Theil nehmen. Nachdem sich dieselben beim HandwerkSvaterversammelt haben, wandeln alle JnnungSbrüder, Meister und Gesellen im feierlichenZnge in die Kirche zu dem Brudcrschaftöaltare, wo nach altem Brauche die heiligeMesse gefeiert wird. Dadurch zeigen die Mitglieder ihren Glauben an das Geheim-niß des heiligen Meßopfers an, sie drücken damit ihren Dank auS gegen Gott fürdie von ihm der Innung und den einzelnen Mitgliedern erwiesenen Wohlthaten, undzugleich die Bitte um fernern Schutz für die gesammte Innung. Und somit ist derJnnungS-Jahrtag eine rein kirchliche, katholische Einrichtung.

Eine andere ganz christliche Einrichtung, die wir in den alten Handwerker-In-nungen antreffen, ist die Verehrung eines Schutzheiligen, eines Patrons,der Handwerkspatron genannt.

Jedes einzelne Handwerk verehrt einen Heiligen als seinen Patron, als seinenFürbitter bei Gott . Man wählte zum Patron eines Handwerkes gewöhnlich einensolchen Heiligen, der entweder selbst, als er auf Erden lebie, das Handwerk bclriebenhatte, oder doch auf irgend eine Weise zum Handwerke in einer nähern Beziehungstand. So hat sich das ehrsame Handwerk der Zimmerleute den Nährvater Christi,den heiligen Joseph zum Patron erwählt, weil nach dem Zeugnisse des Evangeliumsder heilige Joseph das Zimmerhandwerk betrieben hatte. Die Maler verehrten denheiligen LukaS als ihren Patron, weil er nach der Legende selbst die Malclkunst sollbetrieben haben. Der heilige EligiuS ward, da er selbst ein Schmied irar, alsPatron der Schmiede verehrt. Der heilige Nikolaus ward zum Patron der Schiffer,Fischer, Brauer und Müller, der heilige Johannes der Täufer zum P.iiron derSchneider, der heilige SrveruS von Ravenna zum Patron der Weber, lur heiligeJakobus Allemanus zum Patron der Glaser, der heilige Goar zum Patron der Töp-fer, der heilige GualfarduS zum Patron der Sattler , die heiligen Crispin und Cri«spinian zu Patronen der Schuster, die heiligen CoSmaS und Damian zu Patronender Aerzte erwählt.

Ihre Verehrung gegen den Patron deS Handwerkes haben nun von jeher dieInnungen auf verschiedene Weise ausgedrückt. Der Festtag des Patrons war Feiertagfür die Mitglieder der Innung. In jenen Orten, wo die Innung ihren eigenenAltar, JnnungSaltar, hatte, da stellte das Altarbild den Handwerkspatron vor.Auch die Zunft- und JnnungSfahnen wurden und werden noch jetzt mit seinem Bild-