Ausgabe 
12 (24.10.1852) 43
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ganz in der von dem Programm vorgezeichneten Weise, und unter tiefster religiöserStille der Tausende, die Zeugen des imposanten Actes waren. Der Herr Erzbischofnahm, nachdem die in den Grundstein bestimmten Gegenstände eingelegt waren, diefeierliche Einweihung desselben vor, während die Geistlichkeit so wie alle Anwesendenauf die Kniee gesunken waren und die Landwehr zum Gebete commandirt war. Nunwurde der Grundstein von acht Werkleuten unter VorauStritt der hohen Geistlichkeitund der Choralisten an die für ihu bestimmte Stelle'getragen, dort von dem HerrnErzbischofe mit Weihwasser besprengt, und sofort die Ceremonie des HammerschlagSund Mörtelwurfs begonnen, welche der Reihe nach auch der Herr Regierungspräsident,so wie die übrigen hiezu Eingeladenen vollzogen. In dem Augenblick, wo diese Cere-monie begann, ertönte von Neuem das Glockengeläute und Kanonendonner von Seiteeiner Abtheilung der Landwehrartillerie der Hauptstadt. Nachdem dann die hoheGeistlichkeit auch die Einweihung der Grundmauern nach dem ganzen Umfange deSKirchenbaucS vorgenommen hatte, stimmte der Herr Erzbischof, vor dem Faldistoriumin der Nähe deS Grundsteins wieder angekommen, das Vom erestor Spiritus an,wobei alle Anwesenden auf die Kniee fielen und die Landwehr zum Gebet commandirtwurde. Nach ertheiltem erzbischöflichcn Segen nahm hierauf der hohe Kirchenprälatauf der Erhöhung am Eingange des PreSbyteriumS Platz, und richtete zum Volkegewendet unter der lautlosesten Stille eine eben so warme als salbungsvolle, mitKraft und Nachdruck gesprochene Anrede an dasselbe, deren Hauptthema die Noth-wendigkeit deS treuen FesthaltenS am Glauben an Jesus Christus und die Ermah-nung dazu war. Den Schluß bildete eine Aufforderung an alle Anwesenden zurwerkthätigen Beförderung deS beginnenden Kirchenbaues durch Spendung von mildenBeiträgen dazu, damit das so schön begonnene und so Großes versprechende Werkzur Vollendung geführt werden könne. Zuvor schon war allen Denen, welche bis-her schon dazu thätig und helfend mitgewirkt, der wärmste Dank ausgesprochen wor-den. Die von Herzen kommenden Worte des sichtlich ergriffenen hohen Prälatendrangen auch zu den Herzen; davon gaben die in vielen Augen perlenden Thränender tiefsten Rührung das sprechendste Zeugniß, und wir hoffen und wünschen, daß sieauch für das herrlich sich erhebende neue Gotteshaus reiche Früchte tragen mögen.Nach ertheiltem Segen celebrirte nun der Herr Erzbischof in der feierlichsten Weisedas Pontificalamt, worauf der ganze Zug in derselben Ordnung, wie er gekommenwar, nach der alten Pfarrkirche zurückkehrte.

Schreiben eines 7Sjährigen Bischofs.

Als im Jahre 1819 dem Erzbischof von Bamberg , Grafen von Stubenberg(früher Fürstbischof von Eichstätt ), zugemuthet wurde, er solle den für die Kirche ver-derblichen Constitutionseiv schwöre«!, schrieb er unter andern an den Fürsten Wredezu München :Vielfältig und schwer waren die Opfer, welche ich seit der Säkulari-sation bringen mußte. Tiefkränkend war oft die Behandlung, welche sich einigeStciatSdiener gegen einen legitimen Reichsfürsten erlaubten. Und bei alle dem fügteich mich gelassen, ruhig und Gott ergeben in diese neue, unverschuldete Lage, undbeschloß in stiller Zurückgezogeuheit mich ganz für das geistige Wohl meiner anver-trauten Heerde zu verwenden. Allein für mich scheint der Friede entflohen zu seyn,und waS meine Seele noch tiefer verwundet, ist das wiederholte Verlangen, in Allesgeradezu, ohne den mindesten Vorbehalt zu willigen, AlleS zu thun und in Allemunbedingt zu gehorchen, waö der Staat von mir fordern wird." . . . Daß er demRegenten Unterwürfigkeit und Gehorsam in allen Gesetzen des Staates schuldig sey,lehre die Religion, aber sie lehrt auch, daß er Gott mehr gehorchen müsse als denMenschen" ....Wie könnte ich bei solchen Verhältnissen gegen meine innersteUeberzeugung und gegen die laute Stimme meines warnenden Gewissens einen unbe-dingten Eid schwören, wie könnte ich der Braut unsere» göttlichen Erlösers, der